Wo ein Ende ist, da ist auch ein Anfang, besagt doch ein Sprichwort. So in etwa sahen meine vergangenen Monate aus. Die Zusammenarbeit mit Leandro Riedi wurde im April beendet, danach folgten zwei Monate Ruhe und Erholung und schliesslich eine Testphase mit einem neuen Spieler: Henry Bernet. Nach ...
Wo ein Ende ist, da ist auch ein Anfang, besagt doch ein Sprichwort. So in etwa sahen meine vergangenen Monate aus. Die Zusammenarbeit mit Leandro Riedi wurde im April beendet, danach folgten zwei Monate Ruhe und Erholung und schliesslich eine Testphase mit einem neuen Spieler: Henry Bernet. Nach drei Testwochen entschieden wir uns, das Ganze offiziell anzugehen, und haben uns auf eine längerfristige Zusammenarbeit geeinigt.
Falls Sie sich fragen, wie es dazu kam oder warum Henry für mich ein besonders spannendes Projekt ist, kann ich Ihnen das ziemlich kurz und bündig erklären: Nicht nur unsere Herkunftsregion verbindet uns. Ich kannte Henry bereits, als ich selbst noch gespielt habe, spielte sogar gegen ihn. Seine junge Karriere habe ich zuerst als «Konkurrent» mitverfolgt und später von der Seitenlinie, als ich Leandro coachte und beide ihre Trainingsbasis bei Swiss Tennis in Biel hatten. In vielen seiner Werte und Einstellungen erkenne ich mich selbst wieder. Gleichzeitig kenne ich den Weg zum Profi über den Verband sowohl als Spieler als auch als Coach. Erfahrungen, die ich nun einbringen kann.
Und genau dieses Thema Erfahrung möchte ich Ihnen im Zusammenhang mit dem neuen Coachingprojekt näherbringen. Für mich ist diese 1-zu-1-Spielerbetreuung erst die zweite. Gleichzeitig habe ich zweieinhalb Jahre einen Spieler auf diesem Weg begleitet und dabei von Futures bis Grand Slams vieles erlebt. Ich bringe also einen gut gefüllten Erfahrungsrucksack mit. Doch genau darin liegt auch eine Gefahr.
Einerseits zählt der Spieler auf diese Erfahrung und auch ich profitiere davon. Andererseits muss man einen neuen Spieler wie ein weisses Blatt Papier betrachten. Neuer Spieler. Andere Persönlichkeit und Reife. Andere Energie. Andere Kommunikation. Andere Stärken und andere Baustellen.
Es ist also ein schmaler Grat zwischen Erfahrung einbringen und einen Spieler aufgrund dieser Erfahrung zu schablonisieren. Was mir dabei aktuell am meisten hilft, ist erstaunlich simpel: zuhören. Was sagt der Spieler? Wie sagt er es? Wann sagt er etwas? Und wann nicht?
Ich bin überzeugt, dass ich momentan genauso viel über Henry lerne, wie er von mir. Denn je besser ich den Menschen und Spieler verstehe, desto besser kann ich in seiner Sprache coachen, ihm bei seiner Entwicklung helfen und gleichzeitig dafür sorgen, dass er dabei sein eigenes «Ich» nicht verliert. Als Coach nimmt man seinen Rucksack voller Erfahrungen mit. Man muss nur aufpassen, ihn beim nächsten Spieler nicht einfach wieder auszupacken.
Yannik Steinegger
Der Bubendörfer Yannik Steinegger (2000) gehörte zu den besten Schweizer Tennisspielern, ehe er sich schon mit 23 entschied, Profi-Trainer zu werden. Er betreut die Schweizer Tennis-Hoffnung Henry Bernet.