Millionendeal mit Nebengeräuschen
02.04.2026 ReigoldswilBürgergemeinde will Liegenschaft von der Reigi GmbH kaufen
2019 sagte der Reigoldswiler Gemeinderat noch Nein zum Kauf der Liegenschaft am Dorfplatz. Nun soll die Bürgergemeinde 1,55 Millionen Franken für genau diese Immobilie bewilligen. Die Hintergründe sorgen ...
Bürgergemeinde will Liegenschaft von der Reigi GmbH kaufen
2019 sagte der Reigoldswiler Gemeinderat noch Nein zum Kauf der Liegenschaft am Dorfplatz. Nun soll die Bürgergemeinde 1,55 Millionen Franken für genau diese Immobilie bewilligen. Die Hintergründe sorgen für Diskussionen.
Pascal Kamber
Die neueste Ausgabe des «Reigetschwyler Bott» lässt aufhorchen. Wie dem amtlichen Publikationsorgan aus Reigoldswil zu entnehmen ist, bittet der Gemeinderat – der mit dem Bürgerrat identisch ist – am Montag, 20. April zu einer ausserordentlichen Bürgergemeindeversammlung. Traktandiert ist ein Kredit von 1,55 Millionen Franken für den Kauf der Liegenschaft «Dorfplatz 2». Es handelt sich um jenes Grundstück, auf dem die Reigoldswiler Gemeindeverwaltung seit eineinhalb Jahren zu Hause ist.
Damit wird eine ohnehin schon lange Geschichte um ein Kapitel reicher: 2017 schloss die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) ihre Filiale in Reigoldswil. In der Folge wollte der Gemeinderat die Liegenschaft am Dorfplatz kaufen und führte diesbezüglich Gespräche mit der BLKB. Entgegen den Erwartungen sprach sich der Gemeinderat im September 2019 aber gegen das Geschäft aus.
Sinnvoller Entscheid
Fünf im Dorf und teils darüber hinaus bekannte Grössen, allen voran alt Landrat Hansruedi Wirz und alt Gemeindepräsident Hansruedi Sutter, riefen darauf hin in einer «Nachtund Nebelaktion» die Reigi GmbH ins Leben. Ihr Ziel: die Liegenschaft kaufen und das Gebäude mit drei Wohnungen in den Obergeschossen sanieren. Die Investorengruppe erwarb das ehemalige Bankgelände für einen Betrag zwischen einer halben und 1 Million Franken. Gleichzeitig wurde der Gemeinde ein Vorkaufsrecht eingeräumt. Anfang August 2024 zog die Gemeindeverwaltung schliesslich im renovierten Gebäude ins Erdgeschoss ein und der Abbruch des bisherigen, alten Gemeindezentrums wurde beschlossen.
Nun will die Reigi GmbH die Liegenschaft mitsamt Gebäude veräussern. Mitte Januar unterbreiteten die Mitglieder dem Gemeinderat laut «Reigetschwyler Bott» ein Angebot in der Höhe von nun 1,55 Millionen Franken. Eine unabhängige Firma schätzte den Wert der mittlerweile sanierten Liegenschaft zuvor auf 1,48 Millionen Franken. Der geplante Kauf veranlasste auch die Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission (RGPK), mit den Eigentümern das Gespräch zu suchen. Ihr Fazit: Aufgrund des guten Gebäudezustands und des zu erwartenden Mietertrags empfiehlt die RGPK der Bürgergemeindeversammlung, dem Kauf zuzustimmen. Für Gemeindepräsident Fritz Sutter ist das trotz Preisdifferenz ein sinnvoller Entscheid. «Die Gemeindeverwaltung liegt ideal mitten im Dorf und ist zugeschnitten auf das, was wir brauchen», sagt er und ergänzt: «Es wäre nicht gut für die Gemeinde, wenn jemand die Liegenschaft kauft, der mit dem Dorf nichts zu tun hat. Wir wären diesem Käufer ausgeliefert.»
Immer offen kommuniziert
Nicht nur deswegen liegen für ihn die Vorteile auf der Hand. Der Kauf sichere der Gemeinde bezahlbare Wohnungen und ermögliche es den Vereinen, die öffentlichen Räume zu nutzen. Ausserdem wären bei einem potenziellen Verwaltungszusammenschluss mit anderen Gemeinden weitere Räume bereits vorhanden. Nicht vergessen dürfe man den finanziellen Aspekt, so Fritz Sutter: «Aktuell bezahlen wir rund 20 000 Franken pro Jahr. Danach wird es leicht weniger sein.»
Aller Pluspunkte zum Trotz wirft die jüngste Entwicklung einige Fragen auf. Zum Beispiel, warum die Gemeinde vor sieben Jahren die Liegenschaft nicht selbst erworben hat und nun die Bürgergemeinde einspringt. «Die Einwohnergemeinde muss für die Sanierung des Werkhofs 2 Millionen Franken stemmen. Die Arbeiten starten nach Ostern. Eine weitere Liegenschaft zu kaufen wäre zu viel auf einmal gewesen, zumal die Gemeinde kürzlich Schulden abgebaut hat», sagt Fritz Sutter. Dass nun die Bürgergemeinde – der deutlich weniger Menschen angehören als der Einwohnergemeinde – über einen Millionenkredit entscheidet und so die Demokratie ein Stück weit ausgehebelt wird, sei nie die Absicht gewesen, betont Sutter. Ebenso verneint er, dass die engen Beziehungen zwischen den Behörden und der Reigi GmbH bei den Verhandlungen eine Rolle gespielt hätten. Fritz Sutter ist nämlich der Bruder von Hansruedi Sutter, und auf der Website von Obstbauer Hansruedi Wirz wird Fritz Sutter als Unterstützer mit wertvoller Expertise aufgeführt. «Es gibt in jeder Gemeinde Menschen, die miteinander verwandt sind. Wir haben das mit dem Rechtsdienst des Kantons besprochen, die gängigen Ausstandsregeln berücksichtigt und immer offen kommuniziert», sagt Fritz Sutter und betont: «Ich habe kein schlechtes Gewissen.»
Ähnlich klingt es bei Hansruedi Wirz. Der Liegenschaftskauf sei für die Gemeinde eine gute Sache, findet er. Wie viel Gewinn dabei für die Reigi GmbH herausschaut, kann und will er nicht verraten. «Gross ist er sicher nicht, das war auch nie das Ziel. Der Betrag soll unsere Arbeit, die dahintersteckt, den Umbau und das Risiko, das wir eingegangen sind, decken. Das ist für mich selbstverständlich», sagt Wirz. Er verstehe, dass die spezielle Konstellation Stoff für Diskussionen biete. Für ihn überwiege aber der positive Teil der Geschichte: «Wir haben mit der Reigi GmbH in nur zwei Sitzungen erreicht, dass die Liegenschaft im Besitz des Dorf bleibt. Dass das möglich war, freut mich heute noch.»

