Tradition im frisch genähten Gewand
05.03.2026 WaldenburgDer Jodlerklub Spitzeflüeli bekommt neue Trachten
Im Hinblick auf das Eidgenössische Jodlerfest im Juni in Basel haben sich die Männer vom Jodlerklub Spitzeflüeli in Waldenburg neue Festtagstrachten schneidern lassen. Wir besuchten die Anprobe der neuen ...
Der Jodlerklub Spitzeflüeli bekommt neue Trachten
Im Hinblick auf das Eidgenössische Jodlerfest im Juni in Basel haben sich die Männer vom Jodlerklub Spitzeflüeli in Waldenburg neue Festtagstrachten schneidern lassen. Wir besuchten die Anprobe der neuen Gewänder.
Carolina Mazacek
In der Garderobe der Bennwiler Turnhalle hat sich eine Gruppe Männer versammelt. Es handelt sich um Aktive des Jodlerklubs Spitzeflüeli aus Waldenburg und es gilt, die neuen, massgeschneiderten Kittel und Hosen ihrer neuen Baselbieter Festtagstracht anzuprobieren. Im neuen Tuch werden die Jodler am Eidgenössischen Jodlerfest in Basel teilnehmen, das vom 26. bis 28. Juni dauert.
«Wir hatten schon lange vor, neue Trachten anfertigen zu lassen», sagt der Präsident des Jodlerklubs, Jeremias Heinimann. «Wer uns genau anschaut, sieht, dass sich unsere Trachten leicht unterschieden.» Als Beispiel nennt er die Gilets, die in Farbe und Schnitt nicht identisch seien. «Ein Grund mehr, neue zu besorgen», so Heinimann. Vor allem aber hätten die Gewänder ihren Dienst getan. So schätzt Heinimann das Alter seines Kittels auf 40 Jahre. Fürs Jodlerfest in Basel wollten die «Spitzeflüeli»- Jodler dann schon anständig gekleidet sein.
Zunächst wandte sich der Klub an den Baselbieter Trachtenschneider David Rihs. Nachdem dieser die Gilets fertiggestellt hatte, wechselten sie aufgrund der begrenzten Kapazitäten des Schneiders zur Firma Schuler aus Rothenthurm im Kanton Schwyz. Diese ist auf Uniformen und Trachten spezialisiert. Dort liess der Jodlerklub Kittel und Hosen anfertigen.
Know-how von Spezialisten
Nach Absprache mit der Trachtenkommission der Trachtenvereinigung Baselland und der Trachtenschneiderin Marianne Gysin wusste die Firma Bescheid, wie die Baselbieter Tracht genäht werden muss. So stimmen Schnitt, Farbe und Stoff mit den Vorlagen überein. Ausserdem hat die Firma die entsprechenden Stoffe an Lager, wenn ein neues Mitglied des Jodlerklubs eingekleidet werden muss. Somit kann die Firma schnell reagieren.
Im vergangenen Herbst fiel der Startschuss und es hiess: Oliver Häberli von der Firma Schuler komme und nehme die Masse. «Für das ganze Projekt haben wir ein halbes Jahr eingeplant, denn zuerst muss ein Termin fürs Massnehmen gefunden werden, dann gebe ich die Masse an die Firma weiter», erklärt Fachmann Häberli. Anschliessend wurde der Schnitt erstellt, der Stoff zugeschnitten, zusammengenäht und gebügelt.
Am vergangenen Donnerstag fand die Anprobe statt. Passt die Tracht? Wo ist es noch locker, muss irgendwo noch etwas angepasst werden? Häberlis Auge erkennt sofort, wenn etwas nicht stimmt. Der diplomierte Damenschneider reist nicht nur durch die Schweiz und besucht die Kunden der Firma Schuler, sondern war auch drei Jahre lang als Herrenschneider beim königlichen Theater in Kopenhagen tätig.
Die Baselbieter Festtagstracht für Männer besteht aus einem roten Gilet mit sechs silbernen Filigranknöpfen. Dazu kann eine Taschenuhr mit silberner Kette getragen werden, darunter ein weisses Hemd mit Manschettenknöpfen und als Anzug ein schwarzer Kittel und schwarze Hosen. Ein schwarzer Hut sowie schwarze Schuhe mit einer Schnalle komplettieren die Tracht.
Die 18 Männer des Jodlerklubs Spitzeflüeli freuen sich darauf, ihre neuen Trachten beim Eidgenössischen Jodlerfest in Basel einzuweihen und sie dem Heimpublikum am Jodlerabend, der dann im Herbst stattfinden wird, zu präsentieren. Mit dabei sind selbstverständlich jeweils auch die vier Frauen des Vereins. Sie tragen bei den Auftritten ebenfalls die Festtagstracht.
Eine vollständige massgeschneiderte Männertracht hat ihren Preis: rund 2500 Franken kostet sie. Dank eines Beitrags aus dem Swisslos Fonds in der Höhe von 7000 Franken musste der Jodlerklub nicht so tief in die Tasche greifen. Ausserdem wurde nach Möglichkeit gespart: «Wir haben die teuren Filigranknöpfe von unserer alten Tracht genommen und sie an die neue angenäht», sagt Jeremias Heinimann. Und Häberli ergänzt mit einem Schmunzeln, hier werde Upcycling betrieben. Für den Jodlerklub verblieben somit Gesamtkosten von 12 000 Franken.
Die Anprobe ist zu Ende. Einige Anzüge passen noch nicht ganz. Diese nimmt Oliver Häberli wieder mit nach Rothenthurm. Andere sind schon bereit, um mit nach Hause genommen zu werden. Doch das muss warten. Zuerst kehren die Jodler noch auf ein Bier ein.




