Parkieren – nur mit Hochschulabschluss
20.02.2026 FasnachtSissach, an einem kalten Januarmorgen. Der in der Nacht gefallene Schnee scheint noch eine Weile bleiben zu wollen. Josefine Rad-Mutter (79) ist den Tränen nahe. Völlig aufgelöst und frierend studiert sie den Flyer zur Sissacher ...
Sissach, an einem kalten Januarmorgen. Der in der Nacht gefallene Schnee scheint noch eine Weile bleiben zu wollen. Josefine Rad-Mutter (79) ist den Tränen nahe. Völlig aufgelöst und frierend studiert sie den Flyer zur Sissacher Parkraumbewirtschaftung. Man resp. frau möchte ja gleich zum Jahresbeginn nichts falsch machen. Trotz erfolgreich absolviertem Lehrgang an der Senioren-Uni betreffs Parkieren im öffentlichem Raum ist sie ratlos.
Darf sie ihren Hundeschlitten und die beiden Siberian Huskys in der Blauen Zone deponieren? Oder doch bei der Badi draussen oder sonst einem möglichst abgelegenen Ort? Braucht es dafür eine spezielle Hundemarke? Oder muss sie ihr Gefährt samt Zughunden in den weiss markierten Feldern absetzen? Die man übrigens im Schnee kaum sieht. Braucht es, um nicht vom kontrollierenden Gelterkinder Parkbussen-Terrier Lenzin arretiert zu werden, einen Hundenapf statt einer Parkscheibe? Fragen über Fragen.
Die verwirrte Hundeschlittenführerin beschliesst, auf der Sissacher Gemeindeverwaltung nachzufragen. Höflicher Empfang einer jungen Dame in Daunenjacke. Muss eine ziemlich frostige Atmosphäre sein, wenn einen die Schalterbeamtin in der Skiausrüstung empfängt, denkt sich Rad-Mutter.
Leider kann die Dame nicht weiterhelfen. Sie kenne sich bei den neuesten Sissacher Parkierungs-Gepflogenheiten nicht aus, da sie schon lange und ausschliesslich ein E-Trottinett benütze. Aber Gemeinderat Marti könne ihr sicher weiterhelfen, sagt die nette Dame am Schalter.
Keinen Deut gescheiter verlässt die bedauernswerte Schlittenfrau die Gemeindeverwaltung und macht sich auf den Weg, zurück zu ihren Hunden. Schon von Weitem hört sie das Gejaule der beiden Huskys. Da muss etwas passiert sein, ahnt sie. Wahrlich. Einer der Hunde hat sich im Hosenbein des Parkbussen-Terriers festgebissen. Jammernd liegt der am Boden und beteuert, er habe doch nur den Hundenapf kontrollieren wollen. Rad-Mutter befreit den flennenden Ver-, äh, Ersatzpolizisten aus seiner misslichen Lage und weist die Hunde zurecht. Lenzin macht sich eiligst und fluchend aus dem Staub: «Das hat dann noch ein Nachspiel!», droht er aus sicherer Entfernung.
Nachdem sich die Hunde beruhigt haben, greift Frauchen zum Smartphone und wählt die Nummer von Stephan Marti. Pflichtbewusst, fast so, als hätte er auf den Anruf gewartet, antwortet der umtriebige Verkehrsspezialist sofort. Rad-Mutter erklärt ihm den Grund des Anrufs und bittet um Aufklärung «betreffs korrekten Parkierens eines Hundeschlittens bei Neuschnee». Er habe eigentlich keine Zeit, da er damit beschäftigt sei, eventuell widerrechtlich erhobene Parkbussen zurückzuzahlen. Rad-Mutter lässt aber nicht locker. Nach langem Hin und Her bequemt sich Marti doch noch zu einer Erklärung. Ganz einfach, sagt er: «Hundeschlitten im öffentlichen Raum sind kostenpflichtig und die Hunde müssen geimpft sein. Steht der Schlitten vier Stunden in einem weissen Parkfeld, ist dafür zu sorgen, dass die Hunde ausreichend verpflegt sind. Die Hundegutzi müssen für den Kontrolleur gut sichtbar sein. In der Blauen Zone in der Begegnungszone dürfen die Hunde mit Knochen, notfalls mit Hundefutter aus der Dose ruhig-, respektive abgestellt werden. Das Gourmetpaket ‹Bäinli für s Hündli› kann auf der Gemeindeverwaltung Sissach bezogen werden. Zudem ist darauf zu achten, dass keiner der Hunde vorbeirasende Velofahrer anfällt.»
Nach dem kurzen Telefonat ist für Rad-Mutter nun doch einiges klarer. Die Hunde mahnen bellend zum Aufbruch. Keine Eile, ruft sie den beiden Vierbeinern zu und freut sich schon auf das nächste Zusammentreffen mit Parkbussen-Terrier Lenzin. Wenn der wieder versucht, den Hunden einen Strafzettel anzuhängen.

