Ormalinger Ultraläufer absolviert 174 Kilometer und 10 000 Höhenmeter in gut 30 Stunden
Lars Gysin zeigt beim Ultra-Trail du Mont-Blanc eine bemerkenswerte Leistung: In der Nacht auf Sonntag erreichte der Oberbaselbieter das Ziel in Chamonix. Er bewältigte das 174 Kilometer ...
Ormalinger Ultraläufer absolviert 174 Kilometer und 10 000 Höhenmeter in gut 30 Stunden
Lars Gysin zeigt beim Ultra-Trail du Mont-Blanc eine bemerkenswerte Leistung: In der Nacht auf Sonntag erreichte der Oberbaselbieter das Ziel in Chamonix. Er bewältigte das 174 Kilometer lange Trailrennen, das als bedeutendstes der Welt gilt, in 30 Stunden und 40 Minuten.
Timo Wüthrich
Lars Gysin, Sie haben den Ultra-Trail du Mont-Blanc (UTMB) am Sonntag nach 30 Stunden und 40 Minuten auf Platz 346 von 1681 Teilnehmenden beendet. Wie bewerten Sie Ihr Rennen mit etwas Abstand?
Lars Gysin: Grundsätzlich bin ich zufrieden mit meiner Leistung. Körperlich wäre ich absolut imstande gewesen, mein ursprüngliches Ziel von einer Zeit von unter 30 Stunden zu erreichen. Allerdings hatte ich schon früh zu kämpfen: Ab Kilometer 40 spielte der Magen nicht mehr mit und ich konnte keine Nahrung mehr aufnehmen. Dadurch fehlte mir schlicht die nötige Energie für ein höheres Tempo.
Wie sind Sie aus diesem Tief herausgekommen?
Nachdem ich mich etwa bei Kilometer 100 endlich übergeben konnte, klappte es wieder mit der Nahrungsaufnahme. Danach fühlte ich mich deutlich besser und konnte das Rennen mit einem guten Gefühl zu Ende laufen. Im Rückblick ärgere ich mich zwar ein wenig, da ich an einigen Stellen unnötig Zeit verloren habe: An einer Verpflegungsstation sass ich wegen der Magenprobleme mehr als 40 Minuten fest, in der Hoffnung auf Besserung. Ohne diese Beschwerden wäre eine Zeit um die 28 Stunden realistisch gewesen. Im Ziel habe ich aber von vielen anderen gehört, dass sie ebenso mit Übelkeit zu kämpfen hatten.
Wie haben Sie den Schlafmangel während der mehr als 30 Stunden auf den Beinen gehandhabt?
Ich entscheide jeweils im Verlauf der Rennen spontan, ob ich einen «Powernap» einlegen will. Ursprünglich wollte ich mich aufgrund der Magenprobleme in der ersten Hälfte des Rennens kurz hinlegen. Als es mir wieder besser ging, entschied ich mich aber um.
Wie und wo können die Teilnehmenden schlafen?
An den Verpflegungsstationen gab es Schlafmöglichkeiten. Manche legen sich aber auch einfach irgendwo unterwegs auf eine Wiese an den Streckenrand für ein kurze Pause.
Der UTMB gilt als grösstes und wichtigstes Trailrennen der Welt. Abertausende pilgern nach Chamonix, um das Rennen zu erleben. Die Stimmung an der Strecke gilt als legendär. Wie haben Sie diese erlebt?
Der Start am Freitagabend war etwas chaotisch, aber die Atmosphäre war phänomenal. An den langen Anstiegen war es teilweise wie an der Tour de France: Man wurde von den Zuschauenden angefeuert und lief durch ein Spalier von jubelnden Fans.
An der Spitze dominierte der Amerikaner Ben Dhiman und gewann in 18 Stunden und 16 Minuten. Die gesamte Top-10 blieb unter der magischen Marke von 20 Stunden. Somit gilt das diesjährige Rennen als das schnellste der Geschichte.
Wie viel bekamen Sie davon mit?
Ehrlich gesagt nicht sehr viel. An den Verpflegungsstationen standen zwar Bildschirme, auf denen der «Livestream» lief. Ich habe manchmal kurz darauf geschaut, mich ansonsten aber voll auf mein eigenes Rennen fokussiert. Dasselbe gilt für die Landschaft: Gerade der erste Teil der Strecke wäre wunderschön gewesen, aber den absolvierten wir ja in der Dunkelheit der Nacht von Freitag auf Samstag.
Wie geht es Ihrem Körper nach diesen Strapazen?
Ich fühle mich überraschend gut. Das Knie schmerzt ein wenig vom vielen Bergablaufen, übermässige muskuläre Beschwerden habe ich zum Glück nicht.