Rückschläge sind sein Antrieb
19.05.2026 ThürnenHeinz Buser hat sich trotz Rechenschwäche nie vom Lernen abbringen lassen
Mit 40 Jahren wagt Heinz Buser einen grossen Schritt: Im Herbst beginnt der Landschaftsgärtner den Lehrgang zur kaufmännischen Berufsmaturität – trotz Lernschwierigkeiten, gescheiterter ...
Heinz Buser hat sich trotz Rechenschwäche nie vom Lernen abbringen lassen
Mit 40 Jahren wagt Heinz Buser einen grossen Schritt: Im Herbst beginnt der Landschaftsgärtner den Lehrgang zur kaufmännischen Berufsmaturität – trotz Lernschwierigkeiten, gescheiterter Prüfungen und Umwegen.
Wendy Maltet
Heinz Buser erscheint in grüner Hose zum Gespräch mit der «Volksstimme» – der erste Hinweis auf seinen Beruf als Landschaftsgärtner. In dieser und der dazugehörigen roten Weste hat er auch die meisten seiner Prüfungen und Schulstunden absolviert. Nun startet für den Thürner mit 40 Jahren bald ein neues Kapitel: Diesen Herbst beginnt er den zweijährigen Teilzeitlehrgang zur kaufmännischen Berufsmaturität. Die Aufnahmeprüfung dazu hat er im April erfolgreich bestanden.
Was für viele nach einem plausiblen Bildungsweg im jungen Alter klingt, ist für Heinz Buser eher aussergewöhnlich. Aufgrund von Beeinträchtigungen besuchte er als Kind und Jugendlicher eine Sprachheilschule. Er habe Dyskalkulie, also eine Rechenschwäche, sowie eine audiovisuelle Wahrnehmungsstörung. Für ihn bedeute das, vieles nicht auf Anhieb zu verstehen und sich länger mit aufgenommenen Informationen befassen zu müssen.
Unbeirrt davon begann er als Jugendlicher die Lehre als Landschaftsgärtner. Dort wurden ihm die lateinischen Pflanzennamen in der Abschlussprüfung jedoch zum Verhängnis und er musste die Prüfung ein Jahr später wiederholen. Dazwischen absolvierte er Militärdienst und Autoprüfung. Mit 19 Jahren stand Buser schliesslich mit EFZ und Führerschein im Leben und startete mit einer Temporärstelle in Therwil in den beruflichen Alltag.
Eine Frage liess ihn seit der nicht bestandenen Prüfung jedoch nie los: «Warum habe ich es als Einziger nicht geschafft?» Die Auseinandersetzung damit motivierte ihn, geeignete Lernstrategien zu entwickeln und sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen.
Drei Abschlüsse auf Umwegen
Sein Leben nahm nach den ersten Berufserfahrungen viele Wendungen – gute und vermeintlich schlechte –, die ihn letztlich aber immer an den richtigen Ort führten. So nahm seine Tätigkeit als Gärtner eine abrupte Wende, als er wegen eines missachteten Rechtsvortritts seinen Führerausweis für eine gewisse Zeit verlor. «Ohne Auto kann man nicht als Landschaftsgärtner arbeiten, das ist essenziell», sagt Buser. Als spontane Konsequenz ging er deshalb für zwei Monate nach Nizza, um sich intensiv mit der französischen Sprache auseinanderzusetzen. Begeistert von seinen Erlebnissen und Lernerfolgen kehrte er motiviert zurück, erhielt seinen Führerausweis wieder und begann die Weiterbildung zum Agro-Kaufmann.
Diese Ausbildung erwies sich jedoch als zu anspruchsvoll. «Das war nur für die ganz guten Schüler», sagt Buser mit einem schiefen Lächeln. Deshalb startete er anschliessend den KV-Lehrgang in Bern – gewissermassen als Kompromiss. Das Agrotechnische könne er sich später immer noch aneignen, dachte er damals.
Doch auch für das KV reichte es 2010 zunächst nicht. Vorerst jedenfalls. Denn 13 Jahre später wagte er sich erneut an die Prüfungen und bestand alle mit einer Note 4. In den Jahren dazwischen arbeitete er unter anderem bei der Landi in der Hauswirtschaft und später im landwirtschaftlichen Familienbetrieb in Thürnen. Aufgrund der MS-Erkrankung seines Vaters wollte er sich dort wieder stärker einbringen und begann deshalb seine Zweitausbildung als Landwirt am Ebenrain-Zentrum in Sissach. Dass es auch dort beim ersten Versuch nicht klappte, liess ihn nicht zweifeln. «Irgendwann muss man es checken, auch ich», sagt er und lacht. Ein Jahr später schloss er die Ausbildung am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg erfolgreich ab.
Dass es schliesslich auch noch mit dem KV klappen sollte, war für ihn vor allem eine Frage des Willens. «Wenn ich es in einem Fach auf eine 4 schaffe, sollte es auch in einem anderen Fach für eine 4 reichen», beschreibt er seinen pragmatischen Ansatz. «In der Arbeitswelt ist es später egal, ob du mit einer 4 oder einer 6 abgeschlossen hast. Hauptsache, du kannst deine Arbeit gut erledigen.» Und das könne er.
Technischen Fortschritt nutzen
«Arbeiten kann ich schon», antwortet Buser auf die Frage, warum er sich nebenbei immer weiterbilden möchte und nun zusätzlich die Berufsmaturität anstrebt. Und wie schafft er es, trotz Lernschwierigkeiten und Rückschlägen immer wieder weiterzumachen? «Lernhilfen annehmen», lautet seine simple Erkenntnis. Ohne Technologie hätte er viele Prüfungen nicht bestanden, ist Buser überzeugt. Während andere auf Social Media scrollen, verbringe er Zeit auf Lernplattformen und mit Sprach-Apps. Alleine für Französisch und Englisch nutze er fünf verschiedene Anwendungen. Insgesamt lerne er so täglich fünf bis zehn neue Wörter. «Ich rate allen, die ebenfalls Lernschwierigkeiten haben, den technischen Fortschritt zu nutzen», sagt der Thürner. Wichtig sei auch, Tipps aus dem Umfeld anzunehmen und sich immer wieder selbst herauszufordern: «Ich kann meine Lernschwächen nicht wegtrainieren, aber ich kann gezielt versuchen, meine Situation zu verbessern.»
Was sein Endziel sei? «Zuerst einmal einfach die Berufsmaturität schaffen.» Ein Wunsch wäre später auch die Passerelle. Vor allem aber wolle er eines: «Weiter lernen, weil es mir Spass macht.»

