Nicht gewählt, aber viel gewonnen
10.04.2026 PolitikSabine Bucher, Landrätin GLP, Sissach
Wenn mir vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass ich demnächst einen Regierungsratswahlkampf führen würde, hätte ich gelacht. Und nun ist diese intensive und persönlich prägende Zeit schon ...
Sabine Bucher, Landrätin GLP, Sissach
Wenn mir vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass ich demnächst einen Regierungsratswahlkampf führen würde, hätte ich gelacht. Und nun ist diese intensive und persönlich prägende Zeit schon wieder Vergangenheit.
Ich blicke mit grosser Dankbarkeit darauf zurück. Dankbar für die enorme Unterstützung, die ich erfahren durfte. Besonders berührt hat mich, wie viele mir völlig unbekannte Menschen ihr Vertrauen geschenkt haben. Mehr als 27 000 Personen haben meinen Namen auf den Wahlzettel geschrieben. Diese Zahl ist kaum fassbar und erfüllt mich mit Ehrfurcht. Dass es am Ende nicht gereicht hat, war für mich persönlich zwar keine grosse Enttäuschung. Aber es tut mir leid für all jene, die sich mit so viel Herzblut für mich eingesetzt haben und die mich gerne als ihre Bildungs-, Kultur- und Sportdirektorin gesehen hätten.
Dankbar bin ich auch für die abwechslungsreichen Einblicke in unsere Regionen und Institutionen. Noch nie habe ich in so kurzer Zeit so viele Anlässe besucht und Menschen kennengelernt. Ein Wahlkampf beginnt mit Planung und Besprechungen. Wirklich lebendig wird er aber durch die Begegnungen, sei es an Bahnhöfen, bei Flyeraktionen oder an Podien und Veranstaltungen. Ich habe Menschen getroffen, die mir ihre Sorgen anvertrauten, einige resigniert, andere engagiert. Dabei habe ich gelernt, noch besser zuzuhören – nicht nur, um zu antworten, sondern um nachzufragen und zu verstehen. Und ich bin überzeugter denn je: Unsere vielfältigen Stärken sind eine enorme Bereicherung für unsere Gesellschaft.
Besonders lehrreich war für mich der Umgang mit den Medien. Da war ich bisher immer sehr zurückhaltend. Das muss man im Wahlkampf ablegen. Geholfen hat mir, authentisch zu bleiben. Ich wollte keine Maske aufsetzen und habe mich bewusst nie geschminkt. Mir war wichtiger, offen und ehrlich zu antworten. Die Leute sollten die Chance haben, sich ein echtes Bild von mir zu machen, damit sie sich bewusst entscheiden können.
Es war eine intensive Zeit, in der meine Familie oft zurückstehen musste. Wenn ich nicht unterwegs war, arbeitete ich bis spät in die Nacht: Mails beantworten, Inserate und Plakate organisieren, Website und Soziale Medien betreuen, Interviews vorbereiten … Es war erstaunlich, wie viel Energie ich hatte. Das lag hauptsächlich an meinem engagierten Team, den vielen positiven Begegnungen und dem dadurch bestärkten Willen, alles zu geben.
Anders verlief der Wahlkampf für den Sissacher Gemeinderat. Er wurde zu Recht als zurückhaltend bezeichnet. Wichtig war mir, meine Flyer selbst (bzw. zusammen mit meinem Mann) in alle Briefkästen zu verteilen, um einen neuen Blick auf die Gemeinde und in ihre vielen Winkel zu bekommen. Ich freue mich sehr, dass diese Wahl geklappt hat, und danke herzlich für die Unterstützung und das entgegengebrachte Vertrauen. Mit Respekt und grosser Motivation werde ich mich in und für Sissach einsetzen und freue mich auf die Herausforderungen und Begegnungen, die dieses Amt mit sich bringt.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

