Treffpunkte mit langer Tradition
02.07.2026 ArisdorfFreiwillige hübschen die Brunnen im Dorf auf
Für das Anpflanzen und Pflegen des Blumenschmucks ihrer Brunnen sucht die Gemeinde Arisdorf Freiwillige. Damit wird die Tradition fortgeführt, die Brunnen mit saisonalen Blumen aufzuwerten und damit das Dorfbild zu ...
Freiwillige hübschen die Brunnen im Dorf auf
Für das Anpflanzen und Pflegen des Blumenschmucks ihrer Brunnen sucht die Gemeinde Arisdorf Freiwillige. Damit wird die Tradition fortgeführt, die Brunnen mit saisonalen Blumen aufzuwerten und damit das Dorfbild zu verschönern.
Brigitte Keller
Trotz der jüngsten Trockenheit laufen die Brunnen in Arisdorf. Das Wasser zum Giessen des Blumenschmucks befindet sich somit direkt unterhalb der durstigen Pflanzen. Gerade während einer Hitzewelle sind diejenigen, die für die Blumen zuständig sind, sehr froh darüber. In den vergangenen Tagen wurden die Brunnen sogar zum Abkühlen genutzt: Erwachsene schütten sich Wasser ins Gesicht und über den Kopf, Kinder steigen gleich ganz hinein.
In Arisdorf gibt es 16 öffentliche Brunnen. Anfang dieses Jahres startete die Gemeinde einen Aufruf, mit dem sie Freiwillige suchte für die Bepflanzung und Pflege der Dorfbrunnen. Der Erlös aus dem Verkauf der alten Beflaggung sollte für einen neuen blumigen Brunnenschmuck verwendet werden. Vier Personen sind bisher dem Aufruf gefolgt und haben sich bei der Gemeindeverwaltung gemeldet.
«Ich brauche Blumen»
Dorfbrunnen waren jahrhundertelang das pulsierende Herz von Gemeinden. Als zentrale Wasserstellen für Mensch und Tier prägten sie die lokale Entwicklung. Sie dienten als essenzielle Versorgungs-, Lösch- und Waschplätze, waren aber vor allem soziale Knotenpunkte für den täglichen Nachrichtenaustausch. Diese Wichtigkeit haben sie natürlich längst verloren, aber als Treffpunkt für ein Schwätzchen eignen sie sich nach wie vor bestens.
Einer der Arisdörfer Brunnen, für dessen Pflege sich jemand zur Verfügung gestellt hat, steht vor dem alten Bauernhaus an der Hauptstrasse 44. Auf der gegenüberliegenden Seite der Strasse durchs Dorf verraten Töpfe mit Blumen, dass dort jemand wohnt, dem Blumen wichtig sind. Es sind dies Sibylle Laubscher und ihr Mann Michael. Sie haben sich auf den Aufruf als «Blumenpfleger» für den besagten Brunnen gemeldet.
Für Sibylle Laubscher ist dies keine neue Aufgabe, denn sie sorgt schon seit geraumer Zeit für die Bepflanzung und Pflege der Blumenkiste am Brunnen. Sie hat diese Aufgabe vor Jahren ganz selbstverständlich übernommen, als ihre betagte Nachbarin dies nicht mehr bewältigen konnte. «Ich liebe und brauche Blumen», sagt Laubscher, «und ich finde, Blumen vor einem Haus gehören zu einem schönen Dorfbild.» Es war für sie Ehrensache, diese Aufgabe nun auch offiziell weiterzuführen.
Bald 200 Jahre alt
Der Brunnen stammt aus dem Jahr 1829, wie die Reliefschrift auf dem Brunnenstock verrät. Im Zuge der kürzlichen Neugestaltung der Hauptstrasse wurde der altehrwürdige Brunnen umgesetzt, bekam einen neuen schmückenden Brunnenstock-Aufsatz sowie drumherum eine neue Pflästerung. Nach fast 200 Jahren schaut er jetzt Richtung Hauptstrasse.
Für diesen Sommer hat sich Laubscher anstelle von Geranien, wie es sonst üblich ist, für niedrige respektive hängende Pflanzen entschieden. «Ich finde es schön, wenn man die Jahreszahl sieht.» Welche Blumen als Brunnenschmuck gepflanzt werden, ist den Pflegenden freigestellt. Wer Blumen einkauft, kann sich den Betrag gegen Vorweisen der Quittung von der Gemeinde erstatten lassen.
«Je mehr Blumen, desto besser, es gibt schon genug Steingärten», findet Sibylle Laubscher, Malerin und Grafikerin von Beruf und seit 20 Jahren in Arisdorf wohnhaft. Ihre Liebe zur Natur drückt sich durch ihren Blumenschmuck vor dem Haus und dem wilden Garten – Motto «der Stärkere überlebt» – hinter dem Haus aus. «Zudem inspiriert die Natur Künstler schon immer und ewig», ergänzt sie.
Damit die Pflanzen am Brunnen gegenüber überleben, müssen sie bei den aktuellen Temperaturen am besten zweimal pro Tag gegossen werden. Die Naturliebhaberin nimmt schnell ihre grüne Giesskanne und gönnt den durstigen Pflänzchen eine Extraportion «Überlebenshilfe».


