Mähen, zetten und pressen
10.04.2025Not, so heisst es, mache erfinderisch. Notwendigkeiten auch. Gerade jetzt – zur Zeit der Ernte – benötigen wir das eine oder andere, um das Geerntete auch aufbewahren zu können. Zum Beispiel den Kartoffelsegen.
Da wir die Knollen wegen massiven Käferbefalls ...
Not, so heisst es, mache erfinderisch. Notwendigkeiten auch. Gerade jetzt – zur Zeit der Ernte – benötigen wir das eine oder andere, um das Geerntete auch aufbewahren zu können. Zum Beispiel den Kartoffelsegen.
Da wir die Knollen wegen massiven Käferbefalls nicht schalenfest aus dem Boden holen mussten, ist es wichtig, sie flach zu lagern, um Pilzbefall oder Fäulnis vorzubeugen. Das heisst, ein brauchbares Gestell musste her. Überlegen, diskutieren, skizzieren – möglichst einfach sollte es sein. Schliesslich haben wir aus dünnen Balken ein Hochregal zusammengeschraubt, Rahmen mit Hühnerdraht bespannt, die ins Regal geschoben werden können. Und Wunder über Wunder, am Schluss ist alles perfekt aufgegangen. Die ganze Ernte ruht jetzt, eine Knolle neben der anderen, in meinem Keller.
Die nächste Herausforderung bot das Heu. Heu braucht Platz, viel Platz, und den haben wir noch nicht. Die Scheune ist erst in Planung. Zwar ist der Boden gerodet, aber wir warten auf die schwere Maschine, um das abgebrannte Grünzeug wegzuschaffen und den Boden zu planieren. Weil das Gras nicht warten kann, bis der Mann mit der Maschine Zeit für uns hat, haben wir notgedrungen jeden freien Raum mit Heu vollgestopft.
Eine Heupresse musste her. Dank Tipps meiner Rünenberger Bauernfreundin und Recherchen im Internet hat Yvonne ein Modell entworfen, das tauglich schien. Eine Fahrt in den nächsten Baumarkt für Scharniere und Schlösser sowie eine sorgfältige Analyse unseres stattlichen Restholzlagers – und schon konnte Yvonne loslegen.
Nach zwei Tagen stand sie da: Eine beeindruckende Kiste mit Türe, einem beweglichen Deckel mit langem Hebel und einem ausgeklügelten System für die Bindeschnüre. Den ersten Heuballen haben wir gefeiert wie einen Sieg des FC Basel. Beeindruckend, wie viel Volumen gepresstes Heu verliert. So sind wir jetzt dran, wieder freien Raum zurückzugewinnen.
In diesen Tagen auf den Wiesen, mit Sense und Heugabeln, mit Mähen, Zetten und Zusammennehmen (das Heu auf grosse Blachen häufen, von Hand zu den Bodegas ziehen) haben wir zwar geschwitzt wie die Spanferkel und die Arme sind uns abends fast abgefallen, aber wir haben hautnah mitbekommen, wie sich duftendes Gras in duftendes Heu verwandelt. Ohne Lärm, ohne Abgase, ohne den Boden zu belasten.
Zugegeben, es klingt romantischer als es war. Es war Arbeit, anstrengende Arbeit, manchmal bis zum Eindunkeln. Auch das Heupressen ist nicht ohne. Den Job hat Johnny gefasst, denn er ist der einzige mit den notwendigen Muckis. Dennoch: Der Unterschied zum maschinellen Heuen ist riesig. Die sinnliche Wahrnehmung macht’s aus. Das Berühren, Riechen, Sehen und Hören bringt uns in eine enge Beziehung zu dem, was wir tun. Das macht Arbeit, auch harte Arbeit, erfüllend.
Die Journalistin Christa Dettwiler ist 2022 gemeinsam mit ihrem Sohn und dessen Ehefrau von Rünenberg nach Chile ausgewandert. Sie erzählt regelmässig von ihrem Alltag.

