Superfood aus dem Wald
29.09.2026 GelterkindenVergessenes Wissen rund um Früchte, Kräuter, Pilze und Wild
Was der Wald alles Essbares zu bieten hat, zeigte der Herbstanlass der IG Walderläbnis Gelterkinden. Auf einem Rundgang erfuhren die Teilnehmenden Wissenswertes über Waldfrüchte, Wildbret, Kräuter ...
Vergessenes Wissen rund um Früchte, Kräuter, Pilze und Wild
Was der Wald alles Essbares zu bieten hat, zeigte der Herbstanlass der IG Walderläbnis Gelterkinden. Auf einem Rundgang erfuhren die Teilnehmenden Wissenswertes über Waldfrüchte, Wildbret, Kräuter und Pilze.
Kuri Wirz
Was man heutzutage «Superfood» nennt, gibt es nicht nur im Supermarkt. Auch unser Wald könnte als Lieferant da locker mithalten. Das und anderes konnte man am Herbstanlass der IG Walderläbnis Gelterkinden erfahren. Gut 70 Personen und ein paar Hunde fanden sich am vergangenen Sonntag auf dem Festplatz Hofmatt ein und wurden von Christine Mangold, Mitglied der Unterhaltsgruppe, begrüsst. Erfreulicherweise waren neben etlichen «Wiederholungstätern» auch einige neue Gesichter im Publikum zu entdecken. Nicht allen war offenbar klar, dass die Interessengemeinschaft jedes Jahr zwei Anlässe durchführt. Ein paar Neulinge meinten am Ende jedenfalls, das sei nicht ihr letztes Mal gewesen. Unter dem Motto «Aus dem Wald auf den Tisch» erfuhren die Teilnehmer auf einem Spaziergang an sieben Halten mehr über das Thema.
An der ersten Station stellte der ehemalige Förster Andreas Freivogel unter anderem «seinen» Speierling vor. Von diesem speziellen Baum gab es im Baselbiet noch 25 Exemplare, bevor man seine Förderung an die Hand nahm. Er gehört hierher und ist verwandt mit Mehl- und Elsbeere. Seine Früchte gleichen sehr kleinen Äpfeln und sind zwar schön anzusehen, aber kaum roh essbar.
Weiter ging es um Waldobstbäume, die am Ursprung unserer gezüchteten Früchtelieferanten stehen. Freivogel führte das den Zuhörern am Beispiel der Zwetschge deutlich vor Augen. Eine Schlehdornbeere, die Urform der Zwetschge, wiegt 1,5 Gramm, eine Hauszwetschge etwa 20 Gramm und eine Weiterzüchtung namens Tschatschaks bringt Früchte von 60 Gramm hervor.
Eicheln, Wildbret und Beeren
An zwei weiteren Stellen erzählte der ehemalige Förster viel Interessantes zu Bäumen und Sträuchern als Lebensmittellieferanten. Die Älteren im Publikum kannten noch das «Franck-Aroma» zur Kaffeezubereitung, aber dass es aus der Wurzel der Wegwarte gewonnen wurde, hatte vorher niemand gewusst. Bei der grössten Eiche Gelterkindens ging es um Eicheln und ihre Verwendung, wobei die meisten Anwesenden wohl dem Schweinefutter gegenüber Kaffeebohnenersatz den Vorzug gäben.
André Hasler, Präsident der Jagdgesellschaft Gelterkinden, referierte an einer weiteren Station über Wildbret. Er betonte, dass das Erlegen des Wildes bei Weitem nicht die einzige Aufgabe des Jägers sei. In der Schweiz werden pro Kopf und Saison etwa 400 Gramm Wild gegessen, während die Zahl beim übrigen Fleisch über 4 Kilogramm liegt.
Beim nächsten Halt ging es um Beeren aus dem Wald, die heutzutage wohl kaum mehr eine Bedeutung als Lebensmittel haben. Einerseits braucht man den Aufwand des Pflückens nicht zu betreiben, weil es im Laden einfacher geht, andererseits hält der Fuchsbandwurm viele Leute davon ab, Walderdbeeren, Himbeeren oder Brombeeren zu sammeln. Kari Freivogel erzählte noch die Anekdote vom verstorbenen Atti Brenna, der die Schlehen als bestes Mittel zum Sockenstopfen ausgemacht hatte, denn wer eine esse, dem ziehe es alle Löcher zusammen.
Christine Mangold berichtete anschliessend über Bodenpflanzen und Kräuter. Hier dürfte die «Ramsele» (Bärlauch) die grösste Rolle spielen. Eine «Rhonechruttkur» wird heute kaum mehr jemand machen. Urs Ehrsam, Präsident des Pilzvereins, schöpfte anschliessend bei seinen Ausführungen aus dem Vollen, schilderte kurz die Entdeckung des Penicillins und gab neben vielen anderen Informationen den Tipp, auf den Genuss von rohen Pilzen lieber zu verzichten.
Nach fast dreieinhalb Stunden hatten alle langsam Durst und Hunger. Beides wurde bei der Stierenstallhütte gestillt, wo Ché Rüdin und Enzo Rudin feine Wildschweinbratwürste und eine Ratatouille vorbereitet hatten. Zufrieden und mit vielen neuen Informationen ging es am Nachmittag wieder auf den Heimweg – vielleicht bereits in stiller Vorfreude auf den nächsten Walderläbnis-Anlass.

