Supermom! – Superdad?
25.09.2026 PolitikNicole Spiegel-Roth, Landrätin SVP, Allschwil/Sissach
Mit gemischten Gefühlen ging ich vergangenen Sonntag aus dem Musical «Supermom», das aktuell in der «Maag Halle» in Zürich läuft. Die Show will mit Klischees über das ...
Nicole Spiegel-Roth, Landrätin SVP, Allschwil/Sissach
Mit gemischten Gefühlen ging ich vergangenen Sonntag aus dem Musical «Supermom», das aktuell in der «Maag Halle» in Zürich läuft. Die Show will mit Klischees über das Familienleben aufräumen, dabei bedient sie einige Klischees selbst. Der Titel sagt eigentlich schon alles: «Supermom». Die Mutter, die alles unter einen Hut bringen soll. Kinder, Haushalt, Beruf, Partnerschaft – und am besten noch die eigene Selbstverwirklichung. Dass dieses Ideal unrealistisch ist, darin dürfte man sich schnell einig sein.
Was mir aber gefehlt hat, war die andere Perspektive: die des Vaters. Denn auch Väter leisten enorm viel für ihre Familien. Viele arbeiten Vollzeit, häufig mit einem Pensum von 100 Prozent, und mit dem Feierabend endet die Arbeit keineswegs. Dann beginnt der zweite Teil des Tages: Kinder abholen, Hausaufgaben, Abendessen, Zähneputzen, ins Bett bringen, aufräumen, organisieren. Und am nächsten Morgen geht es wieder zur Arbeit. Diese Realität kam mir bei «Supermom» deutlich zu kurz. Natürlich ist die Belastung von Müttern real. Natürlich gibt es Frauen, die Beruf und Familie unter einen Hut bringen müssen und dabei enorme Leistungen erbringen. Aber warum muss daraus immer eine Erzählung entstehen, in der die Mutter die Überforderte und der Vater bestenfalls die Nebenfigur ist? Gerade wenn man mit traditionellen Rollenbildern aufräumen möchte, müsste man doch differenzierter hinschauen.
Nicht jeder Vater ist derjenige, der nach der Arbeit die Füsse hochlegt. Und nicht jede Mutter trägt automatisch die Hauptlast der Familie. Familienmodelle sind vielfältiger geworden. Manche Mütter arbeiten Vollzeit, manche Teilzeit. Manche Väter reduzieren ihr Pensum, andere arbeiten 100 Prozent. Manche Eltern teilen sich die Betreuung gleichmässig, andere finden ganz bewusst eine traditionelle Aufteilung, die für ihre Familie funktioniert.
Das Entscheidende ist doch nicht, welches Modell gewählt wird. Entscheidend ist, dass die geleistete Arbeit gesehen und wertgeschätzt wird. Denn Familie ist kein Wettbewerb zwischen Müttern und Vätern. Es geht nicht darum, wer mehr leidet oder wer mehr leistet. Kinder brauchen Eltern, die Verantwortung übernehmen – und Eltern verdienen Anerkennung für diese Verantwortung. Vielleicht wäre deshalb ein Titel wie «Supereltern» weniger spektakulär gewesen, aber ehrlicher. Beide leisten ihren Beitrag. Beide verzichten auf manches. Beide tragen Verantwortung.
Ich hätte mir von «Supermom» deshalb weniger Geschlechterklischees und mehr Realität gewünscht. Nicht jede Familie funktioniert nach demselben Muster. Und genau diese Vielfalt verdient es, auf der Bühne sichtbar zu werden. Wer Gleichberechtigung ernst nimmt, darf nicht nur fragen, was Mütter leisten, sondern auch, was Väter täglich beitragen. Vielleicht brauchen wir weniger «Supermoms» – und mehr Anerkennung für «Supereltern».
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

