«O Musika, du lieblich Kunst»
22.10.2026 MaisprachStephan Imhof gibt den Dirigentenstab weiter
Eine Ära geht zu Ende: Diesen Samstag wird Stephan Imhof nach 36 Jahren als Leiter des Männerchors Maisprach am Herbstkonzert in der Kirche verabschiedet. Die Liebe zur Musik entdeckte er bereits als Zehnjähriger am Klavier.
...Stephan Imhof gibt den Dirigentenstab weiter
Eine Ära geht zu Ende: Diesen Samstag wird Stephan Imhof nach 36 Jahren als Leiter des Männerchors Maisprach am Herbstkonzert in der Kirche verabschiedet. Die Liebe zur Musik entdeckte er bereits als Zehnjähriger am Klavier.
Brigitte Keller
«Ihr lernt ein Instrument!» Das sagte die Mutter von Stephan Imhof einst zu ihm und seinen drei jüngeren Brüdern. Dass es Klavierunterricht sein sollte und deshalb auch extra ein Klavier angeschafft und in die Maispracher Bauernstube gestellt wurde, das war nicht selbstverständlich, aber wegweisend für den damals Zehnjährigen. «Am Anfang war es ein Müssen, aber schon bald habe ich gemerkt, wie viel mir die Musik gibt», erzählt der scheidende Leiter des Männerchors Maisprach beim Blick zurück.
Den Weg zur Klavierlehrerin an der Jugendmusikschule Gelterkinden unternahm er immer gemeinsam mit seinem ein Jahr jüngeren Bruder René. Die Lehrerin habe einen super Job gemacht, erzählt Imhof, «schon bald hatten mein Bruder, der heute Präsident des Männerchors Maisprach ist, und ich Auftritte an den Jugendschulkonzerten als Gebrüder Imhof.» Seine Leidenschaft fürs Klavierspielen wuchs von Jahr zu Jahr.
Einen Berufsweg als Musiker respektive Musiklehrer einzuschlagen, sei trotzdem nie in Betracht gezogen worden, weder von seinen Eltern noch von ihm selbst. Damals habe es geheissen: «Du lernst einen richtigen Beruf!» Was der Bauernsohn dann auch mit einer Ausbildung im Bereich Maschinenmechanik erfolgreich getan hat. Aber losgelassen hat ihn die Musik nie. Er blieb dem Klavierspielen nebenher treu und forderte sich, wenn auch vorerst nur im «stillen Kämmerlein», mit immer anspruchsvolleren Werken heraus.
Dass da einer gut Klavier spielen konnte, blieb in Maisprach kein Geheimnis. Schon bald wurde Stephan Imhof von den Chören angefragt, ob er sie nicht begleiten könnte: «Ich sagte mir dann, ich könnte ja ein bisschen mehr unter die Leute gehen, und habe die Anfragen angenommen.» Verständlich, dass man wiederum an ihn dachte, als beim Männerchor ein neuer Dirigent und Chorleiter gesucht wurde. Imhof sagte zu, nachdem er die einjährige Stimmbildungs- und Chorleitungs-Ausbildung des Chorverbands Baselland in Liestal absolviert hatte. «Das war bei Hugo Dudli, dem Leiter des Lehrergesangsvereins, Schulmusiker, Organisten und Pädagogen.»
Das war vor 36 Jahren. Machbar sei es gewesen, weil ihm seine Familie immer den Rücken dafür freigehalten habe. Was folgte, waren Jahre des Gewinns, Jahre, die ihn als Chorleiter immer neu inspirierten und herausforderten. Diese Worte richtet Imhof in einem Brief an seine Sängerkameraden. «Schnell spürte ich, dass mit diesen starken Stimmen vieles möglich ist, was in mir den Ehrgeiz weckte, auch an Grossanlässen teilzunehmen.»
Hervorheben möchte er besonders den Auftritt seiner Formation am Aargauischen Kantonalgesangsfest von 1999 in Rheinfelden, der mit der Bestnote belohnt wurde, oder die Teilnahme am Eidgenössischen Gesangsfest 2008 in Weinfelden. Meilensteine seien auch Auftritte im Zusammenhang mit Vereinsreisen und weitere Konzerte gewesen, wie beispielsweise die Teilnahme am Internationalen Chortreffen in Dresden im Jahr 2016. «Die Vorträge in der Frauenkirche bleiben jedem Sänger in Erinnerung.»
Perlen und Glanzpunkte
Alles begann mit dem Einüben von klassischen Werken am Klavier. Die Freude sowie das Interesse daran – insbesondere an symphonischer und auch geistlicher Musik – seien wichtige Begleiter seines Lebens geblieben, erzählt der 66-Jährige. «Daraus entstand dann auch der Bezug zum Volkslied, denn Volkslieder bilden die Basis vieler klassischer Werke.» Diese Verbindung sei einer der ausschlaggebenden Gründe für ihn gewesen, mit der Chorleitung anzufangen. «Es gibt so tolle Perlen an Volksliedern mit wunderbarem Chorsatz.»
Eine Auswahl davon wird am Konzert vom Samstag zu hören sein; das letzte mit Imhof als Dirigent des Männerchors Maisprach. Es handelt sich dabei um Glanzpunkte von Auftritten bei Gesangsfesten und Konzerten aus Imhofs langjährigem Wirken.
«Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für mich, ins zweite Glied zu treten», erklärt Stephan Imhof, «denn wir haben das Glück, dass mit Claudio Cotti, Pianist, Musiklehrer und Leiter des Frauenchors Maisprach, ein versierter Musiker bereit ist, die Nachfolge zu übernehmen.» Imhof selbst bleibt dem Männerchor als Sänger und stellvertretender Dirigent erhalten. Ebenfalls erwähnt werden sollte, dass der Musikliebhaber seit 20 Jahren einen weiteren Chor, nämlich den Gemischten Chor Anwil, leitet und dies weiterhin tun wird.
Als wunderbare Erfahrung dieses Sommers schildert Imhof eine Woche in Sils-Maria – als Teilnehmer bei den «Silser Chorwochen». «Diese Woche war der Hammer, wir haben ‹Die Schöpfung› von Joseph Haydn einstudiert und aufgeführt.» Ganz nebenbei erwähnt er noch, dass er für anderthalb Tage eingesprungen sei, als der Chorleiter krankheitshalber ausgefallen war.
Weinlieder und Reben
Und dann hat der Bauernsohn aus dem Rebdorf neben dem Musizieren noch ein zweites grosses Hobby: den Rebbau. Das Wissen über und die Liebe zu Weintrauben bekam er schon als Kind im väterlichen Rebberg mit auf den Weg. «Bewegung in der freien Natur brauchte ich immer schon als Ausgleich.» Die Blauburgunder-Stöcke in seinem eigenen kleinen Rebberg hat er vor Jahren selber gepflanzt: «Ich liebe die Entwicklung im Jahresverlauf und alle Arbeiten, die damit verbunden sind.» Die Trauben werden an die Firma Siebe Dupf AG in Liestal verkauft und dort gekeltert. Vom Endprodukt wandern dann ein paar Flaschen zurück in den heimischen Weinkeller.
Stephan Imhof freut sich auch, etwas mehr Zeit mit seinen Enkelkindern verbringen zu können, als Tessin-Liebhaber vielleicht etwas besser Italienisch zu lernen, noch viele Erlebnisberichte zu schreiben und weiterhin Verse und Gedichte zu verfassen, wie jenes, das mit «O Musika, du lieblich Kunst» beginnt, und diese vielleicht eines Tages sogar zu publizieren. Ohne Zweifel: Es ist bei Stephan Imhof weiterhin einiges los.
Das Herbstkonzert des Männerchors Maisprach mit der Verabschiedung von Stephan Imhof und der Begrüssung von Claudio Cotti findet diesen Samstag, 24. Oktober, um 19 Uhr in der Kirche Maisprach statt (siehe auch Rendez-vous auf Seite 29).

