Parlez-vous français?
04.09.2026 PolitikAnna-Tina Groelly, Landrätin Grüne, Gelterkinden
Am Ende meiner Schulzeit konnte ich französische Bücher und Gedichte lesen, verstehen und interpretieren, verstand die Fragen des Prüfungsexperten und konnte sie mehrheitlich auch beantworten. ...
Anna-Tina Groelly, Landrätin Grüne, Gelterkinden
Am Ende meiner Schulzeit konnte ich französische Bücher und Gedichte lesen, verstehen und interpretieren, verstand die Fragen des Prüfungsexperten und konnte sie mehrheitlich auch beantworten. Im Allgemeinen hatte ich den Eindruck, dass ich mich in der französischen Sprache gut ausdrücken und verständigen kann.
Nun stehe ich fast 20 Jahre später in einer schönen Stadt in Frankreich und muss feststellen, dass die Synapsen in meinem Gehirn einiges langsamer funktionieren als der Zug, der uns hierhergebracht hat.
Da mein Mann im Bündnerland aufgewachsen ist und deshalb Italienisch als Fremdsprache lernte, liegt es trotzdem an mir, mich mit der Frau an der Rezeption, dem Personal im Restaurant, im Museum, am Marktstand oder im Laden zu verständigen. Was all die freundlichen Menschen mir erzählen oder mich fragen, verstehe ich soweit ganz gut. Bei meinen Antworten studiere ich immer mal wieder an einem Wort herum. Obwohl ich mich an den meisten Orten auch auf Englisch verständigen könnte, lässt es mein Stolz nicht zu, und mit einigen Handzeichen verlaufen die Gespräche schliesslich meistens ziemlich erfolgreich.
Aktuell laufen auf nationaler wie auch auf kantonaler Ebene verschiedene Diskussionen über das Erlernen der Fremdsprachen in den Schulen. Wie viele Sprachen sollen die Kinder lernen? Welche Sprachen? Ab welcher Stufe? Wie viele Lektionen pro Woche? Braucht es überhaupt noch Fremdsprachenunterricht, wenn uns ein Stöpsel im Ohr eine direkte Übersetzung liefern kann?
Mich hat das Wochenende in Frankreich in meiner Überzeugung bestärkt: Ja, wir brauchen einen guten und alltagsbezogenen Fremdsprachenunterricht. Denn der direkte Austausch ist so bereichernd und bringt uns näher an fremde Menschen, ihre Lebensweise und ihre Kultur heran.
Für mich persönlich ist auch klar, dass in unserer Region, mit der Nähe zur Romandie und zu Frankreich, die erste Fremdsprache Französisch sein muss. Genau diese Nähe müssen wir auch bei Kindern und Jugendlichen zwingend mehr nutzen für den direkten Austausch. Denn durch diese wertvollen Erfahrungen und Erlebnisse im Alltag erkennen die Kinder, wofür sie im Unterricht Vokabeln und Grammatik lernen. Ich bin überzeugt, dass dies eine zusätzliche Motivation sein kann.
Im Kanton Baselland wurde im letzten Jahr das aktuelle Sprachenkonzept umfassend überprüft und ausgewertet. Daraus entstanden verschiedene Handlungsfelder zur Weiterentwicklung. Diesen Herbst steht die Projektinitialisierung an, und im nächsten Sommer werden die Variantenentscheide gefällt. Auf die Ergebnisse, die weiteren Diskussionen und politischen Entscheide bin ich sehr gespannt.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

