Mehr als ein Derby
24.09.2026 FussballBubendorf empfängt Gelterkinden gleich fünffach
In den Nullerjahren dominierte der FC Gelterkinden das Duell gegen den FC Bubendorf in der 3. Liga. Seit dem Aufstieg der beiden Vereine war Bubendorf deutlich stärker – bis jetzt: Am Samstag will der FCG seinen ...
Bubendorf empfängt Gelterkinden gleich fünffach
In den Nullerjahren dominierte der FC Gelterkinden das Duell gegen den FC Bubendorf in der 3. Liga. Seit dem Aufstieg der beiden Vereine war Bubendorf deutlich stärker – bis jetzt: Am Samstag will der FCG seinen Vorsprung in der Tabelle im Derby ausbauen.
Sebastian Wirz
Wenn der FC Bubendorf am Samstag den FC Gelterkinden zum Oberbaselbieter 2.-Liga-Duell empfängt, bietet sich ein ungewohntes Bild: Bubendorf ist nach einem schwachen Saisonstart mit nur einem Sieg aus sechs Meisterschaftsspielen knapp über dem Strich klassiert. Gelterkinden hat mit drei Siegen und drei Niederlagen derweil eine ausgeglichene Bilanz und steht fünf Punkte vor dem FCB.
Das Bild ist deshalb ungewohnt, weil der FC Bubendorf seit dem Aufstieg in die 2. Liga vor elf Jahren ganz einfach immer besser war als Gelterkinden. Er klassierte sich von 2015 bis 2018 immer in den Top 6, wurde 2019 Regionalmeister und spielte im Anschluss gar 5 Jahre interregional. Nach dem Abstieg fiel der FCB nicht auseinander, sondern gehört weiterhin zu den besten Teams der höchsten Regionalliga (siehe Tabelle).
Die Bilanz der Direktduelle mit Gelterkinden in den vergangenen Jahren geht ebenfalls deutlich an Bubendorf: In sechs der letzten acht Duelle siegten die Bubendörfer. Wer bis zum Aufstieg des FCB in die 2. Liga zurückblickt und alle 12 Duelle seit 2015 berückstichtigt, kommt immer noch auf eine Bilanz von 6-3-3 zugunsten von Bubendorf.
90 Prozent eigene Junioren
Dieses Verhältnis war nicht immer so: In den Nullerjahren, als die ersten Mannschaften beider Vereine in der 3. Liga aufliefen, dominierte der FC Gelterkinden das Duell. In der Phase nach dem letzten Gelterkinder Abstieg aus der 2. Liga 2003 konnte der FCG ganze 9 von 12 Duellen gegen Bubendorf in der Liga für sich entscheiden.
Es war jene Zeit, in der die 2. Liga aus 12 Teams bestand und die Gruppensieger der 3. Liga nicht direkt aufsteigen konnten, sondern gegeneinander antreten mussten. Der FCG klopfte mit drei Gruppensiegen in Serie so laut an die Tür der 2. Liga, wie er konnte, scheiterte jedoch jeweils in den Aufstiegsspielen. Als die höchste Regionalliga auf 14 Teams aufgestockt wurde, gelang der Aufstieg mit dem FC Bubendorf aber zuerst einem anderen Oberbaselbieter Team. Gelterkinden musste sich bis 2013 gedulden, ehe der vierte Gruppensieg in sieben Jahre endlich den Gang in die 2. Liga bedeutete. Ausgerechnet mit einem Sieg auf dem Sissacher Tannenbrunn, also beim grössten Rivalen, wurde die Promotion im Juni 2013 Realität. Seither ist Gelterkinden nicht aus der 2. Liga wegzubringen.
Als Spieler dabei war damals Samuel Mollet. Der heutige Sportliche Leiter macht die Konstanz des FC Gelterkinden primär daran fest, dass der Club zu 90 Prozent auf Spieler setzen könne, die schon als Junioren für den FCG aufgelaufen sind und welche die Vereinsphilosophie leben würden: «Wir haben fussballerisch nicht die allerbesten Einzelspieler, aber solche, die loyal sind und ihr Herz auf dem Platz lassen», sagt Mollet. Die Einzelgespräche über die nächste Saison seien oft sehr einfach. Er frage die Spieler nach Ambitionen und Zielen. «Die Antwort lautet erstaunlich häufig: ‹Mir gefällt es hier. Ich bleibe.›», sagt Mollet, «die Gespräche dauern teilweise nur zwei Minuten.»
Rückkehrer sind willkommen
Da der FC Gelterkinden kein Geld bezahle und die Wolfstiege weit weg von Basel liege, sei es schwierig, auswärtige Spieler nach Gelterkinden zu lotsen, so Mollet. Umso wichtiger sei die Nachwuchsarbeit und das Nachziehen von Spielern aus der zweiten Mannschaft. Zudem hielten Mollet und seine Kollegen Kontakt zu ehemaligen FCGlern: «Wenn Gelterkinder im Kader des FC Liestal oder anderswo den Aufwand für höhere Ligen nicht mehr leisten wollen, wissen sie, dass wir Rückkehrern gerne Platz geben», sagt Mollet.
«Wie bei Gelterkinden ist auch bei uns das Zwischenmenschliche wohl wichtiger als bei einigen Vereinen im Unterbaselbiet, bei denen es dafür Geld zu verdienen gibt», erklärt Raoul Bürgin eine Gemeinsamkeit der beiden Vereine. Der Sportchef des FC Bubendorf ist überzeugt, dass diese Oberbaselbieter Clubs nicht zerfallen würden, wenn ein Abstieg aus der 2. Liga einmal Realität würde. Auch sein FCB legt ambitionierten Junioren, die nach Liestal oder weiter abwandern wollen, keine Steine in den Weg – im Wissen, dass «90 Prozent davon wieder zu uns zurückkommen werden», sagt Bürgin. Auswärtige Spieler locke der Verein nicht mit finanziellen Versprechen an, eher würden häufig die vorhandenen Spieler Kollegen anfragen, deren Charakter mit dem Team übereinstimme und die eine fussballerische Verbesserung für Bubendorf bedeuten.
Raoul Bürgin hofft, dass es sich beim eingangs erwähnten Blick auf die Tabelle um eine Momentaufnahme handelt und der FC Bubendorf den FC Gelterkinden bald wieder überholt. In der tabellarischen Lage seines FCB sei die Partie am Samstag mehr als nur ein Derby. Bürgin erwartet ein kampfbetontes 2.-Liga-Duell und gibt sich angriffslustig: «Es gibt keinen besseren Moment für einen Turnaround als ein Derby.»
Derbytag
wis. Am Samstag treffen nicht nur die 2.-Liga-Teams des FC Bubendorf und des FC Gelterkinden aufeinander: Die Vereine haben beim Verband darum gebeten, dass auch andere Direktduelle auf denselben Tag angesetzt werden. So kommt es am Samstag auf dem Sportplatz Brühl gleich in fünf Meisterschaften zu einem Oberbaselbieter Derby des FCB gegen den FCG:
9.30 Uhr: Junioren D-9, Stärkeklasse 1
13.00 Uhr: Junioren B, 1. Stärkeklasse
16.15 Uhr: 2. Liga Männer
18.15 Uhr: 3. Liga Männer
20.15 Uhr: 3. Liga Frauen


