Mehr als ein paar Hütchen
08.10.2026 SportDen Kurs fürs Uefa-C-Diplom absolviere ich gerade – und erlebe den Fussball aus einer neuen Perspektive, die mir zeigt, wie anspruchsvoll die Arbeit als Trainerin oder Trainer ist. Besonders erfreulich ist, dass es gelang, viel mehr Frauen für die Ausbildung anzusprechen, indem ...
Den Kurs fürs Uefa-C-Diplom absolviere ich gerade – und erlebe den Fussball aus einer neuen Perspektive, die mir zeigt, wie anspruchsvoll die Arbeit als Trainerin oder Trainer ist. Besonders erfreulich ist, dass es gelang, viel mehr Frauen für die Ausbildung anzusprechen, indem wir reine Frauenklassen schufen. Gerade im Praxisteil zeigt sich, dass sich manch eine wohler fühlt, wenn sie mit anderen Frauen lernen, ausprobieren und Fehler machen kann. Wollen wir künftig mehr Trainerinnen auf unseren Fussballplätzen sehen, müssen wir genau solche Angebote schaffen, die Frauen ansprechen und ihnen ein Umfeld bieten, in dem sie sich entwickeln können.
Entwicklung ist ohnehin zentral in diesem Kurs. Zwischen den Kurstagen leiten wir zweimal ein Training, nehmen Sequenzen auf und analysieren diese anschliessend. Was hat funktioniert? Wo war die Erklärung zu lang? Wo hätte ich früher eingreifen sollen? Habe ich an die wichtigsten Coachingpunkte gedacht? So ergibt sich die Chance, es beim nächsten Mal besser zu machen.
Da ich selbst noch kein Team trainiere, musste ich für diese Trainings eines suchen und wurde vom FC Gelterkinden mit offenen Armen empfangen, wofür ich sehr dankbar bin. Natürlich hatte ich mich gut vorbereitet. Sehr gut sogar! Dachte ich zumindest. Doch auf dem Platz merkte ich rasch: Du kannst einen noch so schönen Plan haben – Trainerin zu sein, ist nicht so einfach. Plötzlich muss das Material zur richtigen Zeit am rechten Ort sein. Die nächste Übung sollte schon bereitstehen, während die aktuelle noch läuft. Du beobachtest, korrigierst, erklärst, schaust auf die Uhr und versuchst nebenbei, nicht zu vergessen, was du eigentlich vermitteln wolltest. Im besten Fall verstehst du die eigene Übung auch selbst …
Mein Respekt vor allen Trainerinnen und Trainern ist dadurch noch gewachsen. Sie stehen wöchentlich mehrmals auf dem Platz und jonglieren mit Material, Zeit und unterschiedlichen Charakteren. Und: Sie haben mit Menschen zu tun, mit deren Emotionen auf und Befindlichkeiten neben dem Platz. Gute Trainerinnen und Trainer – dies meine wichtigste Erkenntnis – vermitteln nicht nur Fussball. Sie schaffen ein Umfeld, in dem Menschen lernen und sich entwickeln können – und deshalb gerne wiederkommen.
Deshalb ein grosses Dankeschön an alle Trainerinnen und Trainer, die Woche für Woche mit viel Herzblut vorbereiten, organisieren, motivieren, zuhören und improvisieren. Vieles davon geschieht unsichtbar und wird als selbstverständlich angesehen. Das ist es nicht. Darum: Danke für euren Einsatz! Ohne euch ginge gar nichts im Sport.
Vera Gmür
Vera Gmür (1985) ist Präsidentin Frauenfussball beim FVNWS. Die Ormalingerin spielte früher selber im Halbprofibereich, heute engagiert sie sich für die Entwicklung des Mädchen- und Frauenfussballs in der Region und spielt bei den Seniorinnen des SV Sissach.

