PFAS erschweren Deponie-Abschluss
23.10.2026 ReigoldswilRegierung bietet beim «Eichenkeller» fachliche Hilfe an – an den Kosten will sie sich nicht beteiligen
Das Sickerwasser der Deponie Eichenkeller ist laut Regierung stark mit PFAS belastet. Ob die Deponie wie geplant abgeschlossen und rekultiviert werden kann, müssen ...
Regierung bietet beim «Eichenkeller» fachliche Hilfe an – an den Kosten will sie sich nicht beteiligen
Das Sickerwasser der Deponie Eichenkeller ist laut Regierung stark mit PFAS belastet. Ob die Deponie wie geplant abgeschlossen und rekultiviert werden kann, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Die Auswirkungen auf umliegende Gewässer bleiben ebenfalls offen.
Melanie Frei
Die Deponie Eichenkeller in Reigoldswil ist seit 2014 ausser Betrieb. Die vorgesehenen Abschluss- und Rekultivierungsarbeiten stehen jedoch weiterhin aus. Nun stellen Schadstoffe im Sickerwasser die bisherige Planung infrage: Ob ein Abschluss wie vorgesehen sinnvoll ist, muss laut Regierungsrat erst geklärt werden.
Dies hält die Regierung in ihrem Bericht vom 20. Oktober zum Postulat «Tragbare Lösung für die Deponie Eichenkeller» fest. Christine Frey (FDP) hatte den Vorstoss 2021 eingereicht; der Landrat überwies ihn 2022. Er verlangt unter anderem die Prüfung günstigerer Überwachungsmethoden, eine Senkung der Kosten und Antworten zur Verantwortung des Kantons.
Das Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) untersuchte im Rahmen einer kantonalen Übersicht die Sickerwässer verschiedener Deponien auf per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, kurz PFAS. Diese schwer abbaubaren, teilweise giftigen Stoffe werden auch als «Ewigkeitschemikalien» bezeichnet.
Beim «Eichenkeller» stellte das AUE eine starke Belastung fest – laut Regierung auch im Vergleich mit anderen Deponien im Kanton. Allerdings schwanken die bisherigen drei Messresultate erheblich. Für eine bessere Einschätzung müsse die Messreihe deshalb weitergeführt werden. Eine Probenahme im Sommer 2026 scheiterte an der Trockenheit: Es floss kein Sickerwasser ab, das hätte untersucht werden können.
Betriebsstopp nach Rohrbruch
Als mutmassliche Quelle nennt die Regierung Aushubmaterial vom Standort «Alter Werkhof» in Reinach. Dort fanden 2013 Arbeiten statt. Grosse Mengen des Materials wurden in der Deponie Eichenkeller abgelagert. PFAS seien damals noch nicht im Fokus gewesen und entsprechend nicht untersucht worden, so die Regierung.
Welche Konzentrationen gemessen wurden, wohin das Sickerwasser gelangt und welche Auswirkungen auf Grundwasser oder umliegende Bäche bekannt sind, lässt ihr Bericht offen. Eine Belastung von Trinkwasserfassungen wird darin nicht ausgewiesen. Die Regierung geht jedoch davon aus, dass die PFAS den weiteren Umgang mit der inzwischen stillgelegten Deponie beeinflussen werden.
Der Standort wurde ab den 1980er-Jahren als Deponie genutzt; eine Erweiterung wurde 2012 bewilligt. Die Bürgergemeinde und eine Privatperson als Grundeigentümerinnen beauftragten die Tozzo AG mit dem Betrieb.
Am 30. März 2014 barst rund 150 Meter unterhalb des Deponiefusses eine Erdgas-Hochdruckleitung. Nach heutigem Kenntnisstand wurde der Rohrbruch durch eine Geländeverschiebung ausgelöst. Der Deponiebetrieb wurde unmittelbar danach im Einverständnis aller Beteiligten eingestellt. Im Jahr 2017 beschlossen sie, die Deponie vorsorglich nicht weiterzubetreiben. Ob die Hangbewegungen unterhalb der Deponie in direktem Zusammenhang mit dieser oder ihrem Betrieb stehen, lässt sich laut Regierung weiterhin nicht abschliessend sagen. Die Deponie selbst sei stabil und bewege sich nicht.
Vieles ist noch unklar
2019 verfügte die Bau- und Umweltschutzdirektion die Bedingungen für den Abschluss und die Nachsorge. Weil die Abschlussarbeiten noch ausstehen, hat die formelle Nachsorgephase bis heute nicht begonnen. Sie startet erst nach den vorgeschriebenen Arbeiten und Abnahmen. Während dieser Phase wird kontrolliert, ob etwa Entwässerung und Stabilität gewährleistet sind und keine schädlichen Einwirkungen auf die Umwelt entstehen. Ob die Nachsorgezeit bei der Deponie Eichenkeller verkürzt werden kann, lässt sich laut Regierung derzeit nicht beurteilen. Entscheidend dürften die PFAS-Emissionen sein.
Für Abschluss, Rekultivierung und Nachsorge der Deponie hätten die Landeigentümerinnen 200 000 Franken zurückstellen müssen. Beim vorzeitigen Betriebsstopp vor mehr als zehn Jahren waren aber erst rund 90 000 Franken vorhanden. Dieses Geld reicht laut Regierung nicht aus – auch, weil unklar ist, ob der PFAS-Befund zu Mehrkosten führen wird. Die zusätzlich benötigten Mittel müssten die Betreiberin beziehungsweise die Eigentümerschaft der Deponie entsprechend ihren vertraglichen Vereinbarungen bereitstellen.
Zusätzlich besteht eine Bankgarantie über 500 000 Franken. Damit sind mögliche Folgekosten abgesichert, etwa für Schäden durch Terrainbewegungen. Der Betrag steht jedoch nicht einfach als Guthaben für die Abschlussarbeiten zur Verfügung. Die Garantie muss bis 15 Jahre nach dem Abschluss der Deponie bestehen bleiben.
Die Bürgergemeinde hatte nach der Verfügung durch den Kanton von 2019 erklärt, die Nachsorgekosten nicht tragen zu können. Sie sah den Kanton als Bewilligungsbehörde in der Mitverantwortung und verlangte finanzielle Unterstützung.
Die Regierung lehnt die Übernahme von Kosten nun erneut ab: Dafür fehle die rechtliche Grundlage. Sie bietet aber fachliche Unterstützung durch kantonale Stellen an. Die PFAS-Untersuchungen im Rahmen einer kantonsweiten Übersicht hat das AUE selber finanziert. Zur aktuellen Finanzlage hält die Regierung fest, die Bürgergemeinde verfüge über ausreichende liquide Mittel; ein Bilanzfehlbetrag sei nicht absehbar.
Welche Arbeiten an der Deponie nötig werden, ist noch offen. Das weitere Vorgehen soll unter Federführung des AUE mit der Reigoldswiler Bürgergemeinde besprochen werden. Die Regierung beantragt dem Landrat, das Postulat abzuschreiben.
Bürgergemeindepräsident Fritz Sutter möchte sich auf Anfrage erst nach der Beratung des elfseitigen Regierungsberichts im Bürgerrat äussern. Auch Fragen der «Volksstimme» an den Kanton zu PFAS-Messungen, möglichen Auswirkungen und ausstehenden Abschlussarbeiten bleiben noch offen: Die Antworten müssten zunächst zwischen dem AUE und dem Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen koordiniert werden, teilt die Medienstelle der Bau- und Umweltschutzdirektion mit.
