Nach dem Abstimmungs- und Wahlsonntag
16.06.2026 PolitikAdrian Ammann, Gemeindepräsident Känerkinden, parteilos
Eigentlich habe ich immer geschrieben, dass ich keine politischen Themen aufgreife, aber ich habe gemerkt, dass ich mit meiner «Carte blanche» schon wieder vor oder nach einem ...
Adrian Ammann, Gemeindepräsident Känerkinden, parteilos
Eigentlich habe ich immer geschrieben, dass ich keine politischen Themen aufgreife, aber ich habe gemerkt, dass ich mit meiner «Carte blanche» schon wieder vor oder nach einem Abstimmungssonntag an der Reihe bin. Da waren zwei eidgenössische Abstimmungen, darunter eine sehr polarisierende: 59 Prozent Stimmbeteiligung bei der «10-Millionen-Initiative». Wow. Es geht ja. Wenn man dann aber sieht, dass es mehr als 50 Prozent der Bevölkerung egal ist, wer in unserer Regierung sitzt: komisch. Aber gehen wir das Ganze langsam an.
Alle Jahre wieder setzt die SVP eine Initiative auf, die gegen die Einwanderung zielt. 2014 war es die «Masseneinwanderungsinitiative». Diese wurde angenommen. Nun also wieder eine solche Initiative. Wieso? Haben wir die letzte nicht umgesetzt? Wurden Alternativen entwickelt? Hat sich etwas verbessert? Ich glaube, wir müssen uns manchmal diese Fragen stellen. Wir nehmen eine Initiative an, aber umgesetzt wird sie eigentlich nicht so, wie wir (und nicht die Parteien) es uns vorgestellt haben. Darum ist es aus meiner Sicht keine Überraschung, dass solche Anliegen immer wieder kommen. Die Gegner argumentieren, dass dies nicht die Lösung sei, jedoch passiert im Anschluss nichts. Müssen wir hier unsere Parteien mehr in die Verantwortung nehmen? Ist nach dem Abstimmungswochenende einfach fertig?
Nun kommen wir zur Regierungsratswahl. 49,66 Prozent wollten mitentscheiden, wer in Zukunft unser Baselbiet regiert. Also nicht ganz die Hälfte der Stimmberechtigten unseres Kantons Baselland. Ich finde das Wahnsinn. Beim Thema, wie man es besser macht und wie es anders gehen würde, spüre ich mehr als diese 49,66 Prozent. Es ist ein Privileg, über die Regierung abstimmen zu dürfen. Wir verurteilen Länder, in denen die Bürger keine Meinung haben dürfen, aber selber nutzen wir diese Möglichkeit nicht – das verstehe ich nicht. Das Privileg, über die eigene Regierung und Personen, die unseren Kanton bestimmen, zu entscheiden, ist etwas vom Wertvollsten, was es gibt. Man muss dazu nicht einmal zum Wahllokal laufen – nein, einfach zu Hause ausfüllen und in den Briefkasten werfen. Ganz einfach.
Zum Abschluss noch ein paar Worte zur Wahl an sich. Matthias Liechti hat diese knapp vor Philipp Schoch gewon- nen. Ein Wahl-Krimi – wie er in den besten Büchern nicht stehen kann. Ich persönlich bin sehr glücklich über die Wahl von Matthias Liechti. Eine Person wie er gehört in den Regierungsrat. Matthias und ich waren einige Jahre lang zusammen Gemeindepräsidenten, durften viele spannende Themen bearbeiten. Im Schulrat durfte ich von ihm ganz viel im Bereich der Schule lernen. Als Schulratspräsident zeigte er mir, wie man mit viel Engagement alles für das Wohl unserer Kinder tun kann. Matthias hat das Herz an der richtigen Stelle. Ich bin stolz, von ihm gelernt zu haben, und freue mich natürlich auf die kontroversen Diskussionen, die wir in den unterschiedlichen Rollen als Gemeindeund Kantonsvertreter führen werden.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

