Schulhausbau geht auch günstiger
26.03.2026 GelterkindenBaufachleute legen alternatives Projekt zu «Campus Loggia» vor
Die Gegner des Projektierungskredits für das Schulhausprojekt «Campus Loggia» lassen Worten Taten folgen. Sie stützen ihre Behauptung, «das geht auch günstiger», mit einem ...
Baufachleute legen alternatives Projekt zu «Campus Loggia» vor
Die Gegner des Projektierungskredits für das Schulhausprojekt «Campus Loggia» lassen Worten Taten folgen. Sie stützen ihre Behauptung, «das geht auch günstiger», mit einem konkreten, um 4 Millionen Franken günstigeren Alternativ-Projekt.
Christian Horisberger
Mit Leserbriefen und Plakaten liefern sich die Befürworter und Gegner des Gelterkinder Schulhausprojekts «Campus Loggia» einen heftigen Schlagabtausch. Am 26. April findet die Referendumsabstimmung über den Projektierungskredit in der Höhe von etwas mehr als 1 Million Franken statt. Das Pro-Komitee wirbt auf seinen Plakaten mit «Schulraum für unsere Kinder» für ein Ja, das Referendumskomitee argumentiert mit «unnötigem Luxus» dagegen.
Dem Luxus-Argument hatten der für die Bildung zuständige Gemeinderat Martin Rüegg und Gemeindepräsident Christoph Belser stets widersprochen. Das geforderte Raumprogramm lasse sich nicht günstiger realisieren, erklärten sie. Nun werden ihre Aussagen auf den Prüfstand gestellt. Denn eine vom Referendumskomitee unabhängige Gruppe aus Gelterkinder Baufachleuten hat auf eigene Kosten ein alternatives Projekt erarbeitet, das den Steuerzahler nach deren Angaben nur knapp 7 Millionen Franken kosten wird. Das sind 4 Millionen weniger als die voraussichtlichen Gesamtkosten für den «Campus Loggia». Metallbauer Remo Bossert, Ingenieur Jakob Baader, Holzbauer Daniel Ritter und Thomas Lang, Geschäftsführer eines Tief- und Hochbauunternehmens, zeigten gestern vor Medienschaffenden auf, wie dies möglich ist, und legten konkrete Pläne und Zahlen vor.
Der Neubau soll auf dem Schulareal Hofmatt an derselben Stelle entstehen, wo auch der geplante «Campus Loggia» vorgesehen ist. Geplant ist ein Gebäude mit acht Klassenzimmern und vier Gruppenräumen. Damit – und auch bei allen anderen Anforderungen wie etwa Erdbebensicherheit, Behindertengängigkeit oder Nachhaltigkeit – erfülle das Projekt alle Vorgaben für den erfolgten Architektenwettbewerb, hielt Baader fest und fügte an: «Wir haben als einzige auch die damalige Kostenvorgabe von sieben Millionen Franken erfüllt.»
Bis zu 24 Klassenzimmer möglich
Der Entwurf der Arbeitsgemeinschaft «Ratio» zeigt ein zweckmässiges und kompaktes Gebäude mit zwei identischen Geschossen. Der Keller mit der Haustechnik, der Erschliessungstrakt mit Treppen, Lift und sanitären Anlagen sowie die tragende Struktur werden aus Stahlbeton gefertigt, sagte Bauunternehmer Lang. Die Räume werden unterteilt mit Leichtbauwänden, wodurch bei künftigen neuen Anforderungen an das Raumprogramm eine flexible Umgestaltung vorgenommen werden könnte. Auch das Volumen des Schulhauses ist flexibel. Laut Baader bestünde die Möglichkeit, es zu verlängern sowie auch um ein Vollgeschoss zu ergänzen. Maximal lägen damit 24 Klassenzimmer drin: «Das würde auf lange Sicht genügen.»
Das Gebäude soll eine mit Holzfaserdämmung versehene, vorfabrizierte Holzfassade erhalten. Die grossen Fenster sollen sich öffnen lassen, damit die Klassenzimmer durchgelüftet werden können, was bei modernen Schulhäusern oft nicht der Fall sei, sagte Holzbauer Daniel Ritter. Als Hitzeschutz sind ausserdem Lamellenstoren anstatt textile Rollos geplant. Auf dem Flachdach würde zusätzlich zur vorgeschriebenen Photovoltaikanlage eine Regenwasserretention mit kühlender Wirkung durch die Verdunstung von gesammeltem Regenwasser installiert. Als weiterer Beitrag zur Nachhaltigkeit sollen im Aussenraum nur besonders stark beanspruchte Flächen versiegelt werden.
Unternehmerofferten eingeholt
Die Projektkosten gibt die Arbeitsgemeinschaft, die den Entwurf in nur fünf Wochen erarbeitete, mit 6,694 Millionen Franken an, inklusive Mehrwertsteuer, mit einer Genauigkeit von plus/minus 10 Prozent. Diese Summe sei zu 53 Prozent durch Unternehmerofferten hinterlegt, betonte Baader. Die restlichen Kosten würden auf Schätzungen auf der Basis vergleichbarer Projekte beruhen. Die Planung fürs Projekt «Ratio» sei damit weiter fortgeschritten als die des «Campus Loggia», dessen Kostenschätzung von 11 Millionen vom Gemeinderat mit einer Genauigkeit von plus/minus 25 Prozent angegeben wird.
Der Arbeitsgemeinschaft gehören neben den Ex-Gemeinderäten Thomas Lang und Remo Bossert auch die früheren Gemeindeoberhäupter Michael Baader und Christine Mangold an. Letztere sagte an der Präsentation ausdrücklich, dass es am 26. April nicht um dieses Projekt gehe, sondern um den Projektierungskredit für den «Campus Loggia». Diese Alternative zeige aber auf, dass die Aussage des Gemeinderats, wonach von einer Neuplanung keine tieferen Projektkosten zu erwarten seien, falsch sei. «Wir sagen auch Ja zu Kindern und zum Schulhausneubau», so Mangold, «aber nicht zu diesem Kredit für einen Luxus-Schulbau.»
Sollte die Bevölkerung den Projektierungskredit ablehnen (und damit die 400 000 Franken abschreiben, die bereits für den «Campus Loggia» ausgegeben wurden), erhofft sich Mangold, dass der Gemeinderat mit der Arbeitsgruppe das Gespräch suchen wird: «Den Gemeinderäten fällt kein Zacken aus der Krone, wenn sie bei uns vorstellig werden.» Man sei bereit, das Projekt zügig weiter voranzutreiben, so die Ex-Präsidentin weiter. Gemäss Stefan Lang wäre der vom Gemeinderat angepeilte Bezugstermin des neuen Schulhauses im Sommer 2029, ausgehend von einer anderthalbjährigen Bauzeit, trotz der Verzögerung durch die Referendumsabstimmung immer noch «absolut realistisch».
Freude beim Referendumskomitee
Dass die am Vorprojekt beteiligten Unternehmer gerne am Schulhausbau mitwirken werden, stellten sie nicht in Abrede. «Wir werden an der öffentlichen Ausschreibung sicherlich teilnehmen», sagte etwa Jakob Baader. Eingangs der Präsentation hatten sie aber auch festgehalten, dass sie als Gelterkinder Steuerzahler grosse Mühe mit dem «Luxusprojekt» hätten. Zum Stichwort Luxus konnte sich Remo Bossert die Bemerkung nicht verkneifen, dass manchen Planern Erwähnungen in Hochglanz-Architektur-Magazinen wohl wichtiger seien als der Nutzen eines Gebäudes. Auch deshalb habe er die Initiative für die Entwicklung eines Alternativprojekts ergriffen.
Pascal Catin, Präsident des Referendumskomitees, der die gestrige Präsentation als Zaungast verfolgte, zeigte sich vom Projekt «Ratio» und dessen Preisschild begeistert: «Jetzt haben wir den Beweis, dass es auch günstiger geht», sagte er.
Gewonnen ist die Abstimmung damit aber noch nicht. Sollten sich die Gelterkinderinnen und Gelterkinder in einem Monat an der Urne für den Projektierungskredit und damit für das Projekt «Campus Loggia» entscheiden, werde man dies akzeptieren, so Komitee-Chef Catin. Heisst: Sagt die Gemeindeversammlung später auch ja zum Baukredit, werde sein Komitee dagegen nicht das Referendum ergreifen.


