«Mein Herz ist bei Fribourg»
24.04.2026 Sport, EishockeyRené Furler drückt im Final seinem Ex-Team die Daumen
Fribourg-Gottéron ist der dienstälteste Verein der National League, wartet aber auf seinen ersten Meistertitel. Der ehemalige ZS-Junior und Fribourg-Profi René Furler wünscht dem Club, dass er sich im ...
René Furler drückt im Final seinem Ex-Team die Daumen
Fribourg-Gottéron ist der dienstälteste Verein der National League, wartet aber auf seinen ersten Meistertitel. Der ehemalige ZS-Junior und Fribourg-Profi René Furler wünscht dem Club, dass er sich im Final gegen Davos durchsetzt.
Sebastian Wirz
Der HC Fribourg-Gottéron führt im Play-off-Final der National League gegen den HC Davos mit 2:1. Verfolgen Sie Ihren Ex-Club auf der Mission «erster Meistertitel», Herr Furler?
René Furler: Klar. Wenn man einmal Eishockey gespielt hat, bleibt das die Sportart Nummer 1. Zumindest bei mir ist das so. Ab dem Viertelfinal sitze ich bei den Spielen vor dem Fernseher, wenn ich Zeit habe. Die ersten Finalspiele waren beeindruckend.
Sind Sie auch im Stadion anzutreffen?
Ich wohne im Seeland, wo ich auch die letzten Jahre meiner aktiven Karriere beim EHC Biel gespielt habe. Biel verfolge ich regelmässig, auch wenn ich nicht sehr häufig im Stadion anzutreffen bin. Meine Tochter hat eine Stehplatz-Saisonkarte, ich gehe eher sporadisch auf die Sitzplätze. Auf der Tribüne treffe ich Leute, die noch mit mir gespielt haben. Das ist schön.
Wie steht es mit den Beziehungen nach Freiburg, wo sie von 1997 bis 2000 gespielt haben? Drücken Sie Gottéron die Daumen oder sind Sie durch die zeitliche Distanz ein neutraler Zuschauer geworden?
Es gibt keinen direkten Bezug mehr über Personen, die noch involviert sind. So habe ich zum Beispiel niemanden, dem ich eine Gratulation schreiben würde, wenn sie gewinnen. Aber mein Herz ist ganz klar bei Fribourg. Ich hatte eine tolle Zeit dort, die ich nie vergessen werde. Der Verein hätte es nach all den Jahren ohne Titel auch einmal verdient.
Sie spielten am Ende der Ära Bykow/Chomutow als junger Neuzugang gar in einer Linie mit dem russischen «Dream Team». Hätten Sie damit nach dem Wechsel aus der 1. Liga gerechnet?
Nach zwei 1.-Liga-Jahren in Basel hat Fribourg mich als 18-Jährigen angefragt. Geplant war, dass ich als Elite-A-Junior spiele und zudem das Training des NLA-Teams besuche. Doch ich habe in einem sehr intensiven Jahr von Beginn weg zusätzlich zur Juniorenmeisterschaft das ganze Programm der ersten Mannschaft mitgemacht, während ich noch die KV-Lehre abschloss. Und das, obwohl damals nur mit drei Linien gespielt wurde. Nach einer schwächeren Phase des Teams lief ich tatsächlich für einige Spiele mit Bykow/Chomutow auf. Aber nicht nur diese beiden machten dieses Team aus, mit dem wir in der Qualifikation Rang 2 belegten und im Halbfinal an Davos scheiterten: Mario Rottaris, Patrice Brasey, Olivier Keller, Antoine Descloux, Philipp Marquis, Gerd Zenhäusern – das war eine coole Truppe. Es gibt niemanden, mit dem ich regelmässig telefonieren würde, aber man kennt sich noch. Und wenn man sich antrifft, redet man über alte Zeiten.
Fürchten Sie um den Club, falls er zum sechsten Mal «nur» Vizemeister werden sollte?
Finalgegner Davos hat tatsächlich unglaubliche Power. Ich war wie gesagt beeindruckt von den ersten Finalspielen. Aber nein, ich fürchte nicht um Fribourg. Es geht auch weiter, wenn es nicht klappt. Gottéron ist nicht auf Erfolg aufgebaut. Die Menschen im Club und im Stadion sind von dort, seit Jahren investieren dieselben Sponsoren. Der Club ist die Nummer 1 im Kanton und viel mehr gibt es dort auch nicht. So bildet das Stadion auch eine gute Möglichkeit für Networking. Hier gibt es durchaus Parallelen zu Biel.
Sie mussten ihre Karriere 2006 wegen Hüftproblemen beenden und sind im Seeland geblieben. Wo sind Sie zu Hause? Dem Dialekt ist die Zeit im Kanton Bern anzuhören.
Wenn man jahrelang nur Berndeutsch um sich herum hat, dann färbt das schon ab. Kevin Schläpfer hat den Oberbaselbieter Dialekt irgendwie beibehalten, aber der wohnt ja auch immer noch in Sissach. Ich bin 1997 zu Hause ausgezogen, als ich nach Freiburg ging. Es ist also bald 30 Jahre her, dass ich im Baselbiet gewohnt habe. Dennoch: Itingen bleibt ein Zuhause – meine Tochter reklamiert jeweils, dass ich ihr doch schon 100-mal gezeigt habe, wo ich zur Schule gegangen sei (lacht). Wenn ich gefragt werde, wo ich Eishockey gespielt habe, sage ich ZS, Fribourg und Biel. Das sind die prägenden Stationen, die mir bleiben.
Verfolgen sie, was beim EHC Zunzgen-Sissach läuft?
Ja, ich bekomme das noch mit und es ist mir nicht egal. Schliesslich verdanke ich dem Verein viel. Ich fand nach dem Rücktritt nicht zuletzt eine Stelle, weil der Chef meine sportliche Vergangenheit und meine Persönlichkeit geschätzt hat. Was ich heute bin, bin ich auch wegen ZS geworden. Ich habe gesehen, dass sie Meister der 2. Liga geworden sind. Das ist grossartig – auch nach all den Wirren um das Dach, die Halle, den Rückzug aus der 1. Liga und so weiter.
Sind Sie ab und zu noch im Oberbaselbiet anzutreffen?
Nicht mehr häufig, seit meine Mutter gestorben ist. Der Itinger Weihnachtsmarkt bleibt aber ein Pflichttermin – und die Sissacher Fasnacht. Dort treffe ich lustigerweise immer Oliver und Michel Kamber, die während des Umzugs am gleichen Ort stehen. Kontakt gibt es auch zu anderen ehemaligen ZS-lern und natürlich zu Kevin – ich muss unbedingt einmal mit ihm gemeinsam an einen ZS-Match … das sollte sich doch eigentlich kommende Saison machen lassen …
In einer Linie mit Bykow/Chomutow
wis. René Furler (47) ist in Itingen aufgewachsen und hat beim EHC Zunzgen-Sissach mit dem Eishockeyspielen begonnen sowie erste Erfahrung in der 1. Liga gesammelt. Nach einer Saison als Elite-Junior in Olten spielte er zwei Jahre lang in Basel im Nachwuchs sowie in der 1. Liga, ehe er 1997 zu Fribourg wechselte. In einer sehr intensiven Saison spielte er neben dem letzten Jahr der KV-Lehre zugleich für die Elite-A-Junioren und das Nationalliga-A-Team, wo er für einige Spiele gar mit dem russischen «Dream Team» Wjat-scheslaw Bykow/Andrei Chomutow in einer Linie auflief. Nach drei Jahren in Freiburg und einer Saison bei Rapperswil-Jona wechselte Furler zum EHC Biel in die Nationalliga B, wo er fünf Jahre blieb. Im Seeland wurde er nicht nur Captain, sondern hier gelang nach seinem Rücktritt wegen Hüftproblemen mit 27 Jahren auch der Wechsel vom Profitum in die Privatwirtschaft: Furler, der mit Frau und Tochter weiterhin im Seeland lebt, arbeitet seit bald 20 Jahren in der Uhrenindustrie, aktuell im Bereich Verkauf international.
Play-off-Final National League: HC Davos – Fribourg-Gottéron. Spiel 4: Freitag, 24. April, 20 Uhr, in Freiburg. Spiel 5: Sonntag, 26. April, 20 Uhr, in Davos. Alle Finalspiele werden auf dem Fernsehsender «3+» gezeigt.


