Mehr als nur «Armdrücken»
31.03.2026 SportArmwrestler-Szene bringt sportliches Können und gute Stimmung
Am Samstag haben die Schweizermeisterschaften im Armwrestling Sportlerinnen, Fans und Neugierige in die Mehrzweckhalle nach Wintersingen gelockt. Es präsentierte sich eine Szene, die von weit mehr geprägt ist als ...
Armwrestler-Szene bringt sportliches Können und gute Stimmung
Am Samstag haben die Schweizermeisterschaften im Armwrestling Sportlerinnen, Fans und Neugierige in die Mehrzweckhalle nach Wintersingen gelockt. Es präsentierte sich eine Szene, die von weit mehr geprägt ist als reiner Muskelkraft.
Wendy Maltet
Rund um die Mehrzweckhalle und entlang der Strasse reihen sich die Autos – ein erstes Zeichen dafür, dass in Wintersingen an diesem Samstag etwas Besonderes stattfindet. In der Halle selbst ist schnell klar: Hier geht es nicht nur um Sport, sondern auch um Begegnung. Die Halle ist gut gefüllt, die Stimmung ist offen, einladend und gleichzeitig von einer spürbaren Spannung geprägt.
Auf der Bühne treffen sich Armwrestlerinnen und Armwrestler aus der ganzen Schweiz zum wettkampfmässigen «Armdrücken». In verschiedenen Kategorien – von Junioren über Amateur- und Seniorenklassen bis hin zu den Masters – wird mit dem linken und dem rechten Arm um Titel gekämpft. Das Publikum ist bunt gemischt: Familien aus dem Dorf, neugierige Besucherinnen und Besucher, aber auch Kenner der Szene, die jeden Griff genau verfolgen.
«Der Sport ist für alle offen»
Zwischen den Wettkämpfen wird geplaudert, gelacht und angefeuert. Immer wieder richtet sich der Blick gespannt nach vorne, wenn zwei Athleten ihre Position einnehmen und das Zeichen des Schiedsrichters abwarten.
Mitten im Geschehen stehen auch Gabrielle Schwab und Louis Reffay aus Neuenburg. Sie sind mit ihrem Club «Bras de Fer» angereist und gehören zu den jüngeren Teilnehmenden des Tages. Die 16-jährige Gabrielle startet in der Kategorie bis 65 Kilogramm. Zum Armwrestling gefunden hat sie über ihre Mutter, die selbst bereits an Wettkämpfen teilgenommen hat. Dass viele Frauen im Sport älter sind als sie, fällt ihr zwar auf, fehl am Platz fühlt sie sich aber keineswegs: «Der Sport ist für alle offen, unabhängig von Alter und Geschlecht», sagt sie überzeugt. Entsprechend entspannt blickt sie ihrem Einsatz entgegen und freut sich vor allem darauf, gemeinsam mit ihrem Team einen guten Wettkampf zu erleben.
Louis, 20 Jahre alt, tritt in der Kategorie über 99 Kilogramm an. Er wurde durch Freunde auf die Sportart aufmerksam und hat seither Gefallen daran gefunden. Wer einsteigen möchte, solle sich einen Klub suchen, der klare Werte vermittle, rät er. Beide trainieren einbis zweimal pro Woche. Nachdem sie im vergangenen Jahr erstmals an einer Schweizermeisterschaft teilgenommen haben, sind sie nun gespannt, in Wintersingen weitere Erfahrungen zu sammeln. Für beide steht fest: Armwrestling ist in erster Linie «un plaisir» – eine Freude.
Die Grossen der Szene
Noch eine Spur fokussierter wirkt die Elite. Mit Katarina Sandorova und Xhelal Gjemali Hazer, genannt «Cello», stehen gleich zwei international erfolgreiche Athleten in der Halle. Die Doppel-Vizeweltmeisterin und der amtierende Weltmeister sowie 19-fache Schweizer Meister ziehen mit ihrer Präsenz und Ausstrahlung die Blicke auf sich.
Während Sandorova sich auf ihren Einsatz vorbereitet und ihre Arme locker kreisen lässt, erklärt sie nebenbei die Struktur der Wettkämpfe. Die Gewichtsklassen sind hier in 10-Kilogramm-Schritten etwas breiter gefasst als an Weltmeisterschaften, wo meist in 5-Kilogramm-Abstufungen eingeteilt wird. In den Master-Kategorien werden die Grenzen noch lockerer gehandhabt. Dort kann es durchaus vorkommen, dass eine 75 Kilogramm schwere Athletin auf eine Gegnerin mit 95 Kilogramm trifft.
«Cello» nimmt sich trotz bevorstehendem Einsatz Zeit für ein längeres Gespräch. Mit sichtbarem Stolz spricht er über die Erfolge der Schweizer Szene: An der Weltmeisterschaft 2025 hätten fünf Schweizer Athleten insgesamt neun Medaillen gewonnen. «Man kann ja mit beiden Armen antreten», erklärt er dies mit einem Augenzwinkern.
Zum Armwrestling kam er vor vielen Jahren eher zufällig bei einem Turnier in einer Bar. Heute gehört er zu den prägenden Figuren der Szene und hat seinen eigenen Klub mit aufgebaut. Für ihn ist klar: «Armdrücker sind nicht einfach nur stark, das Training ist sehr vielseitig und technisch anspruchsvoll.» Was den Sport für ihn besonders macht, sind die Menschen: «Wir sind wie eine Familie», sagt er. Und sein Land bei internationalen Wettkämpfen zu vertreten, erfülle ihn jedes Mal mit Stolz.
Für viele Wintersingerinnen und Wintersinger bietet der Anlass eine seltene Gelegenheit, eine eher unbekannte Sportart aus nächster Nähe zu erleben. Das Rahmenprogramm mit Angeboten für Kinder, warmen Speisen und einem grossen Kuchenbuffet sorgt zusätzlich dafür, dass sich auch Besucherinnen und Besucher wohlfühlen, die mit Armwrestling bislang wenige oder keine Berührungspunkte hatten.
So zeigt sich an diesem Tag: Armwrestling ist weit mehr als ein reines Kräftemessen. Es ist ein Zusammenspiel aus Technik, Taktik und mentaler Stärke und nicht zuletzt ein Sport, der Menschen zusammenbringt.




