Metzger Zimmermann schlachtet wieder selbst
16.10.2026 GelterkindenRückzug aus dem «Metzgerhuus»
Nach nur eineinhalb Jahren kehrt Metzger Martin Zimmermann dem regionalen Schlachthof in Füllinsdorf den Rücken. Ab November will er seine Tiere wieder in Gelterkinden schlachten. Im «Metzgerhuus» wird der Entscheid ...
Rückzug aus dem «Metzgerhuus»
Nach nur eineinhalb Jahren kehrt Metzger Martin Zimmermann dem regionalen Schlachthof in Füllinsdorf den Rücken. Ab November will er seine Tiere wieder in Gelterkinden schlachten. Im «Metzgerhuus» wird der Entscheid bedauert, dessen Betrieb sei dadurch aber nicht gefährdet.
Christian Horisberger
Als im Mai vergangenen Jahres das «Metzgerhuus» in Füllinsdorf eröffnet wurde, war der Gelterkinder Metzgermeister Martin Zimmermann als Aktionär und Branchenverbandspräsident in Berufskluft vor Ort. Seither lässt er seine Tiere – durchschnittlich zehn Schweine, zwei Kälber und ein Rind pro Woche – in Füllinsdorf schlachten. Ihr bisheriges Schlachtlokal im Herzen von Gelterkinden hat die Metzgerei Zimmermann damals stillgelegt.
Wie die «Volksstimme» kürzlich erfahren hat, soll in Gelterkinden schon bald wieder geschlachtet werden. Dies bestätigt Martin Zimmermann auf Anfrage: «Ab November werden wir wieder selber schlachten.» Das Schlachtlokal an der Rössligasse 18 sei dafür bereits gereinigt und hergerichtet worden. Ein amtliches Okay für die Wiederinbetriebnahme des Lokals sei nicht erforderlich; die bestehende Bewilligung habe noch eineinhalb Jahre Gültigkeit.
Zeitraubende Transporte
Zwei Gründe hätten ihn im Wesentlichen zu diesem Entscheid bewogen, sagt Zimmermann. Für die Transporte zwischen Gelterkinden und Füllinsdorf müsse er jeweils eine seiner Fachkräfte abstellen. In deren Abwesenheit wachse der Druck auf die anderen Mitarbeitenden. «Wenn auch noch jemand krank wird, herrscht Stress wie vor Weihnachten.» Zweitens sei das Gebäude mit seinem Schlachtlokal gemietet, und er nutze es auch als Lager für Verbrauchsmaterial, Zelte und Kühlschränke. Auf das Gebäude könne er nicht verzichten, das Schlachtlokal aber stehe leer.
Keine Rolle gespielt haben bei seinem Entscheid die höheren Tarife des «Metzgerhuus» im Vergleich zu einem industriellen Schlachthof, betont Zimmermann. Er stellt klar: «Für einen Metzger ohne eigenes Schlachthaus ist der Regio-Schlachthof die beste Lösung.» Er sei vom Konzept nach wie vor überzeugt, doch aufgrund der genannten Gründe sei es für ihn zurzeit nicht das Richtige.
Ganz hat sich Zimmermann nicht aus Füllinsdorf zurückgezogen. Er bleibt Aktionär des «Metzgerhuus». Wenn er 2028 für sein Schlachtlokal eine neue Betriebsbewilligung einholen müsse, werde er die Situation überprüfen.
Mangelnde Solidarität
Raffael Jenzer, der Geschäftsführer des «Metzgerhuus», macht kein Geheimnis daraus, dass ihn der Rückzug von Martin Zimmermann enttäuscht. Vom Berufskollegen und Verbandspräsidenten hätte er sich mehr Solidarität gewünscht. Er müsse dies aber nun akzeptieren.
Jenzer habe keine Hinweise darauf, dass andere Kunden dem Verbandspräsidenten folgen würden. Der Verlust von Zimmermanns Tieren sei für den Schlachthof verkraftbar: In Füllinsdorf würden wöchentlich rund 60 bis 70 Schweine, 30 Kälber, 20 Rinder, 10 Lämmer und 5 Kühe geschlachtet. Ausserdem erziele das «Metzgerhuus» mit dem Zerlegen eine weit grössere Wertschöpfung als mit dem Schlachten. Das Zerlegen habe Zimmermann jeweils selber übernommen.
Nicht nur Martin Zimmermann geht eigene Wege. Sein Oltinger Berufskollege Thomas Rickenbacher hat die Dienste der Metzgerhuus Stadt und Land AG noch gar nie in Anspruch genommen. Er schlachtet in einem Lokal nahe Oltingen. Auch Rickenbacher nennt den Transportaufwand als massgebenden Grund für den Verzicht auf das Angebot. Zudem widerspreche eine Schlachtung im «Metzgerhuus» seiner Vorstellung von Regionalität. «Es ist natürlich immer eine Frage der Auslegung, aber für mich ist Füllinsdorf nicht im Oberbaselbiet.» Thomas Rickenbacher schliesst eine spätere Zusammenarbeit mit dem «Metzgerhuus» trotzdem nicht aus: «Die Grundidee ist gut und sie haben die Sache im Griff.»
Auch Raffael Jenzer beurteilt die Entwicklung seines Betriebs positiv. Nach eineinhalb Betriebsjahren sei man weiter als erwartet und die Kennzahlen entwickelten sich sehr erfreulich. Es gebe einige Stellschrauben, die noch justiert werden könnten, sagt der Arlesheimer. «Wir haben vor eineinhalb Jahren bei Null angefangen und mussten eine Herkulesaufgabe meistern.» Mit dem Erreichten brauche man sich nicht zu verstecken.
Eine endgültige Trennung sieht Raffael Jenzer in Zimmermanns Entscheid nicht. Was in zwei, drei Jahren geschehe, sei offen: «Unsere Türen stehen für alle Metzger und Bauern in der Region offen.»

