«So eine Halle brauche ich auch»
02.07.2026 ItingenAliser Kaya war erster Kunde der Motorfahrzeug-Prüfstation
Zwei Einfahrten, vier Scherenlifte, sechs Experten: Die Filiale der Motorfahrzeug-Prüfstation in Itingen bedient seit gestern Besitzer von Autos und Motorrädern. Die ersten Kunden waren überrascht, nach Itingen ...
Aliser Kaya war erster Kunde der Motorfahrzeug-Prüfstation
Zwei Einfahrten, vier Scherenlifte, sechs Experten: Die Filiale der Motorfahrzeug-Prüfstation in Itingen bedient seit gestern Besitzer von Autos und Motorrädern. Die ersten Kunden waren überrascht, nach Itingen aufgeboten zu werden.
Peter Sennhauser
Ausgerechnet ein «BS»-Nummernschild! Dabei lebt Aliser Kaya, erster Kunde der neuen Motorfahrzeug-Prüfstation (MFP) für das Oberbaselbiet, in Lausen. Kurz vor sieben Uhr am Morgen hat er gestern am Empfang bei Stefania Favazza seine Gebühren beglichen und dafür ein Willkommenspräsent in Form von Süssigkeiten entgegennehmen dürfen.
Der kompakte BMW sei auf die Firma seiner Frau eingelöst, erklärte Kaya der «Volksstimme», und weil diese in Basel ein Nagelstudio betreibt, prangt daran das Nummernschild des Stadtkantons. Er sei vom Aufgebot nach Itingen überrascht worden, sagt Kaya – er habe von der neuen Filiale nichts gewusst. Damit müsse man rechnen, sagt MFP-Leiter Roger Sterki, «es kann sogar gut sein, dass der eine oder die andere aus purer Gewohnheit nach Münchenstein fährt, ohne das Aufgebot genau zu studieren.» In solchen Fällen würde man versuchen, die Kunden vor Ort in den Ablauf einzuschleusen.
Freie Wahl der MFP
Wie aber kommt es, dass Kayas BMW, der in der Stadt eingelöst ist, nach Itingen und nicht ins stadtnahe Münchenstein aufgeboten wurde? Sterki klärt auf: «Wir laden die Fahrzeugbesitzer gemäss Postleitzahl des Standorts ein, der in der Datenbank vermerkt ist. Fahrzeuge aus den Bezirken Sissach und Waldenburg und teilweise Liestal werden nach Itingen, die anderen nach Münchenstein aufgeboten.» Wer als Fahrzeughalter aufgeboten wird, kann übrigens jederzeit den Prüfort nach seinen Bedürfnissen wechseln.
Sterki hat es sich nicht nehmen lassen, den ersten Tag in der neuen Filiale vor Ort zu verbringen. In der Werkstatthalle der früheren Garage Ritter hat die Motorfahrzeug-Prüfstation zwei Durchfahrtsbahnen mit je zwei hintereinanderliegenden Scherenliften eingerichtet. Diese sind für Personenwagen ausgelegt und erlauben den Experten eine bequeme, auf die jeweilige Körpergrösse abgestimmte Arbeitshöhe bei der Untersuchung des Fahrgestells und des Unterbodens. «So eine Halle brauche ich auch», sagt Aliser Kaya lachend, der in Diepflingen ein Pulverbeschichtungs- und Sandstrahlunternehmen betreibt.
In der Tat sind die Räumlichkeiten grosszügig bemessen: weniger die Werkhalle, in der neben den Mechanikerwerkplätzen eine Waschanlage den beiden Prüfbahnen und der Motorradstation Platz machen musste, als vielmehr der Empfang (der ehemalige Showroom der Garage) und das Backoffice dahinter, wo sich vier Schreibtischarbeitsplätze inmitten des grossen Raums schon fast verlieren.
Eine halbe Million Franken
Die Immobilie ist komplett gemietet; der Garagenbesitzer habe auch den Umbau der Halle selber verantwortet und finanziert, sagt Sterki. Die Motorfahrzeug-Prüfstation hat lediglich die Einrichtung, also die vier Lifte und das Mobiliar, mitgebracht. «Die Schlussrechnung liegt mir noch nicht vor, aber insgesamt dürften sich die Kosten für die MFP auf knapp eine halbe Million Franken belaufen», sagt Sterki – die Miete für die Räumlichkeiten nicht eingeschlossen.
Sichtlich zufrieden mit der Anlage ist auch Peter Schweizer, bis vor Kurzem Präsident der Paritätischen Betriebskommission der MFP. Er ist sozusagen der «Götti» der Filiale in Itingen und hat es sich nicht nehmen lassen, zur Eröffnung frühmorgens nach Itingen zu radeln. «Velos werden hier nicht geprüft», rief ihm Sterki entgegen, als Schweizer den Drahtesel parkierte. Danach besichtigten die zwei gemeinsam den Betrieb.
Keine Probefahrt
In Itingen erwartet die Autobesitzer (Last- und Lieferwagen können hier nicht geprüft werden) eine brandneue Anlage im Gewerbegebiet Zelgli, unmittelbar an der Ausfahrt der A22. «Die Halter werden in Abständen von zehn Minuten aufgeboten, sodass bei Vollauslastung immer zwei Fahrzeuge pro Bahn versetzt hintereinander die 20-minütige Prüfung absolvieren», erklärt Sterki.
Das Personal stammt aus dem bisherigen Bestand der MFP. Die sechs Experten, die an den vier Personenwagen- und einer Motorrad-Prüfstelle arbeiten, sind bereits im Rahmen des generell notwendigen Ausbaus der MFP eingestellt und ausgebildet worden. «Theoretisch hatten wir bei Vollbestand ohne Ferienabwesenheiten in Münchenstein nicht genug Arbeitsplätze für alle», so Sterki. Mit der Oberbaselbieter Filiale ändert sich das.
Experte Markus Wescher, der Aliser Kayas Auto begutachtet, gehört zu den «Neulingen» – er hat erst im April die Stelle angetreten und ist noch im Experten-Training. Er gibt als Motivation für den Wechsel aus der Autowerkstatt bessere Arbeitsbedingungen an – und bessere langfristige Aussichten: Anders als in gewissen Sparten der Automechanik-Berufe werde hier die Arbeit nicht ausgehen, meint er. Da stimmt Sterki zu: Für eine gute Auslastung in Itingen sorge jedenfalls schon das Oberbaselbieter Autogewerbe.
Aliser Kaya begleitet das Auto seiner Frau auf der Prüfstrecke, während Markus Wescher sämtliche Einzelschritte bis hin zu Scheibenwischer und Hupe prüft. Eine Probefahrt wie in Münchenstein ist in Itingen nicht vorgesehen. Angesichts des sehr guten Zustands des BMW wäre das auch nicht nötig, so Wescher. Motorräder hingegen werden, nachdem sie auf dem «Bike-Lift» untersucht worden sind, kurz ausgefahren. Der zuständige Experte sucht gerade im Schrank mit der brandneuen Motorrad-Bekleidung die passende Jacke und die Handschuhe in der richtigen Grösse zusammen.
Als erster Zweirad-Besitzer hat Senad Puskar aus Bubendorf die Ehre, seinen 400er-Roller vorzuführen. Auch dieses Fahrzeug ist in makellosem Zustand, und Puskar freut sich: «Ich bin frisch pensioniert und werde jetzt mit dem Roller Ausflüge machen», nach Sissach und nach Liestal. 40 Jahre hat er im Baselbiet gearbeitet, zuerst noch als Saisonnier, jetzt hat er sich zeitgleich mit seinem Chef nach 35 Jahren in dessen Betrieb pensionieren lassen.
Nachdem die ersten Fahrzeughalter ihre Papiere entgegennehmen und davonfahren können, zeigt sich Sterki zufrieden: Ein Projekt mit einiger Vorlaufzeit habe einen positiven Abschluss gefunden. Ursprünglich sei ein Standort in Sissach geplant gewesen; nachdem diese Pläne gescheitert waren, habe man sich auf Itingen eingespielt. Jetzt hat das Oberbaselbiet seine eigene MFP.
Dabei wird Aliser Kayas BMW nicht das einzige Auto mit einer anderen als einer BL-Nummer bleiben: In Itingen können sich nämlich auch Fahrzeughalter aus dem Fricktal (AG) oder dem Schwarzbubenland (SO) anmelden.


