«So sei gegrüsst viel tausendmal …»
05.05.2026 RickenbachMaibaumfest zur Frühlingsankunft
Mit Maibaum, Grillwürsten und selbst gebackenen Süssigkeiten begrüsst Rickenbach den Frühling – ein Brauch, der im Dorf längst zur festen Institution geworden ist.
Stephan Imhof
Er ist ...
Maibaumfest zur Frühlingsankunft
Mit Maibaum, Grillwürsten und selbst gebackenen Süssigkeiten begrüsst Rickenbach den Frühling – ein Brauch, der im Dorf längst zur festen Institution geworden ist.
Stephan Imhof
Er ist die wohl am meisten gefeierte Jahreszeit im immerwährenden Kreislauf der Natur: der Frühling. Kein Wunder, steht dieses Wort doch wie kein anderes für die Entstehung von Leben, für das Erwachen der Natur aus ihrem Winterschlaf. Blühende Obstgärten, das Intensivieren der Hoffnungsfarbe Grün, die sich mit bunt leuchtenden Wiesen vermischt, und ein langsam aufkeimender Wald ziehen uns Menschen jedes Jahr von Neuem in ihren Bann.
In einem Lied von Robert Schumann heisst es: « …willkommen hier in unserm Tal, holder Frühling!» Und so verbindet auch Rickenbach in seinem Tal jeweils am Abend des 30. April mit einer Feier den Beginn des Wonnemonats Mai. Beim «langen Brunnen» wird der Maibaum, ein mit bunten Bändern geschmücktes kleines Tännchen, aufgestellt.
Es wird den ganzen Monat über auf dem Brunnen behalten und soll die Freude über das Wiedererwachen der Natur verdeutlichen. Der eigentliche Festbetrieb mit gegrillten Würsten, Getränken und selbst gebackenen Süssigkeiten findet auf dem Gemeindeplatz bei der Mehrzweckhalle statt. Organisiert von der Rickenbacher Fasnachtsgesellschaft «Wüehlmüüs», die diesen Brauch vor einigen Jahren ins Leben gerufen hat, erfreut sich der Anlass nach wie vor grosser Beliebtheit.
Müschterli aus alten Zeiten
Das Aufstellen eines Maibaums auf den 1. Mai ist ein altes Brauchtum, das in Baselbieter Gemeinden in jüngster Zeit stark zugenommen hat. Die Fasnachtsgesellschaft als grösster und nicht mehr wegzudenkender Verein im Rickenbacher Dorfleben hat einen weiteren alten Brauch erneut ins Leben gerufen: An den drei Fasnachts-Nachmittagen ziehen die Mitglieder mit ihrem Wagen von Dorf zu Dorf, um dort auf den Hauptplätzen ihre Schnitzelbänke zu singen.
Wie der Dorfchronik zu entnehmen ist, spielte Wasser in Rickenbach schon immer eine grosse Rolle. Weil man in einer längst vergangenen Zeit am Bach den Durst stillende Rehe sah, die weiblichen auch «Ricken» genannt, erübrigt sich ein Nachdenken darüber, woher der Dorfname stammt. Während der Basler Herrschaft über die Farnsburg wurde ein fünf Hektar grosser Fischweiher mit Karpfen angelegt.
Dies führte zu einer erheblichen steuerlichen Entlastung wegen des Verlustes von Anbaufläche. Der Weiher war auch Tummelplatz für zahlreiche Amphibien, was den Rickenbachern den Spitznamen «d Frösch» einbrachte. Nach der Trockenlegung des Weihers Ende des 18. Jahrhunderts nahmen die bäuerlichen Betriebe nur langsam zu. Schliesslich hielten in dieser Zeit Bandwebstühle in den Stuben Einzug und boten eine willkommene Einnahme neben der landwirtschaftlichen Selbstversorgung. Politisch gehörte die Gemeinde über 200 Jahre zu Gelterkinden. Die Loslösung nach schwierigen Grenzbereinigungen erfolgte Ende des 19. Jahrhunderts.
Auch die Festlegung der Grenze zur Nachbargemeinde Buus verlief nicht ohne Nebengeräusche. So erzählt man sich, dass die Rickenbacher die Erliackerhalde gegen eine Seite Speck an Buus abgetreten hätten. In der kirchlichen Zugehörigkeit ist Rickenbach bis heute Teil der Pfarrei Gelterkinden. Allerdings bauten sie in Rickenbach im Jahr 1900 eine eigene Kapelle mit Friedhof, da sie mit den Gelterkindern wegen der Sitzordnung in der Kirche im Streit lagen.
Heute präsentiert sich Rickenbach mit seinen 570 Einwohnern als aufstrebende, selbstbewusste Gemeinde. Zahlreich erschienen denn auch die Besucher und verdeutlichten einen guten Zusammenhalt. Noch lange trotzte man der bissigen Bise und feierte unter bunten Lampions bis weit in die sternenklare Nacht hinein.

