«Sie leisten Grossartiges»
08.09.2026 SissachThomi Jourdan am Ebenraintag, der im im Zeichen der Geschichte und des Rekordsommers stand
Tausende strömten am Sonntag zum Ebenraintag nach Sissach. Der Anlass blickte zurück auf die Geschichte des Landwirtschaftszentrums und des Schlosses. Dabei zeigte sich auch, wie stark ...
Thomi Jourdan am Ebenraintag, der im im Zeichen der Geschichte und des Rekordsommers stand
Tausende strömten am Sonntag zum Ebenraintag nach Sissach. Der Anlass blickte zurück auf die Geschichte des Landwirtschaftszentrums und des Schlosses. Dabei zeigte sich auch, wie stark sich die Arbeit der Bauern über die Jahrzehnte verändert hat.
Janis Erne
Es wirkte wie ein Staatsempfang, als die historischen Kutschen unter Fanfarenmusik von der Allee über den Innenhof des Schlosses Ebenrain fuhren. Dass am Sonntag aber nicht der französische Präsident oder der deutsche Kanzler in Sissach empfangen wurden, zeigte ein Blick in die Kutschen. Dort sassen Mitglieder der Baselbieter Regierung sowie des National- und Ständerats.
Unter ihnen war Regierungspräsident Thomi Jourdan, der den Ebenraintag zuvor in deutlich nüchternerem Rahmen – auf einem asphaltierten Platz beim Ebenrain-Zentrum – eröffnet hatte. Jourdan, unter anderem zuständig für Landwirtschaft und Wald, nutzte die Gelegenheit, um den Bäuerinnen und Bauern für ihre Arbeit zu danken: «Sie leisten tagtäglich Grossartiges und sorgen dafür, dass die Regale in den Geschäften und unsere Teller gefüllt sind.» Gleichzeitig erinnerte er daran, dass der Sommer für die Landwirtschaft äusserst schwierig gewesen sei: «Die Ungewissheit, mit was die Tiere gefüttert werden sollen, war psychisch sehr belastend.» Es sei wichtig, mit der Landwirtschaft zu sprechen – und nicht nur über sie. Andernfalls gebe es politisch wie gesellschaftlich keinen Fortschritt, so Jourdan.
In die gleiche Richtung ging die Ansprache von Marc Brodbeck, Präsident des Bauernverbands beider Basel. Er erinnerte daran, dass die ganze Bevölkerung zum Klimawandel beitrage, etwa durch Flugreisen. Die Landwirtschaft sei sich ihrer Verantwortung bewusst und versuche, wo möglich, die Emissionen zu verringern. Schliesslich seien es die Landwirtinnen und Landwirte, die Trockenheit und Hitze hautnah zu spüren bekämen.
Ebenrain-Leiter Christoph Böbner ergänzte, dass die Natur noch immer unter dem aussergewöhnlich trockenen Jahr leide – auch wenn die jüngsten Regenfälle die Wiesen wieder etwas grüner werden liessen. Die Situation müsse aufmerksam beobachtet werden. Böbner betonte, dass das Ebenrain-Zentrum alle Kompetenzen in den Bereichen Landwirtschaft, Natur und Ernährung an einem Ort vereint. «Das ist eine unserer grossen Stärken.» Trotz aller Gespräche über die Rekorddürre war der 33. Ebenraintag alles andere als ein politischer Krisengipfel. Im Zentrum standen das Entdecken, Ausprobieren und Geniessen. Landwirtinnen und Landwirte zeigten, wie früher mit der Sense die Wiese gemäht, Felder mit dem Pferd gepflügt und Stroh von Hand mit der Gabel verarbeitet wurden. Die schätzungsweise 5000 Besucherinnen und Besucher konnten ausserdem die Entwicklung der Milchgewinnung verfolgen: vom Melkschemel bis zum modernen Melkroboter. Und auch ein kleiner, traditioneller Bauerngarten sowie Oldtimer-Traktoren waren zu besichtigen. «Der Wandel der Zeit» lautete dieses Jahr das Motto des Ebenraintags. Anlass dafür gaben gleich zwei Jubiläen: 70 Jahre Ebenrain-Zentrum und 250 Jahre Schloss Ebenrain.
Weitere Anlässe stehen bevor
Neben dem Bauernmarkt mit all seinen Köstlichkeiten, dem Gutsbetrieb mit seinen Tieren und verschiedenen Informationsständen von Verbänden war auch das spätbarocke Schloss geöffnet. Bei Führungen wurde die Geschichte des Hauses erläutert. Im Erdgeschoss konnten wie im 19. Jahrhundert Kaffee und Kuchen genossen werden, während vor dem Schloss geladene Gäste feierten.
Wer am Ebenraintag nicht dabei sein konnte, erhält weitere Gelegenheiten, das historisch bedeutsame Areal zu erkunden. Bereits am kommenden Samstag, 12. September, finden im Rahmen des Tags des Denkmals verschiedene Führungen statt, unter anderem durch den Ebenrainpark mit seinem frisch sanierten Weiher. Öffentliche, einstündige Führungen durch das Schloss bietet das Ebenrain-Zentrum am 23. Oktober und 20. November jeweils abends an. Unabhängig von diesen Terminen informiert im Innenhof noch bis Ende April 2027 eine Plakatausstellung über die langjährige Geschichte des Schlosses Ebenrain.


