Mit gutem Beispiel voran
01.10.2026 ZeglingenVom Trafoturm zum Fledermaushabitat
Fledermäuse sind auf störungsarme Quartiere angewiesen. Die Lage und die Bausubstanz der Trafostation in der «Gipsi» Zeglingen bieten dafür geeignete Voraussetzungen. Die baulichen Anpassungen sind in vollem Gang.
...Vom Trafoturm zum Fledermaushabitat
Fledermäuse sind auf störungsarme Quartiere angewiesen. Die Lage und die Bausubstanz der Trafostation in der «Gipsi» Zeglingen bieten dafür geeignete Voraussetzungen. Die baulichen Anpassungen sind in vollem Gang.
Brigitte Keller
Die Trafostation in der «Gipsi» ist ein Überbleibsel aus der Zeit des Gipsabbaus und befindet sich heute im Naturschutzgebiet der ehemaligen Gipsgrube von Zeglingen. «Für nichts» stehen lassen, abreissen – oder doch lieber für etwas Neues, wie beispielsweise ein Habitat für Fledermäuse, nutzbar machen? Die Frage, was mit der alten Trafostation oben bei der alten Gipsgrube geschehen soll, beschäftigte die Verantwortlichen der Bürgergemeinde und damit auch den Gemeinderat von Zeglingen schon seit Längerem.
Der Gedanke, dass daraus ein «Fledermaushotel» werden könnte, geisterte auch schon seit Jahren im Kopf von Urs Wolfsberger, seines Zeichens Präsident des Naturschutzvereins «Natur am Wisenberg», herum. «Die Idee entstand ursprünglich durch einen Artikel in einer Zeitschrift, in dem die Stiftung ‹pro Artenvielfalt› darüber berichtete», erzählt er bei einem Treffen vor Ort.
Vor rund zwei Jahren wurde dann aus dem lang gehegten Wunsch ein konkretes Projekt. «Bis vor zwei Jahren war der Trafoturm noch von hohen Tannen umgeben und wir mussten ihn als Erstes ausholzen», erklärt Jörg Fäh, der zuständige Gemeinderat. Danach mussten die Bestockung, Gestrüpp und Efeu rund um den Turm entfernt werden. Geholfen hätten im vergangenen Herbst auch viele freiwillige Helferinnen und Helfer anlässlich des jährlich stattfindenden Naturschutztags.
Viel Eigenleistung
Seit ein paar Wochen wird nun tatkräftig gearbeitet, auf und neben dem eingerüsteten Turm. Vereinsmitglieder und weitere versierte Handwerker arbeiten an mehreren Samstagen gemeinsam am Projekt «Fledermaushotel». Einer, der ebenfalls Hand anlegte, ist Vereinsmitglied Mario Dolder. Er besorgte mit einem Bagger den Aushub für einen Tümpel. Seine Spuren im Naturschutzgebiet hinterliess er schon vor mehr als 15 Jahren, als aus seiner damaligen Maturarbeit der «Naturpfad Gipsgrube Zeglingen» hervorging.
Was brauchen die Fledermäuse, um sich im ausgedienten Trafohäuschen wohlzufühlen? Auf allen vier Fassadenseiten wird auf den obersten 1,50 Metern mit etwas Abstand zum Mauerwerk eine Verschalung aus Lärchenholz angebracht. Darunter können die Fledermäuse auf schräg angebrachten Leisten emporkrabbeln und durch die vorhandenen Maueröffnungen ins Innere des Turms gelangen. Für noch mehr Benutzerfreundlichkeit für die künftigen Bewohner werden in die Schalung einige Löcher gebohrt und darüber eine zweite Holzschalung, die 20 Zentimeter kürzer ist, angebracht. Die doppelte Schalung schützt im Winter zusätzlich vor Kälte und Zugluft und im Sommer vor Hitze. Zudem haben die Fledermäuse mehrere Möglichkeiten, wo sie sich jeweils aufhalten und wie sie ins Innere gelangen wollen.
Für die nötigen Anpassungen wurden insgesamt 30 000 Franken budgetiert. Mindestens die Hälfte soll mit Eigenleistung erbracht werden. Der restliche Betrag für Arbeiten, die an Fachbetriebe vergeben werden müssen, sei gesichert. Er stammt aus gesprochenen Beiträgen der Bürgergemeinde und der Natur- und Landschaftsschutzkommission sowie aus der Kasse des Vereins «Natur am Wisenberg». Gezielte Spenden und Sponsorenbeiträge von Personen, die das Projekt sinnvoll und besonders unterstützenswert finden, helfen dem Naturschutzverein, das Vereinsvermögen nicht überzustrapazieren.
Von Kopf bis Fuss
Bei der Abdeckung oben auf dem Turm haben sich die Verantwortlichen für eine Wanne entschieden, die mit Substrat befüllt wird und damit ein Biotop für Pflanzen und Kleinlebewesen bietet. Überschüssiges Wasser kann durch einen weit überstehenden Abfluss in den neu ausgehobenen Tümpel abfliessen. Am bevorstehenden Naturschutztag vom Samstag, 10. Oktober, an dem weitere helfende Hände willkommen sind, sollen neben den üblichen Arbeiten im Naturschutzgebiet auch einige Umgebungsarbeiten beim neuen Fledermausquartier gemacht werden.
Bei der Umgestaltung des alten Trafoturms können die Verantwortlichen auch auf die Unterstützung durch die kantonale Koordinationsstelle für Fledermausschutz zählen. Die Fledermausbeauftragte Pascale Hutter freut sich über das Engagement: «Gerade weil immer wieder Quartiere durch Renovierungen oder Sanierungen verschwinden, sind neu geschaffene Habitate besonders wertvoll. Neben der Fassade wird auch der Innenraum gezielt fledermausfreundlich gestaltet, er wird abgedunkelt und mit zusätzlichen Hang- und Versteckmöglichkeiten ausgestattet.»
Nächtliche Insektenjäger
bke. Fledermäuse sind fleissige Insektenjäger. Die am häufigsten vorkommende Art in der Schweiz ist die Zwergfledermaus. Mit rund 4,5 Zentimetern Körperlänge ist sie die kleinste einheimische Fledermausart und wiegt gerade so viel wie ein Würfelzucker.
Sie frisst pro Nacht bis zu 2000 Mücken. Fledermäuse spielen damit unter anderem als Schädlingsbekämpfer eine wichtige Rolle im Ökosystem. Sie sind gesetzlich geschützt, in der Schweiz sind 30 Arten bekannt. Im Baselbiet wurden bisher 20 und im Gebiet der Umgebung der Gipsgrube Zeglingen 7 Arten beziehungsweise Artkomplexe nachgewiesen.
Eine Besonderheit des Oberbaselbiets ist das vom Aussterben bedrohte Graue Langohr. Diese Dachstock bewohnende Art jagt gerne in Hochstammobstgärten, die hier im schweizweiten Vergleich noch häufig zu finden sind.

