Scheinwerfer auf die (brandneue) Bühne
05.06.2026 ArisdorfPremiere der «Theatermühle» in ihrem neuen Lokal im «Winkel 11»
Die «Theatermühle» hat am Mittwoch erstmals ihr neues Stück «50 und nid ganz 100» gezeigt. Das Scheinwerferlicht war aber primär auf die neue Bühne im ...
Premiere der «Theatermühle» in ihrem neuen Lokal im «Winkel 11»
Die «Theatermühle» hat am Mittwoch erstmals ihr neues Stück «50 und nid ganz 100» gezeigt. Das Scheinwerferlicht war aber primär auf die neue Bühne im «Winkel 11» gerichtet. Die Theatergruppe aus Arisdorf ist in ihrem neuen Heim angekommen.
Jürg Gohl
Seinen 50. Geburtstag hat sich Emil ganz anders vorgestellt. So aber erleben er, seine Frau, die drei geladenen und mehrere ungeladene Gäste sowie das Publikum einen chaotischen Tag, bis sich am Schluss alle Turbulenzen im TGV-Tempo auflösen. Das Gastgeber-Paar liegt sich nicht mehr in den Haaren, sondern in den Armen. Dann setzen 50 Händepaare zum Schlussapplaus an.
Für ihren ersten Auftritt an ihrem neuen Spielort hat sich die «Theatermühle» Arisdorf die Komödie «50 und nid ganz 100» ausgesucht. Verfasst wurde das Stück vom Basler Tausendsassa und Fernseh-Moderator Daniel von Wattenwyl, der zum grossen Gaudi des Publikums gekonnt mit den bekannten Stilmitteln arbeitet: witzige Running Gags, Verwechslungen, Pointen à la Cabaret Rotstift («In der Politik ist es gleich wie bei den Bananen. Die Grünen mag niemand.»).
Dieser Schenkelklopfer wirkt in der langen Liste der bisher gespielten Stücke mit viel ernsterem Stoff, Krimis und Klassikern etwas fremd. Ihren Abstecher ins Seichtere können die Theaterleute aber sehr gut begründen: Am Mittwoch traten sie erstmals auf ihrer neuen Bühne im «Winkel 11» auf und führten dort das neue Stück in einer Vorpremiere für Sponsoren auf, die den Neubau finanziell unterstützt haben. Weil bis zum Samstag noch gehämmert und noch am Tag des ersten Auftritts letzte Pinselstriche angebracht wurden, hatten die Zuständigen ein Stück ausgewählt, das auch mit reduzierten Proben und allfälligen Patzern gut bestehen kann. Zudem richtete sich das Hauptinteresse für einmal nicht auf die Aufführung, sondern auf das neue Haus.
Bevor die Gäste den neuen Spielort betraten, umriss «Theatermühle»- Präsident Michael Laubscher deshalb kurz, weshalb das Laientheater in seinem 42. Vereinsjahr zu dieser nie dagewesenen Parforce-Leistung gezwungen war: 21 Jahre lang diente die Miescher-Scheune in der Nähe des Dorfschulhauses als Bühne, doch mit der 40. Produktion, der Krimi-Komödie «Eine Leiche auf der Flucht», endete vor zwei Jahren diese Zeit.
Weniger Stühle
Die Scheune an der Hauptstrasse, die neuen Wohnungen weicht, erwies sich in dieser Zeit als ideale Bühne. Gut: Bisweilen fröstelte oder schwitzte das Publikum direkt unter dem Dach. Dafür fanden pro Abend fast 130 Personen Platz und garantierten dem Ensemble einen stimmungsvollen Rahmen. Auf der Suche nach einer neuen Heimat, idealerweise im eigenen Bann, wurde es mit einem Bauernhaus im Winkel 11 fündig. Die Adresse wurde gleich als Name übernommen.
Im Innern weckt der Blick entlang der Steinmauer hinauf direkt unters Ziegeldach Erinnerungen an den alten Spielort: Dem Umstand, dass die neue Bühne nur noch 50 Personen Platz bietet, gewinnt man den Vorteil ab, so in einem intimeren Rahmen auftreten zu können und eher der Vorstellung eines Kleintheaters zu entsprechen. Zumindest die Vorpremiere bestätigt, dass die «Theatermühle» auch stimmungsmässig ein neues Kapitel aufgeschlagen hat.
Der Verein entschied sogar, die Liegenschaft gleich zu erwerben. Und beim Umbau des 200 Jahre alten Bauernhauses in ein Dorftheater legten rund 30 Mitglieder selber Hand an.
Sarah Thommen und Anita Schaub leiteten die Arbeiten. Erstere zählt in normalen Jahren zu den Fixstarterinnen in der Theatergruppe und verantwortet den Bühnenbau zum neuen Stück, die andere ist Schauspielerin. So wurde seit vergangenem Oktober gearbeitet, während gleichzeitig für das neue Stück geprobt wurde.
Sogar kleiner Gewinn
4500 Stunden Freiwilligenarbeit, die mehrheitlich von Frauen geleistet wurde, steckten die Mitglieder in den Umbau, der dank einer Spende des örtlichen Frauenvereins sogar behindertengerecht eingerichtet werden konnte. «Das schweisste uns zusammen, und es entwickelte sich eine starke Dynamik», sagt Laubscher.
Auch die schlaflosen Nächte, die ihm die Finanzen immer wieder bereiteten, hätte er sich ersparen können: Dank eines sehr entgegenkommenden Darlehens, zu dem des Sängers Höflichkeit schweigt, steht das Haus im Besitz des Vereins. Dazu halfen Sponsoren beim Finanzieren des Umbaus, der deshalb sogar mehr als nur kostendeckend abschliesst.
Die Arisdörfer Theaterleute verwirklichten sich ihren Traum ganz ohne Beiträge aus der öffentlichen Hand. «Vernünftige Leute hätten dieses Projekt nie in Angriff genommen», sagte Präsident Michael Laubscher noch vor Kurzem und ergänzt diesen Satz von damals nach der Vorpremiere: «Zum Glück sind wir unvernünftig.»

