Schritt für Schritt in den Beruf zurück
21.08.2026 Gelterkinden«Öko-Job» begleitet seit drei Jahrzehnten Menschen zurück ins Berufsleben
Mit der Idee, Naturschutzprojekte und die Beschäftigung arbeitsloser Menschen zu verbinden, wurde 1996 die Stiftung «Öko-Job» gegründet. Seit 30 Jahren betreibt sie nun ...
«Öko-Job» begleitet seit drei Jahrzehnten Menschen zurück ins Berufsleben
Mit der Idee, Naturschutzprojekte und die Beschäftigung arbeitsloser Menschen zu verbinden, wurde 1996 die Stiftung «Öko-Job» gegründet. Seit 30 Jahren betreibt sie nun Arbeitsintegration und hat ihre Standorte sowie Angebote mehrfach erweitert.
Lea Wieser
«‹Öko-Job› ist aus der Idee entstanden, arbeitslosen Menschen eine sinnvolle Beschäftigung anzubieten, bei der sie etwas mitnehmen können», sagt Annemarie Spinnler. Die 66-jährige Gelterkinderin war als erste Stiftungsratspräsidentin 1996 eines der Gründungsmitglieder der Organisation. Am Anfang standen eine Gelterkinder Weberei und Aufgaben in Natur und Landschaft für die Arbeitnehmenden als Optionen zur Verfügung.
Ein Jahr nach der Gründung eröffnete die Stiftung einen zweiten Standort in Chur, vier Jahre später kam das Textilwerk in Basel hinzu. Neben der Velowerkstatt in Liestal gehört seit 2018 auch der «Shöp» in Basel zum Angebot. Das kleine Laden-Café bietet die von «Öko-Job» hergestellten Produkte zum Verkauf an und lädt gleichzeitig zu Kaffee und Kuchen ein.
Wie die Geschäftsführerin Marianne Eggenberger sagt, hat sich auch die Philosophie im Lauf der Jahre verändert. Vor 30 Jahren habe der Fokus auf der Beschäftigung arbeitsloser Menschen gelegen. «Heute gehört das Qualifizieren und Fördern der Menschen, die bei uns arbeiten, klar mit dazu.» Neben dem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) sei mittlerweile auch die Invalidenversicherung eine wichtige Auftraggeberin von «Öko-Job».
Die Institution versteht sich nicht als langfristige Beschäftigungsstätte, sondern als Anbieterin von Integrationsmassnahmen. Das Programm richtet sich an Menschen, die aufgrund psychischer oder physischer Probleme für eine Zeit arbeitsunfähig waren. «Sobald diese wieder fit genug sind, kommen sie als eine Art Aufbautraining zu uns, um auf den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt vorbereitet zu werden», sagt Eggenberger. Neben pädagogisch geschulten Fachpersonen aus den jeweiligen Arbeitsbereichen begleitet eine ausgebildete Bezugsperson die Arbeitnehmenden mit Coachings.
Einsteiger beginnen mit einem 20-Prozent-Pensum, das dann Schritt für Schritt erhöht wird. «Am Anfang dachte ich, das wäre viel zu wenig. Vor meinem Burnout habe ich 100 bis 140 Prozent gearbeitet», sagt Bernd Rinder, der seit drei Monaten in der Reparaturwerkstatt von «Öko-Job» arbeitet. «Um mich langsam wieder einfinden zu können, waren die 20 Prozent allerdings ideal», sagt der 59-Jährige, der nach einer Knieoperation bei «Öko-Job» angefangen hat. Andreas Kümmerli, der zuvor 17 Jahre lang im Schichtdienst gearbeitet hat, bestätigt das. «Sich wieder eine Tagesstruktur anzueignen, ist am Anfang sowieso das Wichtigste», fügt er hinzu.
Berufseinstieg mit Unterstützung
Während sich die Jobangebote weiterentwickelt haben, ist der Öko-Part mehrheitlich gleich geblieben: Wie der Name verrät, legt die Stiftung Wert darauf, einen ökologischen Betrieb zu führen. So werden beispielsweise alte Kaffeesäcke zu Sitzkissen verarbeitet, und in der Holzwerkstatt wird ausschliesslich Holz aus dem Baselbiet verwendet.
Auch für junge Menschen gibt es Angebote. «Praktisch von Anfang an bieten wir Zivildienststellen an», sagt Eggenberger. In Zusammenarbeit mit der IV werden zudem Lehrstellen angeboten. «Die Lehrstellen richten sich an Jugendliche, die ein Rucksäckchen mitbringen, das ihnen den üblichen Berufseinstieg erschwert. Bei uns bekommen sie die nötige zusätzliche Begleitung», sagt Eggenberger.
Momentan sei «Öko-Job» gut aufgestellt. Den schwankenden Bedarf an Stellen einzuschätzen, sei allerdings nicht immer einfach, erklärt Eggenberger. «Genau das mag ich allerdings an meiner Arbeit bei ‹Öko-Job›», sagt die Geschäftsleiterin, die selbst schon seit zehn Jahren mit dabei ist. «Herausfordernde Veränderungsprozesse begleiten, die betriebswirtschaftliches Know-how erfordern, das ist meine Stärke», sagt sie.
Auch in der Restaurationswerkstatt sind es die Prozesse, die motivieren. Programmteilnehmer Bernd Rinder erzählt vom Gefühl, beim Bau einer Holzbank von Anfang bis Schluss dabei zu sein – von der Holzauswahl in der Schreinerei über das Sägen, Hobeln, Fräsen und Schleifen bis zum Lackieren. «Zu sehen, was man mit seinen eigenen Händen erschaffen hat und vor Augen geführt zu bekommen, wie viel Zeit in so etwas steckt, ist sehr wertvoll», sagt der Sozialpädagoge.
Für Andreas Kümmerli ist der Moment am Ende eines Projekts besonders wertvoll, wenn man die restaurierten Möbel an die Kundschaft zurückgeben könne: «Mir bedeutet es viel, die Freude in den Augen der Menschen zu sehen, wenn sie ihre Möbel zurückbekommen, und zu wissen, dass ich ihnen helfen konnte.»
Geschäftsführerin Eggenberger erwartet, dass «Öko-Job» auch in den nächsten 30 Jahren ein wichtiges Angebot bleiben wird: «In unserer Arbeitswelt wird es tendenziell immer schwieriger, gesund zu bleiben», sagt sie. «Daher ist es wichtig, dass es Angebote wie ‹Öko-Job› gibt, welche die Menschen auffangen können.»

