Nach der Ernte ist vor der Ernte
22.09.2026 RamlinsburgObstbäume kommen vermehrt aus dem Ausland
Immer weniger Baumschulen in der Schweiz widmen sich dem Züchten und Erziehen von Obstbäumen für den landwirtschaftlichen Anbau. Das hat zur Folge, dass Bäume oftmals importiert werden müssen. Dabei gibt es jedoch ...
Obstbäume kommen vermehrt aus dem Ausland
Immer weniger Baumschulen in der Schweiz widmen sich dem Züchten und Erziehen von Obstbäumen für den landwirtschaftlichen Anbau. Das hat zur Folge, dass Bäume oftmals importiert werden müssen. Dabei gibt es jedoch Hürden.
Elmar Gächter
Der Obstbaubetrieb Lüthi in Ramlinsburg vermittelt seit 25 Jahren Kernund Steinobstbäume an Obstproduzenten. Laut einer Schätzung müssen in der Schweiz pro Jahr rund 600 000 Nieder- und Hochstammobstbäume ersetzt werden. Für einen Hektar Kernobst braucht es 3000 bis 4500 Bäume, für Steinobst 1000 bis 1500 Bäume. Die Lebensdauer einer Obstkultur liegt bei etwa 20 Jahren.
Die inländische Produktion vermag diese Menge längst nicht mehr abzudecken. In der Schweiz wird zwar noch Kernobst gezüchtet, Steinobst jedoch kaum mehr. «Deshalb sind wir bei der Beschaffung von Obstbäumen auf das Ausland angewiesen, insbesondere wenn es um neue Sorten geht», sagt Obstbaufachmann Ernst Lüthi, der mehrere Jahre den Obstverband Baselland leitete. Gegen 50 Prozent des Inlandbedarfs werden durch Importe abgedeckt.
Den steten Rückgang der inländischen Produktion führt er darauf zurück, dass es immer weniger Baumschulen gebe, vor allem für den landwirtschaftlichen Anbau. Lüthi spricht von einer Branche, die viel Innovation, gute Böden und eine zuverlässige Bewässerung benötige. Dazu komme der Anspruch von Gesellschaft und Politik nach neuen robusteren und resistenteren Sorten. «Diese findet man praktisch nur im Ausland», sagt Lüthi. Er konnte sich im Lauf der vergangenen Jahre ein grosses Netzwerk aufbauen und kauft heute zusammen mit seinem Sohn europaweit Obstbäume für Obstproduzenten aus der ganzen Schweiz.
Ärger wegen EU-Bestimmungen
Ernst Lüthi erwähnt die administrativen Hürden bei der Einfuhr von Pflanzen aus dem EU-Raum. Jede neue Sorte müsse beim Sortenschutz angemeldet werden. Die Bewilligung durch ein EU-Land gelte zwar für alle Mitgliedsländer, nicht jedoch für die Schweiz. Für die hiesigen Züchter rechne sich der Mehraufwand für eine Anmeldung in der Schweiz in der Regel nicht, da der Baumbedarf verhältnismässig zu klein sei.
«Man spricht immer von der grossen Harmonisierung mit der EU. Ausser beim Pflanzenschutz kochen wir jedoch immer noch unsere eigene Suppe», ärgert er sich. Bäume dürfen nur eingeführt werden, wenn der Pflanzenpass die Gesundheit der Pflanze bestätigt. Auch wenn die Zertifizierung noch längst nicht Standard ist, erwarte man als Obstproduzent, dass es sich um ein zertifiziertes Wurzelwerk und zertifizierte Edelreiser handle. Dass für die Pflanzen Zollabgaben von bis zu 170 Franken pro 100 Kilo Kernobst zu entrichten sind, stört Lüthi nicht. «Solange wir den Zollschutz auf den Früchten haben, ist das für mich kein Problem.»
Obstbau Lüthi setzt vermehrt darauf, Lizenzen von neuen Sorten zu erhalten. «Wir müssen sicherstellen, dass wir an diese Genetik kommen, und haben mit zwei Zwetschgensorten begonnen. Der Nachteil ist, dass wir für diese Pflanzen kein Vermehrungsrecht besitzen. Die ausländischen Lizenzgeber behalten dieses Recht, um ihre eigene Produktion besser zu schützen.» Bereits seit längerer Zeit testet Lüthi im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Obstzentrum Hallbergmoos neue Sorten von Äpfeln, Zwetschgen und Kirschen, als einziger Betrieb ausserhalb der EU.
Lüthis beziehen ihre Pflanzen sowohl aus der Schweiz als auch aus Europa. Unabhängig davon, woher der Baum komme, müsse er gesund und sortengerecht sein sowie eine gute innere und äussere Qualität aufweisen. «Die Pflanzen aus Ländern wie Holland, Belgien, Frankreich, Deutschland und Österreich, aus denen wir importieren, kommen nahe an unsere hohen Anforderungen heran», so Lüthi. Mit dem Rückgang der Baumschulen in der Schweiz bleibe nur der Import, auch wenn damit die Abhängigkeit vom Ausland wachse und man sich bewusst sein müsse, dass die dortigen Züchter vermehrt auf Gentechnologie setzten. Diese ermögliche es, schneller resistente Sorten zu züchten und damit auf Schutzmittel gegen Schorf, Mehltau und Feuerbrand zu verzichten.

