Ruth Güdel, Läufelfingen
25.09.2026 LäufelfingenDie Nachricht vom Tod unserer Clubschwester am 9. September berührt uns. Ruth Güdel war eine engagierte Soroptimistin der ersten Stunde im Club Liestal der 1952 gegründet worden war. Wenn wir Jüngeren vom Soroptimist Club Liestal, ihren Erzählungen lauschten, bekamen wir ...
Die Nachricht vom Tod unserer Clubschwester am 9. September berührt uns. Ruth Güdel war eine engagierte Soroptimistin der ersten Stunde im Club Liestal der 1952 gegründet worden war. Wenn wir Jüngeren vom Soroptimist Club Liestal, ihren Erzählungen lauschten, bekamen wir eine Ahnung davon, wie schwierig es junge Frauen damals hatten, im gelernten Beruf Fuss zu fassen. Im Club trafen sie Schicksalsgefährtinnen und Gleichgesinnte, die bereit waren zu kämpfen. Sie stärkten einander, neben dem sozialen Engagement für Frauen und Mädchen, den Rücken, um als ledige Frauen in der Gesellschaft und im Beruf anerkannt zu werden.
Ruth Güdel wuchs in Läufelfingen auf. Nach der Primarschule besuchte sie die Sekundarschule in Sissach und anschliessend das Mädchengymnasium in Basel. An der Universität Basel studierte sie Deutsch, Französisch und Latein, ein Semester davon in Genf, und schloss das Studium 1947 mit dem Mittellehrerexamen ab. Nun hatte sie zwar das Rüstzeug als Mittelschullehrerin, aber keine Stelle. Die allgemeine Meinung, Frauen heiraten ja sowieso, verhinderte damals eine feste Anstellung oder eine Karriere. Darum musste sie sich während fünf Jahren mit Vikariatsstellen im ganzen Baselbiet und dem entsprechenden Lohn begnügen. Erst im Oktober 1952 – damals herrschte Lehrermangel – wurden Frauen fest angestellt, aber nur Unverheiratete! Diese Bedingung erfüllte Ruth, und so kam sie in die Mädchenrealschule Liestal, heute Sekundarschule, und unterrichtete da bis 1982.
Seit ihrer Jugendzeit spielte für Ruth die Musik eine grosse Rolle. Bis ins hohe Alter spielte sie gerne und gut Klavier und traf sich regelmässig mit anderen zum Musizieren. Sie war auch begeisterte Chorsängerin. Bis kurz vor ihrem 90. Geburtstag, fast 60 Jahre lang, sang sie im Lehrergesangverein, heute Singstimmen Baselland, mit.
Im Alter von 99 Jahren wurde nach mehreren Stürzen klar, dass sie nicht mehr allein in ihrer Wohnung im Elternhaus in Läufelfingen leben konnte. Realistisch wie sie war, gab sie ihre Zustimmung zum Umzug ins Altersund Pflegeheim Jakobushaus in Thürnen. Da hatte sie ein schönes Zimmer und eine gute Betreuung. Immer wieder freute sie sich über Besuche, vor allem auch, wenn ihr Neffe Thomas mit seinen Gesangskollegen ihr und allen Bewohnern ein Ständchen brachte. Mit Stolz erfüllte sie, dass ein Grossneffe von ihr im Heim Koch ist und alle tagtäglich so gut versorgt. Gerne denken wir vom Club ans gemeinsame Feiern ihres 100. Geburtstag, damals noch mit Masken.
Bei meinen Besuchen im Jakobushaus fragte ich jeweils nach der Begrüssung: «Ruth, wie geht’s dir?» Sie antwortete jedes Mal strahlend: «Mir geht es gut, mir tut nichts weh. Weisst du, ich fühle mich hier im Haus wie eine Made im Speck!» Ein wenig müder als sonst, aber immer noch adrett, wach, aufmerksam und sehr behände mit ihrem Rollator, habe ich sie noch Ende Juli, vor ihrem 104. Geburtstag, erlebt. Nun durfte sie am 7. September ruhig und im Frieden sterben.
Ruth Güdel bleibt uns in bester Erinnerung. Eindrücklich bleiben ihre liebenswerte Art, ihre Ausstrahlung, ihre Dankbarkeit und Zufriedenheit, aber auch ihr Langzeitgedächtnis, wo sie bei Besuchen immer wieder Gedichte hervorholte und rezitierte, die ihr viel bedeuteten. In unserem Club schätzten wir ganz besonders ihren feinsinnigen Humor und ihre Treue.
Elisabeth Strübin, Liestal, im Namen des Soroptimist International Club Liestal

