Risiko für die «Kunsti» ist zu gross
05.05.2026 SissachGemeinderat sieht von einer Solaranlage auf dem Dach ab
Die Sissacher Kunsteisbahn wird nicht zur Stromerzeugerin wegen Sicherheitsbedenken sowie ein zu geringer finanzieller Nutzen. Der Gemeinderat setzt stattdessen auf andere Energiemodelle für die «Kunsti» sowie auf ...
Gemeinderat sieht von einer Solaranlage auf dem Dach ab
Die Sissacher Kunsteisbahn wird nicht zur Stromerzeugerin wegen Sicherheitsbedenken sowie ein zu geringer finanzieller Nutzen. Der Gemeinderat setzt stattdessen auf andere Energiemodelle für die «Kunsti» sowie auf Solaranlagen bei der «Badi» und dem Werkhof.
Janis Erne
Die grosse Dachfläche der Kunsteisbahn in Sissach bleibt ungenutzt: Der Gemeinderat verzichtet darauf, eine Photovoltaikanlage zu realisieren. Nach vertieften Abklärungen überwiegen die Sicherheitsrisiken gegenüber den möglichen wirtschaftlichen und ökologischen Vorteilen, wie der Gemeinderat am Donnerstag mitteilte.
In Sissach wurde wiederholt darüber diskutiert, das Dach oder die Südwand der «Kunsti» zur Stromproduktion zu nutzen, da grosse Flächen vorhanden sind und der Betrieb aufgrund der Eiskühlung sehr viel Energie verbraucht. Zuletzt nahm der Gemeinderat das Anliegen vertieft auf – angestossen durch ein Konzept der Sport Sissach AG, welche die Energiekosten ihrer Anlagen senken will. Eine Lösung im sogenannten Contracting-Modell hätte laut Berechnungen jährliche Stromeinsparungen von rund 40 000 bis 50 000 Franken für «Kunsti» und «Badi» zusammen ermöglicht.
Dieser Ansatz gilt grundsätzlich als attraktiv: Ein externer Anbieter übernimmt Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb der PV-Anlage, während die Gemeinde den Strom zu fixierten Preisen bezieht. So werden hohe Anfangsinvestitionen vermieden. Während sich eine Umsetzung auf zwei Gebäuden der «Badi» und drei Gebäuden des Werkhofs als unproblematisch erweist, zeigt sich bei der Kunsteisbahn ein anderes Bild.
Feuchtevorfall wirkt nach
Bei der Kunsteisbahn fielen erste statische Abklärungen zwar grundsätzlich positiv aus. Bei der vertieften Prüfung traten jedoch erhebliche Unsicherheiten zutage. Diese betreffen insbesondere die langfristige Belastbarkeit des sogenannten Flächentragwerks. Wie der für Energie zuständige Gemeinderat David Foggetta auf Anfrage präzisiert, hängt dies mit dem Feuchtevorfall zusammen, der sich zwischen 2005 und 2012 ereignete und im Winter 2012/13 zur Schliessung der «Kunsti» führte. Damals hatten sich die Flächentragelemente aus Holz mit Spannweiten von bis zu acht Metern mit Kondenswasser vollgesogen. Die Elemente seien seit dem Vorfall weniger belastbar, da sie im Gegensatz zu den grossen Hallenbindern nicht zusätzlich ertüchtigt wurden.
Neben Einwirkungen wie Wind oder Schnee würde eine Photovoltaikanlage durch ihr Gewicht die Dachkonstruktion der Kunsteisbahn zusätzlich belasten. «Im jetzigen Zustand ist das Risiko für eine Solaranlage zu gross», sagt Foggetta. Der Gemeinderat habe eine Risikoanalyse durchgeführt und externe Fachleute hinzugezogen. Theoretisch wären Lösungen möglich, etwa durch den Austausch der betroffenen Holzelemente oder durch umfangreiche Belastungstests. Doch beides wäre mit erheblichem finanziellem Aufwand verbunden und stünde in keinem sinnvollen Verhältnis zum Nutzen, so Foggetta. Alternativ wurden auch leichtgewichtige Klebepaneele in Betracht gezogen. «Jedoch ergaben alle Varianten nach den heutigen Rahmenbedingungen eine deutlich unzureichende Wirtschaftlichkeit», so Foggetta. Sprich: Eine Solaranlage würde sich kaum rentieren.
Als Eigentümerin der Anlage trägt die Gemeinde ausserdem die Verantwortung für die Sicherheit und haftet im Schadensfall – etwa wenn das Dach einstürzen würde oder die «Kunsti» wegen Einsturzgefahr (erneut) geschlossen werden müsste. Vor diesem Hintergrund sei die Entscheidung gefallen, auf eine PV-Anlage auf der Kunsteisbahn zu verzichten, so Foggetta. Die Sicherheit habe Vorrang vor den möglichen Einsparungen bei den Stromkosten.
Gemeinderat bleibt dran
Der Entscheid bedeutet jedoch keine vollständige Abkehr von der Solarenergie. Im Gegenteil: Die Exekutive hält an ihrem Ziel fest, geeignete Gemeindeliegenschaften mit Photovoltaikanlagen auszurüsten und die Stromkosten zu senken. Die grösste Verbraucherin ist die Kunsteisbahn. Hier prüft der Gemeinderat laut Foggetta Alternativen in Form einer lokalen Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) oder eines Zusammenschlusses zum Eigenverbrauch (ZEV) mit Liegenschaftseigentümern in der Nachbarschaft. Die «Kunsti» liegt zwischen einem Wohnquartier auf Sissacher Boden und einem Gewerbequartier auf Zunzger Boden.
Zudem sollen Solaranlagen bei der «Badi» sowie beim Werkhof weiterverfolgt werden. Bei der «Badi» steht laut Foggetta eher eine eigenfinanzierte Lösung im Vordergrund, da der günstige Solarstrom im Sommer direkt vor Ort genutzt werden könnte, etwa für die Wasseraufbereitung. Für den Werkhof wird hingegen eher ein Contracting-Modell ins Auge gefasst. Dort stehen Dachsanierungen an, die sich mit der Installation einer PV-Anlage verbinden liessen – dadurch könnte die Gemeinde Geld sparen, da viele Unternehmen beide Arbeiten aus einer Hand anbieten. Der Gemeinderat strebt laut Foggetta an, dass die «Badi» und der Werkhof innerhalb der nächsten zwei Jahre mit Solaranlagen ausgerüstet werden.
«Stedtli» ist einen Schritt weiter
je. In Waldenburg ist die neue Photovoltaikanlage auf dem Dach des Schwimmbads technisch abgenommen worden, wie die «ObZ» vergangenen Donnerstag berichtete. Die Anlage produziert seit einigen Wochen Strom und wird künftig unter anderem die Umwälzpumpen, die Filteranlage, die Duschen, die Haartrockner, den Kiosk und die Fritteuse versorgen. Das Badewasser wird weiterhin über die bestehende thermische Solaranlage und die Wärmepumpe erwärmt. Der Selbstversorgungsgrad des Schwimmbads soll bei rund 90 Prozent liegen. Bei bisherigen Energiekosten von etwa 20 000 Franken pro Jahr rechnet man im «Stedtli» mit einer Refinanzierung der Photovoltaikanlage in vier bis fünf Jahren. Möglich wurde das Projekt durch lokale Unternehmen: Die Elektro Schmidli GmbH aus Oberdorf beteiligte sich laut «ObZ» mit rund 8000 Franken Sponsoring und die Dachspezialistin Hubschmid GmbH aus Niederdorf übernahm den Gerüstbau. Die Gemeinde hatte das PV-Projekt im Budget 2026 genehmigt. Zuvor hatten die Stimmberechtigten im Februar 2025 an der Gemeindeversammlung einer Steuererhöhung zugestimmt, um die «Badi» zu retten. Auch die «IG Schwimmbi» unterstützt den Betrieb mit freiwilligen Arbeitseinsätzen.

