Mit zwei «Grüana Tüüma» geboren
13.03.2026 HölsteinKurt Gensetter ist leidenschaftlicher Gärtnermeister
Auch mit 66 Jahren denkt der Gärtner Kurt Gensetter noch nicht ans Aufhören. Das freut all seine treuen Kunden in Hölstein. Auf seinem Werdegang hat er viel erlebt und viele Orte gesehen.
Elmar ...
Kurt Gensetter ist leidenschaftlicher Gärtnermeister
Auch mit 66 Jahren denkt der Gärtner Kurt Gensetter noch nicht ans Aufhören. Das freut all seine treuen Kunden in Hölstein. Auf seinem Werdegang hat er viel erlebt und viele Orte gesehen.
Elmar Gächter
Der Frühling gibt sein erstes Stelldichein, und so freuen sich auf einem der sonnigen Hügel Hölsteins auch die Tulpen und Narzissen an den angenehmen Temperaturen. In Herzform nach Feng-Shui-Art arrangiert, schmücken sie den schönen Garten und bilden zusammen mit dem gemütlichen Blockhaus einen harmonischen Hingucker. Wer Augen und Sinne für solche Schönheiten hat, muss ein Pflanzenfreund sein. Und tatsächlich: Der Besitzer ist leidenschaftlicher Gärtnermeister.
«Grüane Tuuma» steht in grossen Lettern auf seinem Lieferwagen. Nicht einfach so, denn der Bündner Kurt Gensetter ist mit zwei grünen Daumen auf die Welt gekommen. Grossvater, Vater und Bruder waren oder sind Gärtner, Mutter und Schwester Floristinnen. «Während meiner Schulzeit habe ich mich kaum für Pflanzen interessiert, ich träumte von einer Ausbildung zum Flugzeugmechaniker oder Piloten», erinnert sich der heute 66-Jährige. Obwohl seine Lehre als Topfpflanzengärtner den Eltern geschuldet war – sie führten im Bündnerland mehrere grosse Gärtnereien –, wuchs auch bei ihm allmählich die Begeisterung für den Beruf.
Seine Wanderjahre führten ihn nach der Rekrutenschule in die Romandie, dann nach Belgien. «Dort entdeckte ich neben interessanten Gärtnereien auch die Vielfalt flämischer Klosterbiere», sagt Gensetter mit einem Schmunzeln. Es folgten Aufenthalte in Dänemark und in den USA. In einer Gärtnerei in San Francisco mit rund 400 Mitarbeitern, der Grossteil aus Mexiko, erhielt er die Möglichkeit, europäische Produktionsmethoden anzuwenden und so die Kulturzeiten verschiedener Pflanzen spürbar zu verkürzen.
Nach einem Jahr Ausbildung in Heidelberg kehrte er als diplomierter Gärtnermeister in die Schweiz zurück. Nach einigen Jahren verantwortlicher Tätigkeit im elterlichen Betrieb und später im Einkauf für Gartencenter eines Grossverteilers wuchs der Wunsch nach beruflicher Selbstständigkeit. 1993 – Gensetter bezeichnet diese Zeit als eine eigentliche «Goldgräberstimmung» – übernahm er den Betrieb von Georg Jäggin in Hölstein und baute ihn unter dem Namen «Blüata Stab» zu einem gefragten Spezialgeschäft für Sommerflor und Blumensträusse aus. «Um uns gegen die Grossverteiler zu behaupten, mussten wir uns spezialisieren», hält er rückblickend fest. Sein Pioniergeist zahlte sich auch in der Gründung des «Schmuzli Land» aus, wo er in einem Zelt beim Bad Bubendorf während der Vorweihnachtszeit festliche Dekorationen und Geschenke und später auf dem Buss-Areal in Pratteln mediterrane Pflanzen anbot.
Auf der Suche nach Neuem
Seit zwei Jahren verkauft er als pensionierter Gartenfachmann auf dem Hausmattareal in Hölstein von Frühling bis Herbst duftende, bienenfreundliche Gartenpflanzen. Um der Konkurrenz eine Nasenlänge voraus zu sein, reist er jeweils im Januar und Februar in südliche Länder, um Neuheiten zu entdecken. «Wir wollen die ersten sein», so Gensetter. Indem er ein Sortiment anbietet, das von Frühling bis Herbst blüht und Bienen Nahrung bietet, fördert er die Ökologie und Biodiversität.
Langeweile kennt Kurt Gensetter auch im Winter nicht. Er ist als Pflanzendoktor unterwegs mit dem Credo: «Es gibt Leute, die im Kaffeesatz die Zukunft lesen, ich sehe am Wurzelbild die Vergangenheit. Wenn ich eine Pflanze austopfe, kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen, was mit ihr passiert ist.» Seine lange Berufserfahrung erfüllt ihn mit Zufriedenheit. Er betont die grosse Abwechslung und die Möglichkeit, sich mit relativ wenig Kapital selbstständig machen zu können.
Sollte er seinen Betrieb dereinst an den Nagel hängen – die Miete auf dem Hausmattareal ist zeitlich begrenzt – will er vermehrt reisen und weitere Fremdsprachen lernen. «Dank meiner Aufenthalte in verschiedenen Ländern spreche ich heute sechs Sprachen. Offenbar hat man mein Talent in der Schule nicht erkannt.» Sein grosses Hobby, das Gleitschirmfliegen, musste er wegen seiner Parkinson-Krankheit aufgeben, mindestens vorübergehend. «Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, auf der Hohwacht, meinem Hausberg, eines Tages wieder abzuheben.»
Jetzt freut er sich vor allem auf die neue Pflanzensaison, wenn er am 21. März seinen Pop-up-Shop auf dem Areal der ehemaligen Turnhalle am nördlichen Dorfeingang wieder eröffnet.

