Neuer Lebensraum in alter Mergelgrube
17.09.2026 RothenfluhWeiteres Heim für den «Glögglifrosch»
Rund um Rothenfluh hat sich eine bemerkenswerte Population der seltenen Geburtshelferkröte entwickelt. Einen wesentlichen Anteil daran hat der Naturschutzverein Nuvrao, der ein Netz von Weihern geschaffen hat. Nun soll in ...
Weiteres Heim für den «Glögglifrosch»
Rund um Rothenfluh hat sich eine bemerkenswerte Population der seltenen Geburtshelferkröte entwickelt. Einen wesentlichen Anteil daran hat der Naturschutzverein Nuvrao, der ein Netz von Weihern geschaffen hat. Nun soll in einer ehemaligen Mergelgrube ein weiteres Gewässer hinzukommen.
Christian Horisberger
Die Geburtshelferkröte – im Volksmund «Glögglifrosch» – hat in Rothenfluh eine starke Lobby. Durch das Engagement des dort aktiven Naturschutzvereins ist zwischen dem Asphof und dem Dübach eine grosse Population gediehen, die ihresgleichen sucht und auch Extreme wie den vergangenen Hitzesommer übersteht. «Nur einen Tag, nachdem wir zwei Weiher vom getrockneten Schlamm befreit und sie mit Wasser befüllt hatten, legten Frösche Kaulquappen ab», sagt Bruno Erny. Die Basis für die Verbreitung der kleinen Kröte legte der von Erny präsidierte Natur- und Vogelschutzverein Rothenfluh-Anwil-Oltingen, kurz Nuvrao, mit dem Anlegen zahlreicher Weiher in geringer Distanz zueinander. Dies, weil der «Glögglifrosch» als wanderfaul gilt.
Vor rund 20 Jahren begann der Nuvrao auf Rothenflüher Boden, Lebensräume für die Geburtshelferkröte sowie weitere Amphibien- und Insektenarten zu schaffen. Seither hat er rund 20 Weiherprojekte angestossen. Für die meisten davon hat der Verein laut Erny auch das nötige Geld zusammengetragen.
Mit einem weiteren Weiher, im Gebiet Bannhalde, möchte der Nuvrao das Verbreitungsgebiet des «Glögglifroschs» ausweiten und damit die Widerstandsfähigkeit der Population stärken. Konkret handelt es sich um das Areal einer 1996 eröffneten Mergelgrube, die nach der Ausbeutung mit unverschmutztem Aushubmaterial aufgefüllt wurde. Nun geht es darum, das Gelände, das sich im kantonalen Naturschutzgebiet «Roti Flue – Dübach» befindet, der Natur zurückzugeben. Der Kanton hat Rothenfluh für die restliche Auffüllung und Rekultivierung der ehemaligen Mergelgrube eine Frist bis Ende März gesetzt.
Grünes Licht von Gemeinde
Wie der Gemeinderat in seinem Mitteilungsblatt schreibt, wird parallel zu den laufenden Auffüllarbeiten die künftige Gestaltung der Grube Bannhalde geplant. Dafür werde ein Planer beigezogen. Nach dessen Vorgaben sollen die Rekultivierung und die spätere Aufforstung erfolgen. Der Nuvrao hat sein Anliegen erstmals vor zwei Jahren beim Gemeinderat deponiert und diesen Sommer nachgehakt. Daraufhin kam es vor einigen Wochen zu einem Treffen mit Vertretern von Forst, Kanton, Gemeinde, Grubenbetreiber und Naturschutzverein. Laut Bruno Erny stiess das Anliegen des Vereins auf ein positives Echo.
Dies bestätigt Gemeinderat Elias Derrer, zuständig für Bürgergemeinde und Forst. Der Gemeinderat sei dem Anliegen der Naturschutzorganisation von Anfang an positiv gegenübergestanden und habe kürzlich beschlossen, diesem bei der Rekultivierung der Grube Bannhalde Rechnung zu tragen. Heisst: Der «Glögglifrosch» bekommt seinen Weiher.
Die Kosten für das Anlegen des Gewässers sollen der Bürgergemeinde belastet werden, der während der vergangenen drei Jahrzehnte die Einkünfte aus dem Mergelabbau und der Deponierung von Aushubmaterial zugeflossen sind. Offen ist laut Bruno Erny noch die Frage nach dem Unterhalt. Dieser könne, müsse aber nicht durch den Naturschutzverein erfolgen, dessen personelle Ressourcen beschränkt seien.
Vielfältiges Naturschutzgebiet
Bei «Roti Flue – Dübach» im Norden Rothenfluhs handelt es sich um eines der vielfältigsten Naturschutzgebiete des Baselbiets. Auf 158 Hektaren treffen steile, teils kaum zugängliche Wälder auf lichte Waldränder, Felsstandorte, Quellen, Bäche und artenreiche Magerwiesen. Die «Roti Flue» bildet dabei nicht nur den Hausberg des Dorfs, sondern auch das weithin sichtbare Gesicht des Schutzgebiets.
Seinen besonderen Wert verdankt das Gebiet dem engen Nebeneinander unterschiedlicher Lebensräume. Die Magerwiesen und -weiden sind teilweise von nationaler Bedeutung. In den abgeschiedenen Wäldern des Dübachtals wiederum finden störungsempfindliche sowie auf Alt- und Totholz angewiesene Arten Rückzugsräume.
Dass Naturschutz hier nicht allein Bewahren bedeutet, zeigt die Arbeit des Natur- und Vogelschutzvereins Nuvrao. Mit Weihern, Tümpeln, Steinund Holzhaufen, aufgewerteten Waldrändern und weiteren Kleinstrukturen wurden Lebensräume geschaffen und miteinander vernetzt. Davon profitieren unter anderem Geburtshelferkröte, Feuersalamander, Zauneidechse, Wendehals und Neuntöter. So ist die «Roti Flue – Dübach» zugleich Rückzugsraum, Artenreservoir und Beispiel dafür, wie Wald, Kulturlandschaft und gezielte Pflege gemeinsam biologische Vielfalt erhalten können.


