Ode an die Freuden des Kabaretts
16.06.2026 SissachDaniela Dill und Dominik Muheim feiern kleines, feines Jubiläum
Das Kabarett-Duo Daniela Dill und Dominik Muheim hat am Freitag im Sissacher «Cheesmeyer» seine inzwischen zehnte Ausgabe von «Gschichte vom Mischtstock» auf die Bühne gebracht. Mit ...
Daniela Dill und Dominik Muheim feiern kleines, feines Jubiläum
Das Kabarett-Duo Daniela Dill und Dominik Muheim hat am Freitag im Sissacher «Cheesmeyer» seine inzwischen zehnte Ausgabe von «Gschichte vom Mischtstock» auf die Bühne gebracht. Mit Jubiläumsgast Patrick Frey, dem Altmeister der Branche, unterhielten sie das Publikum prächtig.
Jürg Gohl
Ein bisschen eigenwillig ist das Format schon, das sich Daniela Dill und Dominik Muheim vor inzwischen drei Jahren zurechtgelegt haben, als sie mit ihren «Gschichte vom Mischtstock» im Sissacher Kulturhaus «Cheesmeyer» auftraten. Sie laden jeweils einen Überraschungsgast ein. Im Trio geben sie jeweils je zwei Nummern zum Besten; dazwischen löchern die Gastgeber den Dritten im Bund mit ihren Fragen.
Nicht immer gelingt es ihnen dabei, den Namen dieses Gastes in der langen Zeit zwischen Buchen und Bühne geheim zu halten. Doch ausgerechnet bei der zehnten Ausgabe klappte dies unverhofft problemlos. Bänz Friedli, der Berner aus Basel, musste wegen einer Doppelbuchung absagen. Für ihn sprang eine Grösse ein, die gemeinhin schmeichelsfrei mit Attributen wie «Altmeister» oder «Methusalem» angekündigt wird: Patrick Frey.
Dass ihn Daniela Dill und Dominik Muheim, das gastgebende Kabarett-Paar mit Oberbaselbieter Wurzeln, dann auch noch mit ihren Kindheitserinnerungen an «Viktors Spätprogramm», an die berührende Sendung «C’est la vie» und an die Soap «Lüthi und Blanc» in Erinnerung riefen, liess Patrick Frey natürlich auch nicht unkommentiert.
Eine andere Zahl widerspiegelt den «Generationenkonflikt» auf der Bühne ebenfalls: Patrick Frey erhielt den Salzburger Stier, die höchste Auszeichnung der deutschsprachigen Kabarett-Szene 1992, im Jahr, als Dominik Muheim zur Welt kam, und 32 Jahre vor dessen «Salzburger Stier». Das hinderte die drei Hauptdarsteller des Abends freilich nicht daran, nach dem gemeinsamen Auftritt unter sich zu fachsimpeln. Unter anderem über Poetry Slam, den Wettkampf der Dichter und Wortakrobaten. Diese Disziplin stand am Anfang der Laufbahnen der beiden Baselbieter, Patrick Frey hat sie eben für sich als neue Herausforderung entdeckt. Sein eigenes Alter persiflierte er auch in seiner ersten Nummer, in der er einen «Senior Influencer» gab. Dieser möchte um jeden Preis jugendlich bleiben, flechtet fortwährend den abgewandelten Hippie-Slogan «Freedom was just another word for Swica» und englische Modewörter ein und wartet mit verschiedenen Wortspielen der Güte von «statt Hashtag lieber ein Hasch-Tag» auf. Bei seinem zweiten Auftritt des Abends führte er dem Publikum mit allerlei Absurditäten vor Augen, dass es heute unmöglich sei, ein nachhaltiges Leben zu führen.
«Bitterböse Nummern»
Vor diesen beiden Auftritten wartete Daniela Dill mit zwei wie immer bitterbösen Nummern aus ihrem ersten abendfüllenden Soloprogramm (siehe Artikel unten) auf. Alleine ihr Philosophieren über das Wort «Entscheidung» und mögliche Alternativen dazu machen Lust aufs ganze Programm. Wirrkopf Dominik Muheim hingegen trug aus einem Band mit dem Titel «Gescheites Buch» zwei Beiträge vor, die er aus seinen «Volksstimme»-Kolumnen weiterentwickelt hat. Und alle drei Protagonisten brachten es zustande, das Stichwort «kalte Füsse», das ihnen beim neunten Auftritt vom Publikum mitgegeben wurde, in ihren Texten unterzubringen. Beim nächsten Mal ist es die «Gletscherspalte».
Das kleine, feine Jubiläum wurde mit den üblichen Ziffernballons sowie Muheims unvermeidlicher Konfettipistole und einer Champagnerflasche ohne Ladehemmung gefeiert. Dazu gehörte auch ein Rückblick auf die neun zurückliegenden Nummern. Dabei zogen die beiden Gastgeber auch ihr Publikum mit ein – ein Merkmal aller ihrer bisherigen «Gschichte vom Mischtstock».
Wie das Duo Dill/Muheim hinterher feststellte, nimmt nicht nur das Publikumsinteresse an ihrem Programm stetig zu, auch der Ablauf inklusive Bühne entwickelt sich von Mal zu Mal. Zudem erweist sich der Spielort in Sissach, gemäss Daniela Dill «die einzige Lesebühne im Baselbiet», als ideal für dieses Format.
Und das leicht Chaotische, das nicht nur den beiden besten Baselbieter Kabarett-Exporten anhaftet, sondern zu diesem Genre gehört, zeigt sich auch am Ende: Da kündigen sie eine weitere Ausgabe auf den 2. Dezember an. Sie lassen es aber offen, ob es bereits vorher noch zu einem Auftritt im «Cheesmeyer» reicht.
Mit «Taxi» durch das Land
jg. Die Derniere seines ersten Soloprogramms «Soft Ice» war ursprünglich auf Beginn dieses Jahres vorgesehen, doch noch immer füllt er damit die Säle. Alleine nach der Sommerpause wird Dominik Muheim damit noch 22 Mal auf der Bühne stehen, letztmals am 22. November im Neuen Theater in Dornach.
Vor wenigen Tagen trat er mit «Soft Ice» im Schauspielhaus Basel auf, und weil für eine Fernsehaufzeichnung für einmal alle Zuschauerreihen ausgeleuchtet waren, erschrak er selber: 500 Personen wollten ihn, den in Reigoldswil aufgewachsenen, inzwischen mit allen Preisen ausgestatteten Profi-Kabarettisten, sehen und vor allem hören. Zur Erinnerung: Erstmals aufgeführt hat er «Soft Ice» im September 2024 im sehr überschaubaren Liestaler «Palazzo».
Im Stück muss er für seine Jugendfreundin Lina, mit der er viele Kindheitserinnerungen teilt und in die er wohl selbst verliebt war, die Hochzeit mit allerlei verzankten und sonderbaren Gästen organisieren. Für das Programm erhielt er von Medien und Grössen der Branche viel Lob, und die Zusatzvorstellungen widerlegen dieses Echo nicht.
Inzwischen arbeitet er längst an seinem zweiten Soloprogramm. Von den 80 Minuten, die das Stück am Ende dauern soll, stehen, so schätzt er, «20 bis 30 Minuten». «Für meine Verhältnisse bin ich damit früh dran», sagt der Perfektionist, der sich auf der Bühne gerne etwas chaotisch gibt und mit einer Portion Selbstironie ausgestattet ist. Es fliesse gerade. Das neue Stück trägt kurz und knapp den Namen «Taxi». Dahinter verbirgt sich die wichtigste Taxifahrt seines realen Lebens. Sie führte in die Geburtsklinik, in der sein Sohn Moritz zur Welt kam.
Zum Glück von Kind, Mama und Papa dauerte die Fahrt damals viel kürzer als diese 80 Minuten. Doch wer Muheim kennt, der weiss spätestens seit «Soft Ice», dass dem 34-jährigen «Volksstimme»-Kolumnisten ein flüchtiger Gedanke oder ein Stichwort reicht, um von der einen Episode über einen weiteren Erinnerungsfetzen zur nächsten Anekdote zu springen. Keine Angst, am Ende verschliesst er gewissenhaft alle geöffneten Schachteln. So aber verdreifacht sich die Fahrzeit schnell. Gemäss einem Branchenportal bewege sich das neue Stück «irgendwo zwischen Euphorie und Eskalation».
Die Premiere erfolgt am 22. April 2027 im «Teufelhof» in Basel. Dort werden innerhalb von zehn Tagen gleich noch fünf weitere Auftritte folgen, ehe Dominik Muheim in den beiden Schweizer Kabarett-Hauptstädten Winterthur und Olten vorfahren wird.
Lachen und betroffen sein
jg. Am 22. April dieses Jahres hat Spoken-Word-Künstlerin Daniela Dill in Liestal den Preis der Kantonalbank im Bereich Kultur und Bildung entgegennehmen dürfen. «Sie verbindet seit rund 15 Jahren erfolgreich Vortragskunst mit literarischen Texten», hiess es in der Begründung. Allerdings liegen die ersten Schritte der heute 44-jährigen Kabarettistin viel weiter zurück, wenn wir ihre ersten Schritte einbeziehen, welche die junge Gymnasiastin aus Lausen einst im Poetry Slam unternommen hat. Schon damals liess sie ihr Talent und ihren Wortwitz aufblitzen.
Und gleichwohl kam für sie zur Auszeichnung im gleichen Monat noch eine zweite Premiere hinzu. In der letzten Aprilwoche zeigte die langjährige «Volksstimme»-Kolumnistin im Basler Kulturlokal Barakuba erstmals ein abendfüllendes Programm. Es trägt den Titel «Trotz däm», und wer Daniela Dills Kunst kennt, weiss, dass der Leerschlag zwischen den beiden Silben bewusst gesetzt ist.
Es handle sich um einen «nachdenklich-ironischen Solo-Kabarettabend über Familienprobleme und deren Ursachen», schreibt das Dichter:innen- und Stadtmuseum Liestal. Dort hat die heute in Basel wohnhafte Künstlerin ihr Programm ebenfalls vorgestellt, dort also, wo die studierte Literaturwissenschaftlerin einst selber als Mitarbeiterin gewirkt und verschiedene Kleinkunst-Formate und Wettbewerbe entwickelt hat.
In «Trotz däm» befasst sie sich 70 Minuten lang ununterbrochen vor allem mit Wörtern. Eine Kostprobe davon gab sie am Freitag im «Cheesmeyer» (Bericht oben), als sie das Wort «Entscheidung» sprachlich sezierte. Die «Enttäuschung» entwickelt sich zu einer Art Leitmotiv des Abends.
Gemessen am Publikum verlief der Auftakt in die Karriere einer Alleinunterhalterin erfolgreich. Noch mehr freut sie sich über die Reaktionen. Mehrere Gäste hätten ihr am Ende gesagt, «sehr, sehr gerührt» zu sein, und man spürt beim Zuhören förmlich, wie sie im Kopf «berührt», «gerührt», «rührend» und «rührig» auseinandernimmt. Viele lobten dabei auch die Mischung ihrer Kabarett-Elemente. Sie selber bezeichnet sie als Hybrid aus Kabarett, Literatur, Monologen und Schauspiel. Nur Schenkelklopfer finden in diesem Schlagabtausch von Lachen und Betroffenheit keinen Platz mehr.
In der Region wird Daniela Dill mit «Trotz däm» erst wieder am 29. Oktober zu sehen und hören sein. Dann gastiert sie im «Teufelhof» in Basel. Am 9. Januar 2027 folgt ihr Auftritt in der Oltinger Mühle.

