Der «Ewigen Schönheit» gewidmet
Das Konzert in der Oberen Fabrik am Samstag, 10. Mai, stand ganz im Zeichen des Klanglichter-Mottos von Robert Schumann: «Es waltet in jeder Zeit ein geheimes Bündnis verwandter Geister. Schliesst, die Ihr zusammengehört, den ...
Der «Ewigen Schönheit» gewidmet
Das Konzert in der Oberen Fabrik am Samstag, 10. Mai, stand ganz im Zeichen des Klanglichter-Mottos von Robert Schumann: «Es waltet in jeder Zeit ein geheimes Bündnis verwandter Geister. Schliesst, die Ihr zusammengehört, den Kreis fester, dass die Wahrheit der Kunst immer klarer leuchte, überall Freude und Segen verbreitend.»
Paola De Piante Vicin, Gründerin und Organisatorin der Konzertreihe, stellte die Protagonistin des Abends mit berechtigtem Stolz vor: es war ihr gelungen, die grosse Geigerin und berühmte Pädagogin Ana Chumachenco nach Sissach zu bringen. Zusammen mit ihrer Tochter Taia Lysy an der Bratsche und zwei Schweizer Musikern der Spitzenklasse, Wen-Sinn Yang (Cello) und Adrian Oetiker (Klavier), zeigte sie auf eindrucksvolle Weise, zu welchen Höhenflügen verwandte Geister fähig sind.
Schon in W. A. Mozarts Klavierquartett in Es-Dur überzeugten die drei Streichinstrumente mit einem homogenen Klang, der sich mit den virtuosen Klavierpassagen abwechselte, ergänzte und vereinte. Die darauffolgende Sonate in a-Moll für Klavier und Violine von L. v. Beethoven wurde zu einer atemberaubenden Demonstration von perfektem Zusammenspiel zwischen Ana Chumachenco und Adrian Oetiker, die sich mit offensichtlicher Lust am Risiko gegenseitig zu Höchstleistungen antrieben. Kaum vorstellbar, dass Ana Chumachenco in diesem Jahr ihren 80. Geburtstag feiern wird!
Nach einer kurzen Einleitung stieg die Vorfreude auf das letzte Werk des Abends: Brahms’ grosses Klavierquartett in g-Moll mit seinem berühmten ungarischen Finalsatz. Die 40 Minuten dieses grandiosen Werks vergingen wie im Fluge: die vier Musikerinnen und Musiker vereinten in ihrer Interpretation Intensität mit Leichtigkeit, Zärtlichkeit mit grossem Drama, Witz mit tiefstem Ernst – und folgten dabei immer mit grosser Entschlossenheit gemeinsam der Linie, die Brahms vorgezeichnet hatte. Gleichzeitig vermittelte die Kommunikation zwischen den Musizierenden und ihre Körpersprache das Gefühl, man sässe nicht in einem klassischen Konzert, in dem eine vorgegebene Partitur gespielt wird, sondern in einer Jazz-Jamsession. Mit welcher Gestik und welchem Mienenspiel die Motive und Phrasen weitergereicht wurden, einmal schalkhaft grinsend, einmal überrascht anerkennend, einmal fast verschwörerisch: hinreissend. Und alles auf spielerisch höchstem Niveau. Das Publikum des ausverkauften Saals bedankte sich mit einer Standing Ovation.
Eric Rothenbühler, Konzertgesellschaft Klanglichter