Queristieger
12.03.2026 PolizeiWährend im voll besetzten Theater oben die Krone der Schnitzelbangg-Schöpfung zu hören ist, bleiben die Kinosäle unten geschlossen. Die Leuchtschrift verkündet die Filme, die demnächst dort zu sehen sind, und dazwischen läuft in Mundart die Botschaft: ...
Während im voll besetzten Theater oben die Krone der Schnitzelbangg-Schöpfung zu hören ist, bleiben die Kinosäle unten geschlossen. Die Leuchtschrift verkündet die Filme, die demnächst dort zu sehen sind, und dazwischen läuft in Mundart die Botschaft: «Während de drey scheenschte Dääg bliebe d Kinosääl gschlosse.»
Wenn es wie an der Fasnacht unbedingt sein muss, in Mundart zu schreiben, dann sollten gewisse Grundregeln eingehalten werden, um das Lesen zu erleichtern. Ein Zeedel mag noch so geist- und pointenreich sein. Wenn wir aber bei jedem dritten Wort stecken bleiben, legen wir ihn schnell zur Seite. Höchste Stolpergefahr droht in der Fasnachtssprache immer dann, wenn der gedehnte Vokal «i» zu schreiben ist. Dann greifen wir zu «yy», wenn er spitz, oder zu «ii», wenn er dumpf ausgesprochen wird. Also: Die Kinosäle «blyybe» (bleiben) zu oder sie sind hinterher drei Tage zu «bliibe» (geblieben). Nur in der Schriftsprache wird diese Dehnung mit «ie» zum Ausdruck gebracht. In der Mundart aber drückt diese Schreibung zwei getrennt ausgesprochene Vokale aus. Die Griechen, diese Plagebiester, nannten das Diphthong. Der Satz «Lieber Bier gniesse als aabegiesse» taugt an Fasnacht sprachlich sowie auch als Grundsatz.
In der Sprechblase einer gelungenen Karikatur zur Fasnacht und zur Kunst des Intrigierens stossen wir in der «Volksstimme» vom vergangenen Freitag auf «in verschiedene Sprache». Dieser Mix ist nix. Korrekt ist: «in verschiidene Sprooche». In ihrem Bericht vom Montag vergangener Woche über den Liestaler Umzug berichtete eine andere Regionalzeitung über die Clique «Queristieger» (statt «Queryystyyger» oder noch leserfreundlicher «Quer-Yystyyger»); weiter ist zu erfahren, dass die grosse Rotstab-Clique den Slogan «mir si usglieferet» (statt «sy usgliiferet») auf ihre Laterne pinselte. Ein lokales Ereignis lag indes zu kurz zurück, um es in «Lieschtel» noch zum Sujet zu schaffen: der Wegzug der Weinhandlung «Siebe Dupf» nach Lausen.
Jürg Gohl
