Pascal, Marc und Pinguine
19.03.2026 Sport«Das hätte es in Niederdorf auch geben sollen!», schreibt Mutter, nachdem ich ihr von der «Kunsti» Sissach ein Kurzvideo gewhatsappt habe, das mich an einer Schlittschuhlaufhilfe zeigt. «Dann wärst du nicht so arg auf den Hinterkopf gefallen.» Als ...
«Das hätte es in Niederdorf auch geben sollen!», schreibt Mutter, nachdem ich ihr von der «Kunsti» Sissach ein Kurzvideo gewhatsappt habe, das mich an einer Schlittschuhlaufhilfe zeigt. «Dann wärst du nicht so arg auf den Hinterkopf gefallen.» Als Primarschülerin muss ich auf dem Niederdörfer Schulhausplatz mal furchtbar gestürzt sein. Erinnern daran kann ich mich nicht. Dafür an Albert Wüthrich, den Hauswart, und wie der in eiskalten Nächten mit einem grossen Schlauch den Platz wässerte, damit wir Kinder die Pausen und Mittwochnachmittage auf dem Eis verbringen konnten. Wunderbare Zeiten waren das!
Und an die gemieteten blau-weissen Hockey-Schlittschuhe erinnere ich mich, mit denen ich mich auf dem Glatteis wohlund sicher fühlte. Wenn auch nicht so sicher wie Pascal Müller und Marc Niederhauser, schon damals die Cracks auf dem Niederdörfer Eisfeld, später langjährige Grössen des EHC Zunzgen-Sissach. Unter uns: Meine Bewunderung für die beiden war schon sehr gross! Wie schnell und geschmeidig sie sich auf dem Eis bewegten … Davon war ich meilenweit entfernt.
Und bin es geblieben. Deshalb wusste ich nicht, was ich von der Idee meiner Freundin halten sollte, Schlittschuhlaufen zu gehen. Keine Ahnung, wann ich dies zum letzten Mal getan hatte. Immerhin fuhren wir – da auf der Kunsteisbahn Margarethen in Basel schon Saisonschluss war – nach Sissach. Vertrautes Terrain.
Bammel hatte ich trotzdem, als ich die Schlittschuhe schnürte. Mit zittrigen Knien betrat ich das Eis – und wer lächelt mir als Versicherungsexperte von einer Werbetafel entgegen? Besagter Marc Niederhauser. Das half schon mal sehr. Noch mehr halfen, wie erwähnt, die bereitstehenden Hilfen. Zwar keine herzigen Pinguine, sondern lediglich gebogene Stahlgestelle mit horizontaler Haltestange, eine Art Rollatoren für die Eisfläche. Normalerweise unterstützen sie vierjährige Kinder darin, Balance und Vertrauen zu finden. Doch egal, ob vier- oder bald vierzigjährig: Die Dinger sind eine grosse Hilfe, glauben Sie mir! Ich war äusserst froh, konnte ich mich irgendwo abstützen. Von Runde zu Runde ging es besser, irgendwann sogar ohne Hilfe. Den Mutigen gehört die Welt! Oder sagen wir: den allmählich nicht mehr so Ängstlichen …
Eine Hockeyanerin wird nicht mehr aus mir, geschweige denn eine Eiskunstläuferin. Sicher aber ist: Diesmal vergehen nicht mehr 30 Jahre, ehe ich mich das nächste Mal aufs Eis wage. Das Saisoneröffnungsdatum der «Kunsti» Sissach habe ich jedenfalls bereits im … Hinterkopf.
Seraina Degen
Seraina Degen (1986) ist in Niederdorf aufgewachsen. Als Torhüterin spielte sie lange leidenschaftlich Fussball, heute bleibt sie beruflich am Ball – als Redaktorin bei SRF Sport.

