Strom aus dem eigenen Dorf
01.10.2026 BucktenBevölkerung denkt über die Energieversorgung im Kleinen nach
Die Gemeinde Buckten nimmt die Energiewende selbst in die Hand. Ein Pilotprojekt prüft die Gründung einer lokalen Stromgemeinschaft – und stösst in der Bevölkerung auf unerwartet grosses ...
Bevölkerung denkt über die Energieversorgung im Kleinen nach
Die Gemeinde Buckten nimmt die Energiewende selbst in die Hand. Ein Pilotprojekt prüft die Gründung einer lokalen Stromgemeinschaft – und stösst in der Bevölkerung auf unerwartet grosses Interesse.
Jo Krebs
Wie machen wir unser Dorf in Sachen Energie unabhängiger? Über diese zentrale Frage diskutierten kürzlich an fünf Thementischen rund 70 Buckterinnen und Buckter. Die Antwort auf die Fragestellung könnte eine sogenannte Lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) sein.
Mit dem neuen Stromgesetz ist in der Schweiz die Grundlage dafür geschaffen worden, und Buckten macht nun mit einem Pilotprojekt vor, wie sich die lokale Energiewende direkt aus der Bevölkerung heraus organisieren lässt. Das Projekt wird durch das Innosuisse-Programm «Innovation Booster Future Urban Society» gefördert.
Die Idee dahinter ist ein Richtungswechsel in der Energieplanung. Statt dass Behörden oder Unternehmen eine Stromgemeinschaft von oben herab vorgeben, tritt die Gemeinde lediglich als Wegbereiterin auf. Geprüft wird dabei direkt bei der Einwohnerschaft, welche Modelle wünschenswert und umsetzbar sind. «Es geht nicht nur um die LEG an sich, sondern auch um die soziale Innovation – also darum, als Gemeinde gemeinsam etwas zu schaffen», erklärt Gemeindepräsident Daniel Meier den breiten Ansatz des Projekts. Die Gemeinde fungiert entsprechend als Pilot – unter anderem mit der Idee, künftig auch selbst als lokaler Produzent und Abnehmer des Stroms aufzutreten.
Die wissenschaftliche und fachliche Leitung des Projekts liegt bei der Rapp AG, vertreten durch Helen Heinz und Fabian Baerlocher, sowie bei der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), wo Martina Rechsteiner und Vicente Carabias-Hütter den Prozess forschend begleiten. Langfristig soll in Buckten ein Steuerungs- und Dienstleistungsmodell entstehen, das als Vorlage für andere Schweizer Gemeinden dienen kann.
Grosses Interesse
Mit knapp 70 Teilnehmenden waren am ersten Workshop gut 10 Prozent der Dorfbevölkerung anwesend – von Hausbesitzern über Gewerbetreibende bis hin zu Pionieren, die bereits im Kleinen Strom teilen. Unter der Leitung von Kommunikations-Expertin Michaela Kuijvenhoven zeigte sich, dass der Wille, eigenen, ökologischen Strom zu produzieren, spürbar ist. Die Anwesenden diskutierten verschiedene Organisationsformen wie Vereine oder Genossenschaften. Wichtig ist den Bucktern, dass das Modell fair und transparent aufgebaut ist, allen Beteiligten ein Mitspracherecht einräumt und auch für jene offensteht, die kein eigenes Dach für Solarpanels besitzen.
Neben der Ökologie stand die Finanzierbarkeit im Zentrum. Ein solches Konzept müsse sich auf 20 Jahre hinaus rechnen. Faire Tarife, tiefe Administrationskosten und der Einbezug von dezentralen Batteriespeichern wurden als essenziell erachtet. Die Gemeinde soll dabei mit Photovoltaikanlagen auf dem Schulhaus eine Vorbildfunktion einnehmen.
Trotz der Motivation im Dorf gilt es einiges zu beachten. Technische Einschränkungen bei den Trafokreisen dürften dazu führen, dass nicht eine einzige grosse Lokale Elektrizitätsgemeinschaft für das ganze Dorf entsteht. Es braucht mehrere kleinere Gemeinschaften, weil Strom nicht ohne hohe Netzgebühren über verschiedene Quartiertransformatoren hinweg ausgetauscht werden kann.
Für ein Gelingen des Projekts ist auch die EBL als Betreiberin der bestehenden Infrastruktur einzubinden. Die Basis für mehr Energie-Autonomie in Buckten ist aber gelegt. Am 13. November folgt der nächste Schritt: Das Projektteam wird die gesammelten Inputs bündeln und der Bevölkerung ein erstes konkretes Gesamtkonzept präsentieren.
Das Pionierprojekt in Lupsingen
jk. Als derzeit grösste Lokale Elektrizitätsgemeinschaft im Netzgebiet von Primeo Energie zeigt Lupsingen, wie die lokale Energiewende funktionieren kann.
Die Dorfbevölkerung handelt über das bestehende Stromnetz Solarstrom direkt in der Nachbarschaft. Reine Konsumenten profitieren von günstigerer Energie und einem gesetzlichen Netzrabatt von 20 Prozent, während die Solarproduzenten höhere Erträge erzielen als bei der regulären Netzeinspeisung. Abgewickelt wird dieser viertelstündliche Dorf-Marktplatz vollautomatisch über eine App.
Seit dem Start im April dieses Jahres konnten die LEG nach eigenen Angaben rund 5500 Franken Einsparungen erzielen, die sich auf die Produzenten (1100 Franken) und Konsumenten (4400 Franken) verteilen.
Das Lupsinger Modell zeigt somit, dass die Grösse entscheidend ist. Im Gegensatz zu Kleinst-Gemeinschaften rund um einzelne Einfamilienhäuser sichern hier die genossenschaftlichen Grossanlagen der «Luposol» einen konstant hohen Solarüberschuss.
Dieser Mix aus Grossanlagen, privaten Dächern und Dutzenden Abnehmern garantiert, dass Angebot und Nachfrage gleichzeitig zur Verfügung stehen. Das macht Lupsingen zu einem idealen Vorbild für das LEG-Modell.

