Mit Geduld und neuer Strategie
20.03.2026 Sport, Fussball1. Liga: Die SV-Sissach-Frauen starten in die Rückrunde
Die Euphorie der Aufstiegssaison ist verflogen, die Herausforderungen sind grösser geworden: Die Frauen des SV Sissach stehen vor einer wegweisenden Rückrunde. Nach Turbulenzen, einem Trainerwechsel und Kaderrochaden ...
1. Liga: Die SV-Sissach-Frauen starten in die Rückrunde
Die Euphorie der Aufstiegssaison ist verflogen, die Herausforderungen sind grösser geworden: Die Frauen des SV Sissach stehen vor einer wegweisenden Rückrunde. Nach Turbulenzen, einem Trainerwechsel und Kaderrochaden soll nun ein Neuanfang gelingen.
Luana Güntert
Nach einer überraschend starken ersten Saison in der 1. Liga 2024/25 stehen die Frauen des SV Sissach 2025/26 vor einer richtungweisenden Rückrunde. In ihrem zweiten Jahr nach dem Aufstieg ist im Oberbaselbiet etwas Ernüchterung eingekehrt – sportlich wie auch intern.
Die erste Saison schloss Sissach noch sensationell und überraschend auf dem 2. Tabellenplatz ab. In der laufenden Spielzeit hingegen präsentiert sich das Bild durchzogen. «Das liegt auch an der Euphorie, die nach dem ersten Jahr weg war», sagt Assistenztrainer Kevin Schaub. Die Vorrunde sei insgesamt wechselhaft verlaufen, auch wenn sich das Team gegen Ende steigern konnte. So hielten die Sissacherinnen gegen starke Gegner gut mit – etwa bei der knappen 3:4-Niederlage gegen den FFV Basel – und sie feierten gegen Concordia Basel (5. Rang) einen Sieg.
Doch nicht nur sportlich lief es holprig. Auch innerhalb des Teams kam es zu Spannungen, die schliesslich im Dezember Konsequenzen hatten: Der langjährige Trainer Patrick Ivanovic verliess den Verein. Der zweite Übungsleiter Michel Meier ist nun alleiniger Cheftrainer. Unterstützt wird er von Schaub.
Teamgeist soll gefördert werden
Mit dem Trainerwechsel einher ging ein personeller Umbruch. Gleich neun Spielerinnen verliessen das Team in der Winterpause, sieben neue stiessen dazu. «Wir müssen uns als Team nun zuerst finden», sagt Schaub. Trotz des aktuell soliden 7. Tabellenrangs im Tabellen-Mittelfeld bleibt der Ligaerhalt das Saisonziel.
Ein zentraler Punkt ist deshalb der Teamgeist. «Wir wollen in der Rückrunde wieder enger zusammenrücken», betont Schaub. Dafür absolvierte die Equipe unter anderem ein Trainingslager am Gardasee. Gleichzeitig setzen die Verantwortlichen verstärkt auf eine neue Strategie: weg von erfahrenen «fertigen» Spielerinnen, hin zur Förderung junger Talente. «Die Neuzugänge sind sehr jung, aber das gehört zu unserem neuen Weg», so Schaub. Künftig sollen neben jungen Spielerinnen aus der ganzen Region auch vermehrt Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs integriert werden – etwa Lena Metzler aus dem Zweitteam, die spätestens im Sommer zu den Erstligistinnen stossen soll.
Zu den Neuzugängen gehört auch ein spannender Auslandtransfer: Celia Spanu stiess im Winter aus England zum Team, wo sie zuletzt College-Fussball spielte. «Sie kam aus beruflichen Gründen in die Region und hat bei uns angeklopft», erklärt Schaub. Dank ihrer Schweizer Mutter besitzt sie den Schweizer Pass. Auch sprachlich bringe sie Vorteile: «Celia spricht Englisch, das hilft dem Zusammenhalt.» In der Vorrunde hatte die Mehrsprachigkeit – unter anderem mit drei französischsprachigen Spielerinnen – die Kommunikation erschwert.
Neben personellen Veränderungen stellen sich die Sissacherinnen taktisch neu auf. Während Ivanovic stark gegnerorientiert agierte und das System häufig anpasste, wollen Meier und Schaub künftig auf mehr Konstanz setzen. «Wir möchten unser Spiel durchziehen – unabhängig vom Gegner», sagt Schaub. Im Zentrum stehe ein System, das alle Spielerinnen einbindet und grossen Wert auf interne Geschlossenheit legt: «Jede muss in diesem System für jede gehen. Mehr möchten wir zu unserer Taktik nicht verraten», so Schaub.
Dass dieser Prozess Zeit braucht, zeigte sich in der Vorbereitung: Beide Testspiele Anfang und Mitte März gingen verloren (0:1 gegen Erlinsbach, 2:5 gegen Sempach). Entsprechend mahnt Schaub zur Geduld: «Der erste Ernstkampf darf nicht zu hoch gewichtet werden. Wir treten dann erstmals als neues Team im Wettkampf an.»
Dennoch kommt es zum Rückrundenstart morgen Samstag gleich zu einer wichtigen Partie: Zu Hause trifft der SV Sissach auf den FC Renens (20.15 Uhr), der direkt hinter den Oberbaselbieterinnen klassiert ist. «In den vergangenen drei Spielen konnten wir gegen die Waadtländerinnen nie gewinnen», sagt Schaub: «Da haben wir noch eine Rechnung offen.»
Zu- und Abgänge
Zugänge: Alina Musliu (FC Basel U16), Chalia Bläsi (FC Grenchen), Lorena Rita Graci (FC Dulliken), Stephanie Egli (FC Riedholz), Celia Spanu (internationaler Transfer, Maidenhead United Football Club), Jamie Barth (FC Schwarz Weiss BS), Sophie Jirasko (FFV Basel)
Abgänge: Sarina Grieder (FC Ostermundigen), Svenja Zengafin (FC Ostermundingen), Selin Aktas (US Azzuri Mulhouse), Neslihan Aktas (FFV Basel), Lahouna Kara (US Azzuri Mulhouse), Anja Saam (als Schiedsrichterin in der Akademie), Kathrin Suter (Gäu Selection), Ronja Knechtle (FC Concordia Basel), Nadja Häfeli (unbekannt).
Erstes Spiel der Rückrunde:
SV Sissach – FC Renens
Samstag, 21. März, 20.15 Uhr,
Sportplatz Tannenbrunn, Sissach


