Neuer Schwung für Diepflingen
31.03.2026 DiepflingenMit einem neuen Verein wollen zwei Einwohner das Dorfleben fördern
Patrick Schwab und Simon Roth gründen in Diepflingen einen Verein. Dieser soll den Austausch in der Dorfbevölkerung anregen, die in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Andere Vereine sollen nicht ...
Mit einem neuen Verein wollen zwei Einwohner das Dorfleben fördern
Patrick Schwab und Simon Roth gründen in Diepflingen einen Verein. Dieser soll den Austausch in der Dorfbevölkerung anregen, die in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Andere Vereine sollen nicht konkurrenziert, sondern unterstützt werden.
Marianne Ingold
«Wir gründen einen Verein für das Dorfleben in Diepflingen», stand im Januar im Gemeindeanzeiger. Zwei Einwohner suchten Interessierte, die sich gemeinsam mit ihnen dafür einsetzen möchten, Menschen im Dorf zusammenzubringen, Anlässe zu organisieren und bestehende Vereine und Gruppen miteinander zu vernetzen. Diese beiden Einwohner sind Patrick Schwab (44), Schulleiter Primar Sissach, und Simon Roth (36), Geschäftsleitungsmitglied einer Basler Privatbank. Schwab wohnt seit 2011 in Diepflingen, Roth seit 2021. Beide haben Kinder, leben mit ihren Familien im selben Quartier und sind gute Freunde, die in der Nachbarschaft oft zusammen etwas auf die Beine stellen.
An einem schönen Sommerabend im vergangenen Jahr sei der Gedanke entstanden, dieses aktive Quartierleben auf das ganze Dorf auszuweiten: «Wir wollten etwas dafür tun, dass Diepflingen lebendig bleibt, und dafür einen Verein gründen», erzählt Simon Roth. Die beiden setzten zwei Anzeigen in den «Diepfliker Anzeiger», streuten ihre Idee im Bekanntenkreis und organisierten einen Informationsanlass. Zu diesem kamen am 16. März mehr als 30 Personen, die sich für den Beitritt zum Verein «Dorfleben Diepflingen» interessieren.
Die Diepflinger Bevölkerung ist in den vergangenen Jahren von 500 auf über 850 Personen angewachsen. «Da besteht Gefahr, dass es anonymer wird», meint Simon Roth. Deshalb sei die gute Beteiligung von Neuzuzügern am Infoabend sehr erfreulich gewesen. Patrick Schwab ergänzt: «Oft sind bestehende Angebote im Dorf einfach zu wenig bekannt, aber manche Leute trauen sich auch nicht an einen Anlass, weil sie niemanden kennen.» Aktiv auf Leute zuzugehen und sie zur Beteiligung am Dorfleben zu motivieren, erachten die beiden deshalb als eine Aufgabe ihres zukünftigen Vereins: «Wir wollen Menschen zusammenbringen und Emotionen wecken.»
Besonders viele Emotionen seien mit der Dorfgeschichte verbunden, so Schwab und Roth. Eine stark identitätsstiftende Rolle spielt das letzte Diepflinger Dorffest von 1983, das in zahlreichen Fotos, Filmen und Erzählungen weiterlebt. Anlass dafür war das 150-Jahre-Jubiläum der «Republik» Diepflingen, einer kurzen Episode während der Kantonstrennung von Baselland und Basel-Stadt. Gemäss Überlieferung war Diepflingen 1833 für ein paar Tage das zweitkleinste Land der Welt. 2033 steht das 200-Jahre-Jubiläum dieses Ereignisses an und will gefeiert werden.
Unterstützung für Vereine
An ihrem Infoabend sei spürbar geworden, dass viele Leute Freude daran hätten, sich im Dorf zu engagieren, erzählen die Initianten – vor allem für gesellige Anlässe, wie es sie früher in Diepflingen zahlreich gab: Brügglifest, Brunnenfest, Lottomatches, Raclette-Essen oder Fondue Chinoise-Abende. «Das heisst nicht, dass wir all das wieder machen», meint Simon Roth. Einiges liesse sich aber durch interessierte Vereinsmitglieder wiederbeleben: «Die einen organisieren vielleicht einen Lottomatch, andere ein Sommernachtsfest oder ein Grümpelturnier», sagt Patrick Schwab.
Bestehende Vereine will «Dorfleben Diepflingen» nicht konkurrenzieren, sondern unterstützen: «Wir sind offen für Kooperationen», sagt Patrick Schwab. Simon Roth ergänzt: «Der Frauenverein betreibt am Diepflinger Markt jeweils ein Kaffeestübli. Da könnten wir zum Beispiel bei der Logistik helfen.» Auf die Frage, weshalb es denn überhaupt einen weiteren Verein braucht, während viele andere heutzutage Nachwuchssorgen haben, antworten Roth und Schwab: «Wir wollen auf der grünen Wiese neu starten, neue Ideen entwickeln und gestalterische Freiheit haben.» Diepflingen sei gut aufgestellt mit Vereinen. Oft sei die Mitgliedschaft aber an bestimmte Aufnahmekriterien, Themen oder Aufgaben gebunden.
Der neue Verein dagegen will alle Interessierten ansprechen und Rücksicht auf deren Vorlieben und Ressourcen nehmen. Das senke die Hemmschwelle, sich aktiv zu engagieren, sagen Roth und Schwab. Ein Verein soll es deshalb werden, weil damit eine gewisse Verbindlichkeit einhergehe, Infrastrukturen der Gemeinde genutzt werden können und ein professionellerer Auftritt gegenüber potenziellen Sponsoren möglich sei.
Als nächster Schritt steht im April die Gründungsversammlung an. Die Statuten sind entworfen und Sondierungsgespräche für den Vorstand laufen. Dazu Schwab: «Der Vorstand soll mit etwa fünf Frauen und Männern überschaubar sein und gleichzeitig die Vielfalt im Dorf abbilden.» Nach der Gründung sollen konkrete Aktivitäten definiert werden. Noch für dieses Jahr sind ein oder zwei Anlässe geplant. Wichtig ist den beiden Initianten, dass die Planung gemeinsam mit den Mitgliedern erfolgt: «Wir wollen nicht unsere eigenen Ideen vorgeben, sondern haben die Ideen der Teilnehmenden gesammelt. Davon ausgehend wollen wir demokratisch entscheiden. Dann starten wir erst einmal und schauen, wie es läuft.» Ein Vorhaben, das auch in anderen Gemeinden Schule machen könnte.

