Teil des ersten EM-Teams
26.06.2026 SportGonçalves-Schwestern schreiben ein Stück Padel-Geschichte
Amanda und Leandra Gonçalves spielen ab morgen an der Juniorinnen-Europameisterschaft in Portugal Padel. Die beiden Sissacherinnen gehören zum ersten Schweizer Mädchen-Nationalteam überhaupt, das sich ...
Gonçalves-Schwestern schreiben ein Stück Padel-Geschichte
Amanda und Leandra Gonçalves spielen ab morgen an der Juniorinnen-Europameisterschaft in Portugal Padel. Die beiden Sissacherinnen gehören zum ersten Schweizer Mädchen-Nationalteam überhaupt, das sich für das Turnier qualifiziert hat.
Melina Mundschin
Für Amanda (16) und Leandra (14) Gonçalves ist der «FIP Junior Euro Padel Cup» weit mehr als nur ein internationales Turnier. Die beiden Schwestern aus Sissach gehören zum ersten Schweizer Mädchen-Nationalteam überhaupt, das sich für diese Nachwuchs-Europameisterschaft qualifiziert hat, die am Samstag in Portugal beginnt. Damit schreiben sie bereits vor dem ersten Ballwechsel ein kleines Stück Schweizer Padel-Geschichte.
Dass sie heute das Schweizer Nationaltrikot tragen dürfen, hat eher mit Zufall zu tun. Zwar kannten die beiden den Sport bereits aus ihrer Kindheit, gespielt haben sie zunächst jedoch kaum. Den entscheidenden Anstoss gab ihr Vater während der Sommerferien in Portugal vor einigen Jahren. Dort lernten die Schwestern die Sportart Padel erstmals näher kennen. «Wir haben immer wieder mit unseren Eltern gespielt und an kleineren Turnieren teilgenommen», erinnert sich Amanda.
Damals gab es in der Schweiz kaum Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche, die tennisähnliche
Sportart «im Käfig» zu spielen. Auch heute sind Trainingsangebote und Turniere für den Nachwuchs noch selten. Einen besonderen Eindruck hinterliess bei den Schwestern dann ein Besuch der World Padel Tour im schwedischen Malmö im Jahr 2020. «Das war extrem beeindruckend», erzählt Leandra. «Plötzlich waren wir mitten im Geschehen.»
Aus den ersten Schlägen entwickelte sich schnell eine Leidenschaft. «Padel macht süchtig», sagt Amanda. Der Grund dafür sei einfach: «Man wird schnell besser. Was wir im Training üben, können wir häufig schon wenige Tage später im Match anwenden.»
Die Wand als zweite Chance
Padel wird klassischerweise im Doppel gespielt. Die Glaswände rund um den Court gehören dazu, und die Bälle dürfen auch nach einer Wandberührung oder über die Wände gespielt werden. Gerade diese Besonderheit fasziniert Amanda und Leandra. «Das Glas ist wie eine zweite Chance», sagt Amanda. Selbst scheinbar verlorene Bälle können dadurch nochmals zurückkommen.
Beide spielen neben Padel auch Tennis. Trotzdem sehen sie die Sportarten nicht als Konkurrenten. «Man kann sie eigentlich nicht vergleichen», sagt Leandra. Während im Tennis Kraft und Explosivität oft entscheidend seien, komme es im Padel stärker auf Übersicht, Spielverständnis und das Zusammenspiel mit der Partnerin an. Gerade das gemeinsame Auftreten auf dem Platz schätzen die beiden besonders. Als Schwestern verbindet Amanda und Leandra mehr als nur die Liebe zum Sport. Sie trainieren häufig zusammen und motivieren sich gegenseitig. «Wir verstehen uns ohne Worte», sagt Leandra. Amanda ergänzt: «Wir pushen uns gegenseitig und bleiben dadurch beide dran.»
Die Nachricht von der Teilnahme an der EM kam für Amanda und Leandra überraschend. Nach einem nationalen Selektionstraining mit den besten Nachwuchsspielerinnen des Landes hatten sie zwar gehofft, berücksichtigt zu werden, mit einer
Zusage gerechnet hatten sie jedoch nicht. «Ich hätte nie erwartet, dass es reicht», sagt Leandra. Amanda erinnert sich noch gut an den Moment, als die Bestätigung eintraf: «Wir haben beide am selben Abend Bescheid erhalten. Es war ein unglaubliches Gefühl.»
Schweiz im Rückstand
Ab morgen folgt der grosse Höhepunkt. Bis am Montag sind die beiden Oberbaselbieterinnen in Porto, wo die Vorrunde um den Einzug in die Finalrunde des «FIP Junior Euro Padel Cup» ausgetragen wird. In Portugal treffen sie mit der Schweizer Delegation auf die besten Nachwuchsspielerinnen Europas. Insgesamt kämpfen 15 Mädchen-Nationalteams während dreier Tage um vier Plätze in der Finalrunde der besten acht Nationen Europas. Amanda wird für die U16-Auswahl antreten, Leandra in der U14. Die Gonçalves-Schwestern gehören damit zu den ersten Schweizer Padelspielerinnen, die sich auf diesem Niveau mit Europas Besten messen können. Wenn auch in verschiedenen Kategorien, erleben sie das Turnier als gemeinsames Abenteuer.
Die sportlichen Erwartungen halten die beiden bewusst realistisch. Nationen wie Spanien, Portugal oder Italien sind im Nachwuchsbereich deutlich weiter als die Schweiz und gehören seit Jahren zur europäischen Spitze. Für Amanda und Leandra steht deshalb nicht allein das Resultat im Vordergrund. «Wir wollen alles geben, als Team auftreten und die Erfahrung geniessen», sagt Amanda. Auch Leandra denkt ähnlich: «Es ist eine grosse Ehre, überhaupt dabei sein zu dürfen. Wir wollen Spass haben und uns nicht verrückt machen.»
Eine Besonderheit ist der Austragungsort: Die Familie Gonçalves hat portugiesische Wurzeln, und das Turnier findet in Porto statt. Zahlreiche Verwandte werden vor Ort mitfiebern. Für die Grosseltern sei es etwas ganz Besonderes, ihre Enkelinnen ausgerechnet in der Heimat auf einer internationalen Bühne spielen zu sehen. «Sie hätten sich das nie träumen lassen», sagt Amanda. Gleichzeitig werden auch Freunde und Bekannte aus der Schweiz mitfiebern können, denn sämtliche Partien werden live übertragen.
Unabhängig vom sportlichen Abschneiden haben Amanda und Leandra Gonçalves bereits etwas erreicht, das ihnen niemand mehr nehmen kann. Als Teil des ersten Schweizer Mädchen-Nationalteams am «FIP Junior Euro Padel Cup» schlagen sie ein neues Kapitel auf. Die Reise an die Europameisterschaft ist bereits jetzt ein Meilenstein, nicht nur für die beiden Schwestern, sondern auch für den Schweizer Nachwuchs-Padelsport.
Nachwuchs-EM
mm. Der «FIP Junior Euro Padel Cup» ist einer der wichtigsten Nachwuchswettbewerbe im europäischen Padelsport, die Sieger dürfen sich Europameister nennen.
Gespielt wird in den Alterskategorien U14, U16 und U18. In der diesjährigen Vorrunde spielen 15 Mädchen-Nationalteams von morgen Samstag, 27., bis Montag, 29. Juni, in Porto um vier Plätze in der Finalrunde der besten acht Nationen Europas. Jede Länderbegegnung besteht aus drei Partien, je einer in den Kategorien U14, U16 und U18.
Die Finalrunde findet von kommendem Dienstag, 30. Juni, bis Samstag, 4. Juli, statt. Dort treffen die vier qualifizierten Teams auf die bereits gesetzten Nationen Spanien, Italien, Portugal und Frankreich.

