Was an der helvetischen Küche vermissen Schweizer Fussballerinnen im Ausland? Dreimal raten! Nicht Aromat, nicht Ovomaltine und auch nicht Maggi-Flüssigwürze. Nein, für Nadine Riesen, Appenzellerin in Diensten von Eintracht Frankfurt, ist es eine echte St. Galler Bratwurst. ...
Was an der helvetischen Küche vermissen Schweizer Fussballerinnen im Ausland? Dreimal raten! Nicht Aromat, nicht Ovomaltine und auch nicht Maggi-Flüssigwürze. Nein, für Nadine Riesen, Appenzellerin in Diensten von Eintracht Frankfurt, ist es eine echte St. Galler Bratwurst. «Soll ich Thomy-Senf mitbringen?», frotzle ich samt Zwinker-Smiley, denn ich weiss ja, dass es in der Ostschweiz allein schon verpönt ist, Senf auch nur als Wort in den Mund zu nehmen. «Bisch am Provoziere mit Senf …?», antwortet sie scherzhaft. Und präzisiert, falls sich in Basel keine echte St. Galler, sondern nur sonst irgendeine Bratwurst fände, sei Senf schon okay. Doch ich werde fündig und verstaue zwei Packungen St. Galler Bratwürste im Gepäck und ein paar «Chlöpfer», die sich Riesens Teamkollegin Noemi Ivelj gewünscht hat.
Kulinarische Botengänge für Fussballerinnen bin ich gewohnt. Nach Lyon zu Lara Dickenmann beförderte ich mal wunschgemäss einige Flaschen Rivella blau, worauf über meinem Spielerinnen-Porträt in der «BaZ» in grossen Lettern der Titel stand: «In Lyon gibt es kein Rivella blau.» Die Marketing-Leute von Rivella müssen es gelesen haben – jedenfalls wurde ein ganzes Palett Rivella blau zu Lara Dickenmann nach Lyon geliefert. Auf dass der Vorrat länger als nur für ein paar Tage reiche …
Vor der Europameisterschaft 2017 besuchte ich Ramona Bachmann fürs Schweizer Fernsehen in London. Und erkundigte mich vor der Abreise, ob sie etwas brauche aus der Schweiz. Nie frage ich solcherlei, weil ich Fan wäre und es an journalistischer Distanz fehlen liesse. Auch nicht, weil ich irgendeine Gegenleistung erwarte. Sondern schlicht, weil ich mir vorstellen kann, dass der eine oder andere «Gluscht» aufkommt, wenn jemand länger im Ausland lebt. Et voilà: Bachmann wünschte sich Fondue. Item.
«Gluscht» hätte Nadine Riesen bestimmt gehabt auf ihre original «Sanggaller Brodworscht». Nur wurde der Termin, den ich in Frankfurt gehabt hätte, kurzfristig abgesagt. So kurzfristig, dass ich bereits im ICE unterwegs war und in Mannheim spontan entschied, auszusteigen und sogleich die Rückfahrt anzutreten. Die Frau am Bahnschalter war äusserst hilfsbereit und buchte mein Ticket um. «Mögen Sie Fleisch?», fragte ich. Und schenkte ihr, als sie bejahte, den ganzen Sack voller Bratwürste und Cervelats. «Da wird sich mein Mann aber freuen!», bedankte sie sich und strahlte übers ganze Gesicht. «Zu diesen Bratwürsten», rief ich über die Schulter zurück, «bitte einfach keinen Senf konsumieren!»
Seraina Degen
Seraina Degen (1986) ist in Niederdorf aufgewachsen. Als Torhüterin spielte sie lange leidenschaftlich Fussball, heute bleibt sie beruflich am Ball – als Redaktorin bei SRF Sport.