Tempo statt Verzögerung für die Energiewende
13.01.2026 PolitikThomas Noack, Landrat SP, Bubendorf
Ich erinnere mich noch gut an jene Tage im März 2011: Fukushima. Drei Kernschmelzen – im hochtechnologisierten Japan. Schlagartig wurde klar: Hochrisikotechnologien können scheitern. Und wenn sie scheitern, dann mit ...
Thomas Noack, Landrat SP, Bubendorf
Ich erinnere mich noch gut an jene Tage im März 2011: Fukushima. Drei Kernschmelzen – im hochtechnologisierten Japan. Schlagartig wurde klar: Hochrisikotechnologien können scheitern. Und wenn sie scheitern, dann mit Folgen, die Generationen beschäftigen. Kaiseraugst, Tschernobyl – und dann Fukushima: Spätestens da brauchte es die Wende.
Seither hat die Schweiz konsequent entschieden: Energiewende beschlossen, den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie eingeleitet und mit der Energiestrategie 2050 den Kurs gesetzt – weniger Fossile, mehr Effizienz, mehr erneuerbare Produktion im Inland. Die Klimabewegung hat uns die Rechnung gezeigt: Jede weitere Tonne Kohlenstoffdioxid bedeutet, dass unsere Kinder und Grosskinder später die Zeche zahlen. Netto Null ist deshalb keine Kür, sondern das Minimum an Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen. Und der Ukrainekrieg hat uns zusätzlich vor Augen geführt: Abhängigkeit von Importen macht verletzlich – ökologisch, wirtschaftlich und geopolitisch. All diese Linien laufen heute zu- sammen. Der Kurs ist beschlossen. Was fehlt, ist Tempo.
Darum stimmen wir am 8. März über die Solarinitiative ab. Nicht aus Ideologie, sondern aus Pragmatismus: Wenn wir es ernst meinen mit Klimaschutz, Netto Null und Versorgungssicherheit, dann müssen wir das Naheliegende konsequent tun. Im Baselbiet liegt ein grosses, bisher zu wenig genutztes Kraftwerk brach: Dächer, Fassaden und grosse Parkierungsflächen. Dort soll lokal Solarstrom produziert werden – ohne Lärm, ohne Abgase, ohne zusätzlichen Landschaftsverbrauch – mit einer Technologie, die bewährt und vor allem sicher ist.
Ich bin Raumplaner. Flächenkonflikte zu lösen ist schwierig. Jede neue Anlage ausserhalb des Siedlungsgebiets löst Diskussionen aus. Umso unverständlicher ist es, wenn wir das konfliktärmste Potenzial liegen lassen: bereits gebaute Flächen. Solar auf bestehenden Dächern passt zur haushälterischen Bodennutzung – es ist jene «Innenentwicklung» der Energieproduktion, die wir in der Raumplanung seit Jahren einfordern.
Natürlich braucht es Augenmass: Ausnahmen, eine Regelung für Härtefälle und Unterstützung gehören dazu. Aber genauso klar ist: Wer baut, saniert oder grosse geeignete Dächer besitzt, trägt Ver- antwortung. Was mich an der Initiative überzeugt, ist ihr Kern: Sie macht aus einer allgemeinen Absicht eine verlässliche Umsetzung. Sie sorgt dafür, dass wir das Potenzial nicht jedes Jahr neu beschreiben, sondern endlich ernten. Je schneller wir ausbauen, desto mehr profitieren wir: von geringerer Importabhängigkeit, von stabileren Preisen, von lokaler Wertschöpfung und von einem Stromsystem, das breiter abgestützt ist.
Am 8. März entscheiden wir, ob wir weiter im Modus «zu langsam, aber gut gemeint» bleiben. Ich sage Ja: Tempo machen – mit sicheren, bewährten Technologien.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

