Schloss und Park Ebenrain seit 250 Jahren
04.06.2026 SissachVom Basler Landsitz zum Eigentum des Kantons Baselland
Nach zwei Jahren Bauzeit konnte ein Basler Seidenbandfabrikant seinen Sissacher Sommersitz Ebenrain 1776 erstmals nutzen. Bis 1951 blieben Schloss und Park in Privatbesitz. Dann erwarb der Kanton den Ebenrain. Im Jubiläumsjahr ...
Vom Basler Landsitz zum Eigentum des Kantons Baselland
Nach zwei Jahren Bauzeit konnte ein Basler Seidenbandfabrikant seinen Sissacher Sommersitz Ebenrain 1776 erstmals nutzen. Bis 1951 blieben Schloss und Park in Privatbesitz. Dann erwarb der Kanton den Ebenrain. Im Jubiläumsjahr 2026 lädt er ein.
Martin Stohler
Der Basler Seidenbandfabrikant Martin Bachofen-Heitz (1727 – 1814) war ein passionierter Jäger. Rund um den Ebenrain gab es im 18. Jahrhundert noch reichlich Wild zu erlegen. Dies war sicher einer der Gründe, weshalb sich Martin Bachofen in den Jahren 1774 bis 1776 gerade hier einen repräsentativen Sommersitz mit Park bauen liess. Die Baupläne entwarf der Basler Barockarchitekt Samuel Werenfels, der ausführende Baumeister war Daniel Büchel.
Mit dem Bau dieses «geschmackvollen Landsitzes» in Sissach gelang es Bachofen, wie der Läufelfinger Pfarrer und Historiker Markus Lutz 1806 schrieb, «einen noch grösseren Zauber über die Umliegenheit dieses Dorfes zu verbreiten». Neben dem «prächtigen und geschmackreichen» Hauptgebäude und den zwei Flügelgebäuden gefiel Lutz insbesondere der Blumengarten vor dem Schloss. Dieser stieg damals in mehreren Terrassen von der Strasse zu den Gebäuden empor. Zwei Lindenwäldchen zu beiden Seiten des Gartens laden, so Lutz weiter, «in ihre mit Ruhebänken versehenen Schattengänge ein, von welchen eine reizende Aussicht das Auge ergötzt».
Englischer Garten
Wenig später bot sich den Besuchern ein anderes Bild. Johann Rudolf Ryhner-Streckeisen, der den Ebenrain 1817 von Martin Bachofens Witwe erworben hatte, liess den symmetrischen französischen Garten in eine freiere englische Anlage umwandeln.
In der Gartenpartie, die sich hinter dem Schloss erstreckt – auf dem ebenen Rain –, liess Martin Bachofen eine Lindenallee anlegen. Geplant oder zumindest angedacht war noch einiges mehr. So ist ein Plan erhalten, der zu beiden Seiten der Allee schmale, dicht mit Buschwerk bepflanzte Streifen zeigt. Diese sind von Irrwegen in merkwürdig gewundenen Formen durchzogen, welche zu chinesischen Pavillons und zu Volieren führen.
Noch unter Martin Bachofen selbst wurde kurz vor 1805 die barocke Gartenanlage hinter dem Schloss in eine englische umgewandelt. Dabei blieb die Baumallee in der Mittelachse erhalten.
Ein neuer Akzent
Zu tiefgreifenden Veränderungen am Park und am Gebäude kam es, als 1872 der französische Industrielle Albert Hübner den Ebenrain erwarb. Unter Hübner erhielt das Schloss sein charakteristisches Schieferdach, eine Glasveranda sowie eine grosszügige Parkanlage mit Weiher. Möglich wurde dieser Ausbau durch den Erwerb einer Parzelle. Damals entstanden wohl das Pförtnerhaus, eine Fasanerie, ein Pavillon auf der Insel, Gewächshäuser und Volieren. Ausser dem Pförtnerhaus wurde dies alles im Lauf der Zeit wieder abgebrochen. Unter Hübners Regie wurde auch die Orangerie vergrössert und erhielt einen Taubenturm, und der Innenhof erhielt einen Brunnen. Für den zum Ebenrain gehörenden Landwirtschaftsbetrieb stellte er einen Gutsverwalter aus dem Elsass und mehrere Knechte an.
Nach Hübners Tod im Jahr 1890 blieb der Ebenrain in französischer Hand. Das änderte sich erst 1930, als der Basler Kaufmann Rudolf Staechelin-Finkbeiner (1881 – 1946) das Schloss kaufte und innen und aussen renovierte. In den renovierten Räumen des Hauptbaus brachte er seine Sammlung moderner französischer Meister unter. Er selbst wohnte in einem Nebengebäude.
Bis 1951 war der Ebenrain in privatem Besitz. Damals erwarb der Kanton Baselland das Landgut zusammen mit dem dazugehörenden Landwirtschaftsbetrieb von Peter Gregor Staechelin, dem Sohn von Rudolf Staechelin. Der Landwirtschaftsbetrieb wurde Teil einer landwirtschaftlichen Schule und bäuerlichen Haushaltsschule (heute Ebenrain Zentrum). Dabei gab es offenbar auch Überlegungen, das Schulgebäude im Park zu errichten. Jedenfalls legt ein Satz in der Vorlage der Regierung an den Landrat vom 10. September 1951 diese Vermutung nahe. Dort heisst es nämlich: «Dem Wunsch, die alten Parkanlagen unberührt zu lassen, ist Rechnung getragen worden.»
Das Schloss dient dem Kanton für temporäre Kunstausstellungen, Konzerte und zu Repräsentationszwecken. Ein Höhepunkt war die grosse Jakob-Probst-Ausstellung im Jahr 1965 zum 85. Geburtstag des renommierten Bildhauers. Sein Fohlen ist aus dem Park nicht mehr wegzudenken.
Eine umfassende Sanierung in den Jahren 1986 bis 1989 verlieh dem Gebäude sein heutiges Erscheinungsbild. Zurzeit werden im Park zudem neue Wege angelegt und der Ententeich saniert.
Das Schloss ist in der Regel nur am Ebenrain-Tag öffentlich zugänglich. Im Jubiläumsjahr «250 Jahre Ebenrain» öffnet der Kanton Baselland das historische Gebäude mit einem Konzert, einer Ausstellung und mehreren Führungen der Bevölkerung (siehe Kasten).
Die «Volksstimme» wird dem Schloss Ebenrain im Verlaufe des Jubiläumsjahrs weitere Beiträge widmen.



