Mit Racket, Ball und vorzüglicher Hochachtung
27.08.2026 Sport, Weitere SportartenDer TC Gelterkinden feiert seinen 100. Geburtstag
Vom Tennisplatz für Internatsschülerinnen über den Sommer-Club in der «Bleichi» bis zum Ganzjahres-Verein mit öffentlich zu buchenden Hallenplätzen: Der Tennisclub Gelterkinden ist in 100 Jahren stets mit der Zeit gegangen.
Sebastian Wirz
«Wir bitten Sie, bis zur Sitzung Diskretion zu bewahren», schliesst der Brief, «mit vorzüglicher Hochachtung, die Initianten.»
Schon nur die Sprache in der Einladung zur Gründungsversammlung ist ein Zeugnis für das Alter des Tennisclubs Gelterkinden. Vor 100 Jahren, am 2. August 1926, luden «die Initianten» eine ausgewählte Gruppe von «Fräuleins», Frauen und «Herren» ins Restaurant «Hofmatt» ein. Sie hatten vor, «dem Wunsche und dem Bedürfnis nach Bewegung Rechnung tragend», einen Tennisclub zu gründen. Die Eingeladenen mussten sich nur zwei Tage in Geheimhaltung üben, dann war es schon so weit und der Tennisclub Gelterkinden wurde gegründet.
Federführend war mit Alfred Lenk der Leiter des Internats Tanneck, in dem auch «bessere Töchter aus dem Welschland» zur Schule gingen. Da es sich für Lenk «gut gemacht habe», einen «eigenen» Tennisplatz zu haben, liess er einen solchen neben der heutigen katholischen Kirche bauen. Doch auch im Dorf sei das Interesse am Sport, der in langen weissen Hosen praktiziert wurde, bald gewachsen.
So werden die Anfänge des angeblich ältesten Tennisclubs im Baselbiet auf einem Plakat beschrieben, das ein Jubiläums-OK aus dem reichhaltigen Vereinsarchiv zusammengetragen hat. Am Samstag werden Interessierte auch in diesen «Meilensteinen der Vereinsgeschichte» stöbern können. Denn der TCG öffnet seine Anlage zu Ehren seines 100. Geburtstags der Öffentlichkeit.
Dabei richtet sich das Programm nicht nur an Lokal- und Sporthistoriker. Show-Trainings, Parcours für Kinder, Geschwindigkeitsmessung beim Service, eine nostalgische Ausstellung, Live-Musik und Show-Matches sollen zusätzlich zum Jubiläumsakt und einer Präsidenten-Talkrunde für Publikum sorgen, ehe zum Abschluss zur Musik eines Überraschungs-DJs das Tanzbein geschwungen werden soll.
6 Franken pro Quadratmeter
In den Anfängen zählte der TCG nur ein Dutzend Mitglieder und, wie die Antwort des Vereins auf ein Beitrittsgesuch von 1931 zeigt, wurde der Antragssteller noch «hochachtungsvoll» gegrüsst, ehe er 25 Franken als «Eintritt» und anschliessend 3 Franken pro Monat zu bezahlen hatte. 1951, als der Verein Internatsleiter Lenk den Platz für 30 000 Franken abkaufen konnte, war er bereits deutlich gewachsen. So erweiterte er die Anlage durch Landzukauf um einen zweiten Court, ein Clubhaus und eine Tenniswand. Nutzen daraus zog auch der EHC Gelterkinden, der hier im Winter Eishockey spielen konnte.
Dass sich der Tennisclub 1954 eine neue Heimat schuf, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass beim alten Standort die katholische Kirche gebaut wurde. Das Land wurde für 65 000 Franken veräussert, weshalb sich der TCG in der «Bleichi» ein grosszügiges Grundstück – bei 6 Franken pro Quadratmeter – leisten konnte, auf dem er vier Felder und ein Clubhaus erstellte. 1957 kam ein fünfter Court hinzu.
In den Siebzigerjahren gehörten dem Club bereits mehr als 200 Personen an. Und die kamen in einen ganz besonderen Genuss: Durch eine Solaranlage auf dem Dach duschten sie – angeblich schweizweit als erster Club – mit von der Sonne aufbereitetem Warmwasser. Die Vereinsschreiber reden von der «weitaus grössten, schönsten und modernsten Anlage der Region», die Interessierte von weit her angezogen habe. Bei 250 Tennisspielenden zog der Vorstand die Notbremse und führte eine Warteliste ein. Bis 1994 sorgte der Tennis-Boom dennoch für 280 aktive Mitglieder. Die Situation entschärfte sich nicht nur durch den Bau von weiteren Anlagen in der Region und das Aufkommen anderer Trendsportarten, sie wurde gegenteilig fast schon wieder zum Problem: 2014 verzeichnete der Verein nur noch 150 aktive Mitglieder.
Der TC Gelterkinden musste sich mit seiner Zukunft beschäftigen. Er tat dies einerseits mit der Planung einer neuen Anlage. Andererseits stellte sich der Club der Frage, ob er sich grundsätzlich verändern müsse. Zur Auslastung der neuen Plätze müsste er sich öffnen, erstmals würden auch Nicht-Mitglieder spielen können. Und der «Sommer-Verein», der zuvor nach dem Abschluss im Herbst das «Plätze geschlossen»-Schild vor die Anlage gehängt und sich bis im Frühling in den Winterschlaf begeben hatte, würde zum Ganzjahres-Verein werden.
All dies ist so gekommen. Der Club veräusserte den Boden in der «Bleichi» zugunsten einer Überbauung mit saftigem Gewinn und konnte sich so den Bau der neuen Anlage zwischen Freibad und Sportplatz Wolfstiege leisten. Hier wird auf vier Aussen- und drei Hallenplätzen gespielt, wobei drinnen nun auch Gäste online Courts buchen können.
Der TC Gelterkinden habe die Transformation gut geschafft, ist Caroline Hug überzeugt. Die Präsidentin hat nach dem Umzug in die neue Anlage einen Verein übernommen, der stetig wächst. 457 Mitglieder zählt er aktuell insgesamt, rund 50 sind alleine dieses Jahr wegen einer Jubiläumsaktion dazugekommen.
Auch im Winter «daheim»
Verloren habe der TCG in seiner Transformation zum offeneren Ganzjahres-Verein am Ende niemanden, auch wenn das Thema wiederholt intensiv diskutiert worden sei. «Vielmehr wird geschätzt, dass die Mitglieder, die davor im Winter auf andere Hallen in der Region verstreut gewesen waren, nun auch in der kalten Jahreszeit ‹daheim› sind und man sich sieht», sagt Hug. Auch wenn das neue Vereinsleben den Vorstand nun über zwölf Monate beschäftigt und komplexer geworden sei, überwiege das Positive bei Weitem, so die Präsidentin. «Wenn im November kein Schnee liegt, kann auch dann noch draussen gespielt werden.»
Hug freut sich sehr darauf, die Türen des Tennisclubs am Samstag noch mehr zu öffnen. Die Bevölkerung ist zum 100-Jahre-Jubiläum eingeladen – vielleicht nicht gerade «mit vorzüglicher Hochachtung», aber doch recht herzlich.
Jubiläumsfest 100 Jahre Tennisclub Gelterkinden, Samstag, 29. August, 10 Uhr, Anlage des TCG, Rüttebergweg.



