Mann gegen Mann
17.09.2026 Sport, TurnenDie Schweizer Turnliga bringt Duelle für die Amateure
Morgen werden beim Final in Liestal die Sieger der Schweizer Turnliga gekürt. Beim neuen Format treten jeweils zwei Turner gegeneinander an. Wer besser turnt, sichert seinem Team Punkte.
Sebastian ...
Die Schweizer Turnliga bringt Duelle für die Amateure
Morgen werden beim Final in Liestal die Sieger der Schweizer Turnliga gekürt. Beim neuen Format treten jeweils zwei Turner gegeneinander an. Wer besser turnt, sichert seinem Team Punkte.
Sebastian Wirz
Es gibt vieles, womit Kunstturner bei der Ausübung ihrer Sportart zu kämpfen haben können. Mit der Schwerkraft auf jeden Fall, vielleicht mit müden Muskeln bei einer langen Übung, mit der Disziplin im Trainingsbetrieb oder der schieren Anzahl Trainingsstunden in der Woche. Mit der Schweizer Turnliga kommt ein neuer «Kampf» hinzu: Das Duell Mann gegen Mann.
Dass auch die Konkurrenten und ihre Leistungen Teil eines Wettkampfs sind und es nicht ausschliesslich um die eigene Leistung geht, ist das normalste der Welt. Die Punkte bestimmen bei den herkömmlichen Wettkämpfen die Rangliste. Wer die beste Note hat, steht zuoberst. Der Bock bei Gerät 1 ist eine Hypothek für die weiteren. Die Rangliste kann zudem für die Teamwertung herangezogen werden. Die Schweizer Turnliga macht aus dem System der klassischen Rangliste ein rundenbasiertes Duell und bringt ganz neue «taktische» Elemente ein. Die Turner treten jeweils gegen einen anderen Teilnehmer an. Wer besser ist, erhält Punkte fürs Team, wobei es mehr Punkte gibt, je grösser die Differenz der beiden Noten ist. Wer gut turnt, aber gegen einen noch besseren Duell-Gegner verliert, holt keine Zähler.
An jedem Gerät starten drei Turner pro Mannschaft. Abwechselnd turnt ein Team zuerst und das andere schaut zu, ehe es den eigenen Starter definiert. «Dieses Format macht wahnsinnig Spass», sagt Emanuel Senn. Der Stützpunktverantwortliche Kunstturnen des Nordwestschweizerischen Kunstturn- und Trampolinzentrums Liestal (NKL) freut sich einerseits darüber, dass die Turnliga den Amateuren eine Plattform bietet, während Nationalkaderathleten nur im personellen Notfall eingesetzt werden sollen. «Andererseits ist es für die Zuschauer mega spannend», sagt das NKL-Geschäftsleitungsmitglied.
Das weiss Senn aus eigener Erfahrung, denn er und die Trainer sitzen bei den Liga-Runden auf der Tribüne, während sich die Baselbieter Turner selbst organisieren und entscheiden, wer antritt. «Sie mussten das zuerst lernen. Es war interessant, ihnen dabei zuzusehen», sagt Senn. «Es ist ein gutes System, das mehr Taktik zulässt», sagt mit Benaja Munsch ein Mitglied des Teams, «bei anderen Wettkämpfen zählt einfach alles zusammen, hier ist die Gesamtpunktzahl nicht so entscheidend.» Entscheidend ist nur, wie die Punktzahl im Vergleich zum gegnerischen Turner ausfällt. Die Mannschaft mache im Voraus einen Plan, wer wann turnen könnte, und passe diesen laufend an. «Wenn der gegnerische Turner stürzt, kann auch eine einfachere Übung viel Wert sein und Punkte geben», sagt Munsch, «oder wir setzen erst recht den Top-Turner ein, um viele Zähler auf einmal zu sichern.»
Vier Mannschaften waren bei der Premieren-Saison der Turnliga vergangenes Jahr dabei, heuer treten sechs Teams je einmal gegeneinander an. Beim Finalabend trifft das auf Rang 3 liegende Team Baselland morgen (ab 19 Uhr) im Direktduell um Rang 2 auf das Team Aargau. Die Platzverhältnisse im Kunstturnzentrum Rosen in Liestal sind dabei begrenzt: «Wir haben Tribünen und werden zwischen den zwei Wettkampfteilen umbauen», sagt Emanuel Senn, «150 Personen haben Platz – und wenn voll ist, ist voll.»
Senn ist begeistert vom neuen Format, das dem Vorbild der deutschen Bundesliga folgt. Das Team Baselland werde auch kommendes Jahr mit von der Partie sein. Da es zusätzliche Interessenten gebe und die Liga wachsen könnte, sei der Modus für 2027 noch nicht bestimmt, so Senn. Aber damit befassen sich die NKL-Turner auch nicht. Für sie geht es morgen um Rang 2 sowie das Duell mit Schwerkraft, müden Muskeln – und diesem einen Turner des gegnerischen Teams.
