Mehr Platz für Mädchen in Not
18.06.2026 LausenAufberg AG baut Schulwohnheim um
Das Mädchen-Schulwohnheim Wolfbrunnen in Lausen wird saniert und erweitert. Mit dem Neubau reagiert die Institution Aufberg auf verschärfte Bundesvorgaben und die steigende Nachfrage nach Wohnplätzen für weibliche Jugendliche.
...Aufberg AG baut Schulwohnheim um
Das Mädchen-Schulwohnheim Wolfbrunnen in Lausen wird saniert und erweitert. Mit dem Neubau reagiert die Institution Aufberg auf verschärfte Bundesvorgaben und die steigende Nachfrage nach Wohnplätzen für weibliche Jugendliche.
Sander van Riemsdijk
Manchmal ist das Leben in der eigenen Familie keine Option mehr und es braucht eine externe Lösung. Im Mädchen-Schulwohnheim Wolfbrunnen in Lausen mit einer Schule wohnen momentan 14 junge Frauen zwischen 13 und 18 Jahren auf einer Wohngruppe. Diese Jugendlichen können aufgrund unterschiedlicher Lebenslagen nicht in ihrer Familie aufwachsen. Sie werden im Schulwohnheim der Aufberg AG rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr von Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen betreut. Jede Jugendliche hat dabei ein eigenes Zimmer; Badezimmer und WC werden geteilt.
Nun plant die Institution Aufberg, die 1908 erbauten Wohn- und Schulgebäude zu sanieren und zu erweitern. Dabei wird die Aufnahmekapazität um zwei Plätze erhöht. Ausschlaggebend für die Sanierung und den Ausbau seien mehrere Faktoren gewesen, wie Thorsten Binus, Gesamtleiter der Institution, sagt.
Er gewährte der «Volksstimme» Einblicke in das Projekt. Das Wohnschulheim ist ein vom Bund anerkanntes Heim und muss für diese Zulassung gewisse Standards erfüllen. «Künftig wird das Bundesamt für Justiz die Anzahl von 14 Jugendlichen auf einer Wohngruppe nicht mehr anerkennen», erklärt Binus. «Wir wollen uns mit dem Neubau den Vorgaben des Bundes anpassen, um weiterhin anerkannt zu werden.»
Belastungen nehmen zu
Ebenso entspricht die heutige Infrastruktur nicht mehr den Anforderungen an die Führung einer sozialpädagogischen Institution. Mit dem Neubau werden moderne und auf die Bedürfnisse der Jugendlichen abgestimmte Räume geschaffen.
Um auf die massiv gestiegene Nachfrage nach Plätzen für weibliche Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren zu reagieren, wird die Anzahl der Plätze auf insgesamt 16 erhöht, verteilt auf zwei Gruppen. Angebaut wird ein Mehrzweckraum, der sowohl als Bewegungsraum dient als auch für Anlässe wie Vorträge, Feiern oder Theateraufführungen genutzt werden kann. Beim vierstöckigen Neubau steht die Funktionalität im Fokus, betont Binus. «Wir wollen keinen Protzbau hinstellen, sondern einen Bau, der bedarfs- und bedürfnisorientiert geplant ist.» Neben den beiden Wohngruppen werden auch Administration, Hauswirtschaft und interne Dienste im Neubau untergebracht.
«Es braucht diese genderspezifischen Plätze für Mädchen», sagt Binus. Die massive Zunahme psychischer Erkrankungen bei weiblichen Jugendlichen in den vergangenen fünf Jahren und der Druck auf die Institution geben ihm zu denken: «Es sind Belastungen wie Leistungsdruck, Stress, Ängste und andere psychische Probleme, unter denen die jungen Menschen heute vermehrt leiden, sowie die Suchtgefahr durch Soziale Medien.»
«Seltisberg» springt ein
In einer ersten Bauphase wird der Pavillon abgerissen und die Schule von innen kernsaniert. «Die Bausubstanz der Schule ist denkmalwürdig», so Binus. «Die innere Struktur soll beibehalten und die Aussenhülle instand gehalten werden.» Während des Umbaus wird der Betrieb im Wohnheim aufrechterhalten. Dazu werden einige Wohnplätze sowie die Schule ins Kinderheim Auf Berg in Seltisberg verlegt. Ziel ist es, den mehrstufigen Schulbetrieb auf Beginn des Schuljahres 2027/28 wieder in Lausen aufzunehmen.
Das Projekt wird durch Beiträge des Kantons Baselland und des Bundes finanziert. Der Spatenstich ist für August geplant. Das gesamte Projekt soll im Sommer 2028 abgeschlossen sein.


