Orientierung ist alles
01.10.2026 SportOrientierungslauf? Meine «Karriere» war kurz und ehrlich gesagt wenig erfolgreich. Am Gymnasium in Liestal gab es hin und wieder Turnstunden ausserhalb der Halle, einen Team-OL auf der Sichtern beispielsweise. Was als tolle Abwechslung für uns Schülerinnen und Schüler ...
Orientierungslauf? Meine «Karriere» war kurz und ehrlich gesagt wenig erfolgreich. Am Gymnasium in Liestal gab es hin und wieder Turnstunden ausserhalb der Halle, einen Team-OL auf der Sichtern beispielsweise. Was als tolle Abwechslung für uns Schülerinnen und Schüler gedacht war, fanden wir mässig toll. Viel Rennen und dazu noch Karten lesen – in der Zeit hätten wir lieber eine Runde Beachvolleyball gespielt.
Doch mit der richtigen Strategie machte es plötzlich doch noch Spass. Diejenige unseres Trios war denkbar einfach: Eine Kollegin hatte eine super Ausdauer und war auch nicht schlecht im Kartenlesen. Also liessen wir sie jeweils vorausrennen, durchs Dickicht, rauf und runter zu den jeweiligen Posten – und wir folgten recht orientierungslos hinterher. Dass wir da mehr spaziert denn gerannt sind, bleibt natürlich unser Geheimnis. Am Ende wurden alle Posten angelaufen und wir kamen erfolgreich in die Rangliste. Das war vermutlich nicht ganz im Sinne des Erfinders. Aber es machte Spass!
Vielleicht ist das genau das Faszinierende am Orientierungslauf: Er funktioniert auf allen Niveaus, solo und im Team. Für die einen ist er ein gemütlicher Ausflug durch den Wald. Für andere Hochleistungssport auf höchstem Niveau.
So wie lange Zeit für Matthias Kyburz. Acht Weltmeistertitel hat der Fricktaler gewonnen, ehe er sich vor drei Jahren dem Marathon zuwandte. Als ich ihn kürzlich am «SportTalk» in der Kantonsbibliothek Liestal erlebte, beeindruckte mich die Begeisterung, mit der er über den OL-Sport sprach. Während ich früher schon froh war, wenn ich überhaupt die richtige Himmelsrichtung kannte, analysierte Kyburz in horrendem Tempo Karten, berechnete Routen und traf innert Sekunden Entscheidungen. «Beim OL bin ich physisch, technisch und mental gefordert», sagte er. Orientierungslauf ist weit mehr als Rennen von Posten zu Posten. Es geht um Taktik, Konzentration und darum, auch unter Druck den Überblick zu behalten. Fähigkeiten, die auch ausserhalb des Walds nicht schaden.
Das Schöne am Orientierungslauf ist letztlich: Es gibt Athleten wie Matthias Kyburz, die zeigen, was in diesem Sport möglich ist. Und Menschen wie mich, die beweisen, dass man auch mit weniger Ausdauer und Orientierungssinn seinen Spass haben kann. Vielleicht müsste ich dem OL nochmals eine Chance geben und mich für den «Baselbieter Team-OL» anmelden, der am 25. Oktober in Sissach stattfindet. Ich bräuchte allerdings noch Teammitglieder mit guter Ausdauer. Das ist erfahrungsgemäss kein Nachteil …
Seraina Degen
Seraina Degen (1986) ist in Niederdorf aufgewachsen. Als Torhüterin spielte sie lange leidenschaftlich Fussball, heute bleibt sie beruflich am Ball – als Redaktorin bei SRF Sport.

