Mehr als die Manege
02.10.2026 SissachDie Kinder des Jugendzirkus Robiano leben auf Tournee in Wohnwagen
Der Jugendzirkus Robiano hat in Sissach Halt gemacht. Unter dem Titel «Und Action!» präsentieren 18 Artistinnen und Artisten ihr Können. Hinter den Zirkusnummern steckt eine Gemeinschaft, die auf ...
Die Kinder des Jugendzirkus Robiano leben auf Tournee in Wohnwagen
Der Jugendzirkus Robiano hat in Sissach Halt gemacht. Unter dem Titel «Und Action!» präsentieren 18 Artistinnen und Artisten ihr Können. Hinter den Zirkusnummern steckt eine Gemeinschaft, die auf Tournee besonders eng zusammenwächst.
Fiona Findlay
In einem Filmstudio bricht die Krise aus: Drei Regisseurinnen wollen drei völlig unterschiedliche Filme drehen, gleichzeitig setzen finanzielle Engpässe die Crew unter Druck. Eine gemeinsame Lösung muss her. Mit viel Herz, Humor und Artistik verzaubern 18 Jugendliche des Jugendzirkus Robiano das Publikum mit ihrem diesjährigen Programm «Und Action!».
Was in der Manege spielerisch leicht aussieht, ist über viele Monate entstanden. Fast ein Jahr lang bereiten sich die Artistinnen und Artisten im Alter von 10 bis 18 Jahren auf ihre Tournee vor. Sie studieren ihre Nummern ein, trainieren ihre Disziplinen und wirken gleichzeitig an der Rahmengeschichte mit.
Ein bisschen erinnert die Handlung auch an das Zirkusleben selbst. «Gewisse Parallelen gibt es sicher», sagt Leiterin Laura Furrer, ursprünglich aus Zunzgen, vor der ersten Vorstellung in Sissach. Wo viele Menschen zusammenarbeiten, gebe es unterschiedliche Meinungen. «Dann muss man zusammensitzen und Lösungen finden.» Die Kreativität der Jugendlichen ist dabei ausdrücklich gefragt: Sie können die Geschichte mit ihren eigenen Ideen mitgestalten. Zum ersten Mal arbeitet «Robiano» in diesem Jahr mit Regisseurin Georgina Ray. Auch musikalisch gibt es eine Neuerung: Donath Weyeneth und Benjamin Brodbeck begleiten die Vorstellungen erstmals mit eigens komponierter Musik.
Das Zuhause zieht mit
Während zweier Wochen zieht der Zirkus von Ort zu Ort. Nach der Premiere in Arlesheim und den Vorstellungen in Zug und Vordemwald machte der «Robiano» in Sissach am 30. September und am 1. Oktober Halt. Danach geht es für die Jugendlichen nach Basel und Reinach, bis am 8. Oktober die Dernière in Oberwil stattfindet. «In dieser Zeit lebt man ein bisschen in seiner eigenen Welt», erklärt Laura Furrer. Unterwegs werden die Zirkuswohnwagen für die gesamte Gruppe zum Zuhause. Für Linus aus Sissach ist genau dieses Leben einer der schönsten Aspekte der Tournee: Seit sechs Jahren ist er beim Jugendzirkus Robiano dabei. «Das Zusammenleben mit den Artistinnen und Artisten gefällt mir am meisten», sagt er. Trotz des wiederkehrenden Ablaufs werde die Reise nie eintönig: «Jeder Ort bringt etwas Neues mit sich.»
Auch Yanik aus Oltingen schätzt das gemeinsame Zirkusleben. Seit zwei Jahren ist er dabei und liebt vor allem das Training. Selbst eine Aufgabe, die zunächst weniger nach Vergnügen klingt, gehört für ihn zu den Höhepunkten: «Das Abbauen macht mir sehr viel Spass.»
Damit ist er nicht allein: Tanisha aus Rünenberg, ebenfalls seit zwei Jahren dabei, schwärmt vom «artistischen Zusammenhalt» und der guten Stimmung beim Auf- und Abbau. In der Manege ist die 16-Jährige mit Vertikaltuch, Strapaten und Jonglage zu sehen. Besonders das Vertikaltuch habe es ihr angetan.
Das Tourneeleben sei eine intensive Zeit, sagt Leiterin Laura Furrer. Neben Proben, Vorstellungen und Auf- und Abbauten bleibt aber auch Zeit für Erlebnisse abseits der Manege. «Diesen Herbst konnten wir viel im Zugersee baden», erzählt Tanisha. Das gehört mittlerweile zur Zirkustradition. Für Alma aus Oltingen ist all das noch neu: Die 11-Jährige ist zum ersten Mal auf Tournee. Sie fährt Kunstrad und zeigt Handstände in der Manege. Einen einzelnen Höhepunkt kann sie bislang nicht nennen: «Mir gefällt alles am Tourneeleben.»
Vorkenntnisse nicht nötig
Die Jugendlichen müssen bei «Robiano» keinerlei Zirkuserfahrung mitbringen. Eine klassische Aufnahmeprüfung gibt es im Jugendzirkus Robiano nicht:Wer mitmachen möchte, schreibt dem fünfköpfigen Leitungsteam einen Brief und erklärt darin, weshalb er oder sie gerne dabei wäre. «Wir wollen allen Kindern eine Chance geben, auch wenn sie ohne Grundkenntnisse zu uns kommen», betont Laura Furrer.
Sie weiss selbst, was die Zeit bei «Robiano» mitgeben kann. Bereits als Jugendliche war Furrer als Artistin dabei. Neben dem Artistischen und Schauspielerischen sei für sie vor allem das Zusammenleben prägend gewesen. Gemeinsam arbeite man auf etwas hin und stelle etwas auf die Beine. Gerade wenn es anstrengend werde oder Herausforderungen auftauchten, wachse die Gruppe zusammen.
Dieses Gemeinschaftsgefühl ist auch während der Vorstellung in Sissach zu spüren. «Ihre Vorstellungen bereiten mir so viel Freude», sagt ein Zuschauer. Wer gerade nicht selbst in der Manege steht, verfolgt die Tricks der anderen und freut sich über ihre Erfolge. Im Publikum sitzen auch ehemalige Artistinnen. Für eine von ihnen ist der Besuch eine Rückkehr in eine vertraute Welt: «Dieser Zirkus war für mich meine Kindheit.»


