Platzmangel als Grenze der smarten Mobilität
28.04.2026 BaselAutonomes Fahren als Lösung?
«Genug pilotiert? Wie smarte Mobilität Realität wird.» Die BLT lud im Rahmen des «Smart Mobility Day» zur Paneldiskussion über intelligente Mobilität der Zukunft. Der Tenor war klar: Die unterschiedlichen Akteure ...
Autonomes Fahren als Lösung?
«Genug pilotiert? Wie smarte Mobilität Realität wird.» Die BLT lud im Rahmen des «Smart Mobility Day» zur Paneldiskussion über intelligente Mobilität der Zukunft. Der Tenor war klar: Die unterschiedlichen Akteure müssen besser zusammenarbeiten.
Tobias Gfeller
Wie wird aus Strategiepapieren und Pilotprojekten reale Mobilität? Diese Frage prägt seit Jahren die sogenannte smarte Mobilität. Mit der «schlauen» Mobilität sollen unterschiedliche Verkehrsträger miteinander verbunden werden, um für jede und jeden die optimale Mobilität zu erreichen. Ziel der Diskussion am vergangenen Donnerstag im Theater Basel im Rahmen des Smart Mobility Day war es, aufzuzeigen, wie Vision, Innovation, gesetzliche Rahmenbedingungen und Umsetzungskraft zusammenspielen müssen, damit smarte, nachhaltige Mobilität messbare Erfolge erzielt.
Für die Oltinger Grünen-Nationalrätin Florence Brenzikofer verfügt die Schweiz bereits heute über eine smarte Mobilität. Als Beispiel nannte sie ihren persönlichen Arbeitsweg mit dem öffentlichen Verkehr aus dem Oberbaselbiet heraus nach Basel oder Bern. Mängel der smarten Mobilität sieht die Präsidentin des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) an den Grenzen. Dazu gehören gemäss Brenzikofer Landesgrenzen und Tarifgrenzen, was gerade die Diskussionen über die Gültigkeit des U-Abos nach Olten seit Jahren offenbaren.
Schnelle Technologie-Entwicklung
Für die Nationalrätin sind Kundenfreundlichkeit und Einfachheit essenziell für einen erfolgreichen öffentlichen Verkehr. Soll der Modalsplit zugunsten des öffentlichen Verkehrs gelingen, müssten die unterschiedlichen Akteure in der Mobilitätsbranche besser zusammenarbeiten, fordert Brenzikofer. Als Beispiele nannte sie neben den unterschiedlichen Tarifsystemen die verschiedenen Apps, die nötig sind, um unterschiedliche Mobilitätsträger miteinander zu verbinden. Stefanie Berliner, als Head of «Dach» verantwortlich für die Marktentwicklung der autonomen Mobilität beim dänischen Unternehmen Holo, plädiert dafür, nicht mehr nur in Fahrzeugen, sondern in Systemen zu denken, auch zwischen dem öffentlichen und dem privaten Verkehr.
Lukas Ott, Leiter Kantons- und Stadtentwicklung beim Kanton Basel-Stadt, sieht gerade in städtischen Gebieten den Platz als begrenzendes Gut. Es müsse mit weniger Verkehr mehr Mobilität erreicht werden. «Mobilität muss zusammen gedacht werden mit Wohnen, Arbeiten, Freiräumen, sozialem Zusammenhalt und Klima. Dort müssen wir siloübergreifender werden. Mobilität muss in die Stadtentwicklung integriert werden.» Alex Erath, Leiter Fachbereich Verkehr und Mobilität an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), warnte davor, dass sich die Technologie schneller entwickelt als die Infrastruktur.
Ob autonom verkehrende Fahrzeuge den öV der Zukunft bestimmen werden, ist umstritten. Bruno Stehrenberger, Direktor der Basler Verkehrsbetriebe (BVB), sieht die Entwicklung bei der autonomen Mobilität noch nicht so weit fortgeschritten, dass sie in den kommenden zehn Jahren in der Praxis eingesetzt werden kann. Wie Lukas Ott sieht auch Stehrenberger den Kampf um die knappen Flächen als entscheidend an. «Am Ende des Tages geht es um Lebensqualität. Es ist niemandem gedient, wenn die Städte von autonomen Fahrzeugen geflutet werden.» Auch in Zukunft werde entscheidend sein, dass möglichst viele Menschen in Fahrzeugen – Stichwort Flächeneffizienz
– transportiert werden können. «Wir haben in Schweizer Städten nicht die gleichen Verhältnisse wie in chinesischen und amerikanischen Grossstädten.»
Minibusse satt S-Bahn?
Erath sieht in vielen Schweizer Städten, gerade in Basel, das Ziel einer Stadt der kurzen Wege grösstenteils erreicht. Der Fokus müsse in Zukunft viel mehr auf die Agglomeration ausgerichtet sein. «Wir müssen über die Agglomeration der kurzen Wege reden. In den Agglo ist das Auto immer noch König. Man nimmt den Stau gerne in Kauf, weil alles andere zu mühsam ist.» Gemäss dem FHNW-Professor müssen die ganzen Wege von Tür zu Tür betrachtet werden. Er ist überzeugt, dass es künftig bei der Bahn weniger Haltestellen braucht, weil Minibusse nach dem Vorbild von Oslo die kurzen Verbindungen effizienter herstellen können.
Brenzikofer appellierte bei allen Zukunftsvisionen für mehr Mobilität, die Sicherheitsaspekte und diesbezüglich die Velofahrenden und Fussgänger nicht zu vergessen. «Wir dürfen die verschiedenen Mobilitätsformen nicht gegeneinander ausspielen. Wir müssen sie miteinander denken.» Sie unterstrich dabei die Bedeutung von Veloschnellrouten, die der Kanton Baselland in verschiedenen Tälern und auf verschiedenen Achsen am Entwickeln ist.

