Oben fahren, unten bauen
16.06.2026 Arisdorf«Astra Bridge» auf der A2 im Einsatz
Am Wochenende ist die mobile Baustellenbrücke des Bundesamts für Strassen auf der Autobahn A2 beim Anschluss Arisdorf in Richtung Basel installiert worden. Über die Brücke rollt bis zum 24. August der Verkehr, darunter ...
«Astra Bridge» auf der A2 im Einsatz
Am Wochenende ist die mobile Baustellenbrücke des Bundesamts für Strassen auf der Autobahn A2 beim Anschluss Arisdorf in Richtung Basel installiert worden. Über die Brücke rollt bis zum 24. August der Verkehr, darunter wird der Strassenbelag erneuert.
Tobias Gfeller
Bei ihrem ersten Einsatz 2022 auf der A1 im Kanton Solothurn sorgte die Hilfsbrücke für Bauarbeiten auf der Autobahn auch international für Schlagzeilen. Zwar mussten damals mehrere Kinderkrankheiten behoben werden, das Prinzip, die Fahrbahn auch während der Bauzeit offen zu halten, hat sich aber bewährt. Während unten gearbeitet wird, rollt der Verkehr über die Brücke. Seit gestern Montag ist die «Astra Bridge» zum ersten Mal im Baselbiet im Einsatz. Am Wochenende wurde sie beim Anschluss Arisdorf auf der Autobahn A2 in Richtung Basel installiert. Heute Dienstag beginnen die Bauarbeiten.
In den nächsten Wochen wird zwischen der Verzweigung Augst und Sissach auf der A2 die Fahrbahn mit einem Flüsterbelag erneuert. Der bestehende Belag weise immer mehr Schäden auf und habe die Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren erreicht, sagte Richard Kocherhans, Filialchef Astra Zofingen, anlässlich einer Medienpräsentation am Montagmorgen. Die Totalsanierung dieses Autobahnabschnitts ist für 2031 vorgesehen. Als Überbrückungsmassnahme wird der Belag erneuert. Der Verkehrslärm werde sich gegen drei Dezibel reduzieren. «Das ist gut wahrnehmbar», betonte Kocherhans.
Die «Astra Bridge» wird nicht auf der ganzen Baustellenlänge zwischen Augst und Sissach zum Einsatz kommen, sondern nur auf einer Länge von knapp 2,5 Kilometern auf Höhe Arisdorf. Grund dafür ist die für eine Autobahn ungewöhnlich kurvenreiche Strecke. Die Hilfsbrücke könne nur in Kurvenradien bis maximal 900 Metern eingesetzt werden, erklärte Thomas Leuzinger, Leiter Betrieb Nationalstrassen Nordwestschweiz AG (NSNW).
Neues Steuerungssystem
Die «Astra Bridge» war bisher zweimal im Einsatz. Seit ihrem letzten Einsatz 2024 wurde sie umfassend nachgerüstet. Unter anderem wurde die Steuerung erneuert, in dem von GPS auf «Swipos» gewechselt wurde, um die Brücke zu lenken. «Mit dem GPS-System kam es regelmässig zu Verbindungsunterbrüchen, wodurch das ganze System der Brücke heruntergefahren wurde. Mit dem Swipos-System haben wir eine deutlich stabilere Verbindung, wodurch schnellere und sichere Manöver möglich sind», sagte Thomas Leuzinger. Nach der Nachrüstung wurde die Brücke auf dem Flughafen Interlaken intensiven Tests unterzogen. Die Resultate davon waren hervorragend, berichtete Thomas Leuzinger.
Die «Astra Bridge» ermögliche bei laufenden Bauarbeiten einen höheren Verkehrsfluss, sorge für mehr Sicherheit für die Verkehrsteilnehmenden und Bauleute und ermögliche, dass vermehrt tagsüber gearbeitet werden kann. In der Nacht wird die Brücke jeweils um 100 Meter verschoben, um am nächsten Tag den nächsten Abschnitt teeren zu können. Gemäss Thomas Leuzinger sei auch der Verkehrslärm für die Bauleute tiefer, wenn der Verkehr über ihnen statt neben ihnen rollt. Das Gefühl gleiche einer Baustelle in einer Halle, beschrieb der Leiter Betrieb bei der NSNW AG.
Richtungswechsel wie eine Säge
Gemäss Berechnungen des Astra reduzieren sich die Baukosten beim Einsatz der Hilfsbrücke im Vergleich zu einer konventionellen Baustelle um rund 10 Prozent. Darin einberechnet seien auch die geringeren externen Kosten durch die Behinderung des Strassenverkehrs, so Astra-Filialchef Zofingen, Richard Kocherhans. Die Belagserneuerung zwischen Augst und Sissach kostet insgesamt 14 Millionen Franken.
Auf Höhe Giebenach wird die «Astra Bridge» die Fahrtrichtung wechseln. Das 257 Meter lange und 1250 Tonnen schwere Gefährt, bestehend aus 22 einzelnen Portalen, wird im Prinzip einer Säge mehrfach hin- und hergefahren, um in rund einer Stunde die Autobahnseite zu wechseln.
Beim Augenschein vor Ort zeigte sich der Respekt zahlreicher Verkehrsteilnehmenden. Insbesondere für die ausländischen Lastwagen ist das unbekannte Hindernis auf der Autobahn mit einer Portion Überwindung verbunden. Eigentlich dürfte man die Brücke mit 60 Stundenkilometern befahren, mehrere Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer bremsten beim Anblick der Auffahrt auf deutlich unter 40 Stundenkilometer ab. Das sei in den ersten Tagen und Wochen überall so und eine Frage der Eingewöhnung und Routine, beschwichtigten die Verantwortlichen.

